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Siemens-Personalchefin Ederer: Mit Wiener Charme und Chuzpe

von Axel Höpner Quelle: Handelsblatt Online

Von der Politik über die Salzburger Festspiele bis hin zu Siemens nach München - die Österreicherin Brigitte Ederer hat viele Talente. Heute wird die Sozialdemokratin Personalchefin des Technologiekonzerns. Ihr Verhandlungsgeschick aus der Politik kann sie von Beginn an gut gebrauchen.

Brigitte Ederer: Die 54-Jährige rückt zum Personalvorstand von Siemens auf. Quelle: handelsblatt.com
Brigitte Ederer: Die 54-Jährige rückt zum Personalvorstand von Siemens auf. Quelle: handelsblatt.com

MÜNCHEN. Bei allem Wiener Charme, wenn es ums Geschäft geht, schätzt Brigitte Ederer das offene Wort. Als sie vor über zehn Jahren als zuständige Stadträtin in Wien mit Siemens über die gelieferten Straßenbahnen nachverhandelte, da war Schluss mit lustig. Die Chuzpe der Sozialdemokratin beeindruckte die Verantwortlichen vom deutschen Technologiekonzern so sehr, dass sie Ederer kurz darauf in den Vorstand von Siemens Österreich holten.

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Am Donnerstag nun folgt der nächste Karriereschritt: Die 54-Jährige rückt zum Personalvorstand von Siemens auf. Für den Balanceakt zwischen Arbeitnehmer- und Unternehmensinteressen, zwischen deutschen Mitbestimmungsregeln und Renditevorgaben sind ihr Verhandlungsgeschick und ihre langjährige politische Erfahrung gefragt - und zwar gleich von Beginn an. So muss sie als Erstes den Stellenabbau in der IT-Sparte SIS möglichst geräuschlos abwickeln. Welche Schwerpunkte sie sonst setzen will, ließ sie bislang offen.

Politiker, die in die Wirtschaft wechseln, sind immer noch Exoten. So wird derzeit gespannt beobachtet, bei welchem Konzern Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch auftaucht, und viel über die Jobs von Gerhard Schröder und Joschka Fischer diskutiert. Auch Ederer hatte eine stolze Politkarriere hinter sich, ehe sie 2001 zu Siemens kam. Die Wienerin war unter anderem Staatssekretärin für Europa-Angelegenheiten und Bundesgeschäftsführerin der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ). "Nach 17 Jahren in der Politik wollte sie noch einmal etwas Neues machen", sagt ein Vertrauter.

Das Personalkarussel bei Siemens dreht sich

Dass sie die zweite Karriere bis in die noble Siemens-Konzernzentrale am Wittelsbacher Platz führen würde, ahnte Ederer wohl selbst nicht. Doch nach dem Wechsel von Industrie-Vorstand Heinrich Hiesinger zu Thyssen-Krupp drehte sich bei Siemens das Personalkarussell rasant: Personalvorstand Siegfried Russwurm übernimmt die Führung der Industriegeschäfte, Ederer wird dessen Nachfolgerin im Personalressort. Die Zeiten, in denen deutsche Männer die Top-Posten bei Siemens unter sich ausmachten, sind damit definitiv vorbei. Im Siemens-Vorstand liegt der Frauenanteil - Einkaufsvorstand Barbara Kux ist auch noch da - nun bei 25 Prozent. Ganz ohne Quote, wie sie im Konzern gern anmerken.

Ederer will sich jetzt erst einmal einen Überblick verschaffen, Standorte besuchen, Kontakte knüpfen. Doch die Förderung der Diversität - also von Frauen und Ausländern in Führungspositionen - dürfte sie energisch vorantreiben. Zudem liege ihr die Zukunft der Industriearbeitsplätze in Europa - bei allem Anpassungsbedarf - am Herzen.

Mit ihrer Herkunft aus dem sozialdemokratischen Lager stößt Ederer bei Arbeitnehmervertretern durchaus auf Wohlwollen. "Sie ist von der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat positiv aufgenommen worden", sagte Bayerns neuer IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler dem Handelsblatt. Er warnte aber: "Es wird aber natürlich Konflikte geben. Ich erwarte von Frau Ederer, dass sie anerkennt, dass es bei Siemens eine starke Gewerkschaft gibt, und die heißt IG Metall."

Seit der Aufarbeitung des Schmiergeldskandals arbeiten Vorstandschef Peter Löscher, der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme und IG-Metall-Chef Berthold Huber eng zusammen, das Verhältnis gilt als belastbar. Die IG Metall hatte der früheren Unternehmensführung vor allem verübelt, dass sie mit der arbeitgeberfreundlichen AUB versucht hatte, eine Gegengewerkschaft zu fördern.

Genug Konfliktpotential

Das ist zwar mittlerweile Geschichte, doch auch aktuell gibt es genug Konfliktpotenzial. Bei SIS sollen allein in Deutschland 2000 Stellen wegfallen. Von Vorteil könnte sein, dass Österreich schon bei dem bisherigen Stellenabbauprogramm als einer der Brennpunkte galt. "Insofern kennt sich Frau Ederer auch bei heiklen Themen aus", sagte Vorgänger Russwurm dem Handelsblatt. Er sei zuversichtlich, dass Ederer in den nächsten Wochen bei SIS zu einer Einigung komme.

Herausforderungen also gibt es genug. Für Fußball - Ederer ist leidenschaftlicher Austria-Wien-Fan und hat bei der WM abends kaum ein Spiel verpasst - wird womöglich nicht viel Zeit bleiben. Da trifft es sich gut, dass sie von ihrem neuen Schreibtisch aus einen direkten Blick hat auf die 37-Quadratmeter-LED-Leinwand auf dem Wittelsbacher Platz. Diese wusste schon Vorgänger Russwurm zu schätzen.

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