Simon de Pury im Interview: Verführungskraft eines Auktionators

Simon de Pury im Interview: Verführungskraft eines Auktionators

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Simon de Pury, Starauktionator

Niemand kann so charmant harte Fakten schaffen wie Simon de Pury, der Starauktionator des Hauses Phillips de Pury & Company.

Wenn er in London oder New York am Pult steht, strömen die Reichen, Berühmten und Schönen zu Phillips de Pury & Company wie ihre Vorfahren einst ins Theater: Man genoss das Schauspiel und konnte sich zugleich darauf verlassen, dass jeder, der zählte, dabei war. Es ist dem Charisma Simon de Purys zu verdanken, dass Auktionen zu einer Art von Popveranstaltung geworden sind. Im vergangenen Oktober gab der gebürtige Schweizer die Majorität seines Unternehmens an die russische Mercury Gruppe ab. An Simon de Purys beseelten Auktionsmarathons wird sich dadurch nichts ändern. Im Gegenteil. Im Pariser Café de Flore sprach fivetonine mit dem Starauktionator über die finanzielle Krise, die neue Konstellation an der Spitze seines Hauses, doch vor allem über die Kunst, die Menge über Stunden hinweg mit dem Aufrufen bloßer Zahlen zu begeistern.

WirtschaftsWoche: Was ändert sich durch den Einstieg von Mercury in Ihr Auktionshaus?

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De Pury: Wir sind sehr glücklich über diese Transaktion. Wir gehen mit einer konsolidierten Kapitalgrundlage und mit sehr starken strategischen Partnern in die neue Saison. Denn als führender Luxuskonzern in Russland hat Mercury viel Erfahrung. Leonid Friedland und Leonid Strunin an seiner Spitze sind brillante Geschäftsleute und gleichzeitig sehr an Kunst und Kultur interessiert.

Bei der ersten wichtigen Auktion unter der neuen Eigentümerkonstellation am 18. Oktober wurde nur ein Viertel des Angebots an zeitgenössischer Kunst verkauft. War das ein Fehlstart?

Natürlich waren wir enttäuscht, dass weniger Werke verkauft wurden, aber diese Auktion war für uns profitabel, weil wir im Gegensatz zu unseren Konkurrenten keine Garantien ausgegeben hatten. Nur weil sie gezwungen waren, auch unter großen Verlusten zu verkaufen, waren die Prozentzahlen bei ihnen höher.

Offenbar bereiten Sie eine Auktion strategisch sehr gut vor...

Man kann nicht einfach Werke zusammenstellen und erwarten, dass am Tag der Auktion die Käufer dafür schon auftauchen werden. Vorher hat ein Team von Spezialisten enorme Arbeit geleistet. Eine Auktion ist wie ein unscharfes Bild, und je näher man ihm kommt, desto schärfer wird es. Aber trotzdem gibt es am Tag der Auktion immer wieder Überraschungen.

Wie organisieren Sie den Spannungsbogen einer Auktion?

Eine Auktion wird orchestriert wie ein Theaterstück oder ein Filmskript. Die Momente der Spannung müssen verteilt werden. Man verhindert etwa, dass zwei Star-Lots direkt aufeinander folgen, denn wenn ein Spitzenpreis erzielt wurde, braucht es eine Weile, bis alle ihre Konzentration wieder gefunden haben.

Haben Sie einen Adlerblick oder tragen Sie Kontaktlinsen, um kein Gebot zu übersehen?

Nein, nein, ich trage keine Kontaktlinsen. Ich habe meine Kollegen gebeten, die Zahlen so groß wie möglich zu schreiben, aber manchmal kann ich sie trotzdem nicht lesen und muss zur Überprüfung meine Lesebrille zücken. Aber mit dem Blick in die Weite habe ich keine Probleme. Und dann gibt es natürlich all die Kollegen, die aufpassen.

Man hat nicht den Eindruck, dass Sie sich nach ihnen richten.

Wenn man eine Auktion leitet, ist man mit seinem Publikum auf derselben Wellenlänge. Deshalb sieht man alles und nimmt alles auf. Bevor jemand ‧bietet, weiß man quasi schon: Von dort hinten wird jetzt ein Gebot kommen.

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