Siemens-Schmiergeldskandal: Unterlagen beflügeln Streit zwischen Cromme und Pierer

Siemens-Schmiergeldskandal: Unterlagen beflügeln Streit zwischen Cromme und Pierer

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Siemens-Aufsichtratschef Gerhard Cromme

von Andreas Wildhagen

Der Versuch von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, Ex-Konzern-Chef Heinrich v. Pierer für Schmiergeldzahlungen zur Rechenschaft zu ziehen, spitzt sich zum Kampf um die Deutungshoheit über neu aufgetauchte Unterlagen zu.

Eigentlich ist so etwas für Gerhard Cromme, 66, kein Grund zur Aufregung. Aktionärsversammlungen kommen ihm doch fast vor wie Freundschaftsspiele eines Fußballprofis am Sonntagnachmittag. Eigentlich könnte Cromme auch ganz locker in die Veranstaltung in der Münchner Olympiahalle gehen. Wer dem Aufsichtsrat des Stahlriesen ThyssenKrupp vorsitzt und den Kontrollgremien des Versicherungsgiganten Allianz und des Axel-Springer-Verlages angehört, ist auch allen Zweifeln erhaben, wenn er die Jahreshauptversammlung des Siemens-Konzerns leitet. Eigentlich passiert auf solchen Marathonsitzungen doch sowieso nicht viel.

Eigentlich, eigentlich, eigentlich – die zarten, von glücklichen Erfahrungen gespeisten, scheinbar vernachlässigbaren Einschränkungen, sie gelten für Cromme in wenigen Wochen nicht mehr. Die Augen Hunderter von Aktionären werden sich am 26. Januar 2010, wenn Siemens ruft, stechend in Cromme bohren, den Mann auf der Stirnseite des Podiums. Der Gongschlag wird eine Veranstaltung von knisternder Spannung einläuten, viel spannender als sonst.

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Wird Cromme dafür sorgen, dass der frühere Siemens-Vorstandschef Heinrich v. Pierer, 68, an dem Dienstag im Januar öffentlich vorgeführt wird?

Wird Cromme ihn wie den Sünder behandeln, der schwarze Kassen und illegale Konten in Luxemburg mit Schmiergeldern in Höhe von 1,4 Milliarden Euro duldete? Wird Cromme breittreten, dass Siemens unter v. Pierer ein unübersehbares Fünftel der damals üblichen Jahresgewinne für solche schlimmen Zwecke verwendete, ohne den Aufsichtsrat davon gebührend zu informieren?

Zwingt Cromme v. Pierer mit notwendiger Zustimmung der Hauptversammlung dazu, in einem außergerichtlichen Vergleich Schadensersatz – in welcher Höhe auch immer – an Siemens zu zahlen?

Wenn zehn Prozent der Aktionäre gegen einen Vergleich stimmen, wird Cromme dafür sorgen, dass v. Pierer verklagt wird. Damit würde die Tür zu einem Prozess gegen v. Pierer aufgestoßen. Der Aufsichtsrat wäre gezwungen zu klagen, da er sonst selbst verklagt werden kann. Ex-Vorstandschef Kleinfeld will jetzt zwei Millionen Euro an Schadensersatz zahlen.

Cromme hat im Siemens-Aufsichtsrat immer wieder die knallharte, von persönlichen Animositäten gegenüber v. Pierer gereinigte, nüchterne Rechtslage klargemacht.

Er kann sich nicht lautlos mit v. Pierer auf eine Summe einigen, die dieser als Wiedergutmachung an die Konzernkasse überweisen muss. Einer Einigung über die Schadensersatzhöhe – wie auch immer sie aussieht – muss die Hauptversammlung zustimmen.

Schon haben sich, wie die WirtschaftsWoche erfuhr, Anwälte der US-Kanzleien John P. Cooney in New York und Brant W. Bishop in Washington für die Hauptversammlung angesagt und Siemens gegenüber angezeigt, dass sie klagebereit sind, wenn ihnen die Schadensersatzsumme zu billig vorkommt.

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