Simone Bagel-Trah: Die Chefin der Chefs bei Henkel

Simone Bagel-Trah: Die Chefin der Chefs bei Henkel

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Simone Bagel-Trah. Die Henkel-Erbin übernimmt den Oberbefehl über Clan und Konzern

von Mario Brück

Als erste Frau übernimmt Simone Bagel-Trah den Vorsitz im Aufsichtsrat eines Dax-Konzerns. Die Biologin und Ururenkelin des Henkel-Gründers wird damit zu einer der mächtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Das neue Oberhaupt des Henkel-Clans muss nun die weitverzweigte Familie zusammenhalten, um ein Zerschlagen des Unternehmens zu verhindern.

"Waren Sie schon mal in Rheinbach?", fragt Simone Bagel-Trah besorgt. Ihr kleines Forschungsunternehmen auf dem Gelände der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg sei schwer zu finden. Zur Sicherheit ruft sie noch mal auf dem Handy an: „Sie fahren links auf den Parkplatz und drücken an der Schranke den Ruf-Knopf – so geht sie auf. Dann den Trampelpfad zwischen den Hecken hindurch und weiter Richtung Teich, dann stehen sie vor uns.“ Eine schlanke, natürlich auftretende junge Forscherin empfängt in Laborkluft: Jeans und T-Shirt, ganz leger.

Das war so noch im Sommer, und der ist gefühlt schon lange her: Wer heute zu Simone Bagel-Trah vorgelassen werden will, muss den uniformierten Sicherheitsdienst eines Großkonzerns überwinden, den Ausweis abgeben, mit geheimen Codes gesperrte Türen öffnen. Bagel-Trah ist nicht mehr nur Chefin einer achtköpfigen Biotech-Gründung mit dem sperrigen Namen Antiinfectives Intelligence. Als Spross und Erbin des Industriellenclans Henkel  entstammt sie einer der reichsten Familien Deutschlands. Jetzt wechselt sie von der Bio-Bude an die Spitze des Aufsichtsrats des Konsumgüterriesen Henkel mit 52.000 Beschäftigten.

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Einigkeit oder Zerreißprobe?

Gleichzeitig übernimmt sie den Vorsitz in einem noch wichtigeren, aber wenig bekannten Gremium: dem Gesellschafterausschuss, in dem die weitverzweigte Familie des Henkel-Gründers mit gut 52 Prozent der Aktienanteile über den Kurs des Unternehmens entscheidet. Damit ist sie mehr als Aufsichtsratschefin, obwohl das schon eine der schwierigsten Funktionen sein dürfte. Als Oberhaupt des Familienclans managt sie die Kapitalseite. Gelingt ihr dies, bleibt Henkel ein schlagkräftiges Familienunternehmen. Zerfällt die Sippe wie in zahlreichen anderen Familienunternehmen, droht dem Konzern eine Zerreißprobe, vielleicht sogar Übernahme und Zerschlagung.

Die 40-jährige Biologin übernimmt die beiden zentralen Gremien vom 73-jährigen Nestor Albrecht Woeste, der fast 20 Jahre lang den Oberbefehl über Clan und Unternehmen hatte.

Historischer Einschnitt bei Henkel

Schon vor ihrer offiziellen Ernennung hagelt es Superlative. Bagel-Trah, die sich selbst nur als Bagel – französisch ausgesprochen – vorstellt, ist die erste Frau an der Spitze eines vornehmlich von Männern regierten Riesen mit 14 Milliarden Euro Umsatz.

Die Machtübernahme ist keine alltägliche Personalie. Denn der Pril-, Persil- und Pritt-Hersteller ist der erste Konzern im deutschen Aktienindex Dax mit einer Aufsichtsratschefin. Ein historischer Einschnitt, für die deutsche Männer-Wirtschaft so ungewöhnlich wie die Wahl des Schwarzen Barack Obama ins Weiße Haus. Zusammen mit Kasper Rorsted – der 47-jährige Henkel-Chef ist selbst erst seit knapp anderthalb Jahren im Amt – bildet Bagel zudem das jüngste Gespann in der Eliteliga der deutschen Wirtschaft. Mit einem Gesamtalter von 87 Jahren unterbieten sie deutlich das zweitjüngste Duo, Telekom-Chef René Obermann und seinem Chefkontrolleur Ulrich Lehner, die zusammen 109 Jahre alt sind.

Frau! Jung! Erste Chefkontrolleurin eines Dax-Konzerns! „Ich würde mir wünschen, das wäre nicht so eine Sensation“, sagt sie. Natürlich, es sei beeindruckend, was nun auf sie zukomme, aber es sei eine konsequente Entwicklung über Jahre hinweg gewesen. „Ich war immer Frau, und ich war immer jung“, sagt sie mit einem Lächeln und Selbstironie.

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