Sir Roger Moore im Interview: Für einen Gentleman gilt: "Augen zu und durch"

Sir Roger Moore im Interview: Für einen Gentleman gilt: "Augen zu und durch"

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Sir Roger Moore ist vielen erst durch seine Rolle als Geheimagent James Bon bekannt geworden, die er zwischen 1973 und 1985 mimte

Roger Moore spricht im Interview mit der WirtschaftsWoche über Haltung in schwierigen Situationen, die Krise der britischen Regierung und die Augen der Queen.

WirtschaftsWoche: Sir Roger...

Roger Moore: Ach, lassen Sie doch diese Formalitäten. Mr. Moore tut es auch. Oder einfach Rog. So wurde ich schließlich am Set auch immer gerufen.

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Also gut, Mr. Moore. Erst mal meine Hochachtung. Sie sehen tadellos aus.

Oh, vielen Dank. Dabei geht’s mir heute gar nicht gut. Ich habe ziemliche Rückenschmerzen, schon seit vergangener Nacht.

Brauchen Sie eine Pause?

Kommt nicht infrage. Bitte, nehmen Sie Platz, der Sessel sieht sehr bequem aus.

Und Sie?

Ich nehme lieber den härteren.

Zunächst einmal mein herzliches Beileid.

Warum das denn?

Als Engländer haben Sie es zurzeit nicht einfach mit einigen Ihrer Landsleute.

Wen meinen Sie?

Premierminister Gordon Brown und seine Regierung. Sie steckt in einem handfesten Skandal: Es geht um Korruption, Lügen und Pornos. Wie sehr leiden Sie darunter?

Sehr. Das macht mich alles sehr traurig. Fatal, diese korrupten Politiker. Ich könnte mir so etwas vielleicht gerade noch leisten. Aber diese Leute sollen doch unser Land repräsentieren. Schrecklich, das alles mitanzusehen. Und dann passiert das alles auch noch zum schlechtest möglichen Zeitpunkt, mitten in der Rezession.

Für die Politiker kommen viele Dinge zusammen. Wie lautet Ihre Empfehlung an sie?

Für wirkliche Gentlemen gibt es da nur eine Lösung: Augen zu und durch. Und zurücktreten.

Das haben sich einige Minister schon zu Herzen genommen. Wäre das auch James Bonds Empfehlung gewesen?

Ach, der hätte doch gar nicht gewusst, was passiert wäre. Er hätte gar keine Zeit gehabt, die Zeitung zu lesen. Der wäre einfach viel zu beschäftigt damit gewesen, wieder ein paar Bösewichte um die Ecke zu bringen. Oder mit Miss Moneypenny zu flirten. Wie ein echter Gentleman eben.

Ein bisschen ballern, ein bisschen flirten – ist das alles, was ein Gentleman auch in schwierigen Situationen können muss?

Ein wahrer Gentleman behandelt zunächst einmal stets alle Menschen so, wie er auch selbst behandelt werden möchte – mit allergrößtem Respekt. Und jede Frau wie eine Lady – als wäre sie seine Mutter.

Das würde jedem Flirt den Garaus machen.

Warum? Ein bisschen angehimmelt zu werden – das gefällt doch jeder Mutter.

Wie also nähert sich ein Gentleman stilvoll einer Frau?

Oh, dazu könnte ich Ihnen viel erzählen – aber nicht in Gegenwart meiner Frau. Ein Gentleman genießt – und schweigt. Im Unterschied zum Playboy.

Wo genau liegt dieser Unterschied?

Schon im Wort selbst. Ein Gentleman spielt nicht.

Sondern?

Er ist ehrlich, durch und durch – ungefähr so: „Madame, Sie sind ganz schön hässlich. Mit Ihnen werde ich sicher nicht Theater spielen.“

Den Satz hat man von James Bond nicht oft gehört. Viele Männer waren ja seinerzeit ganz neidisch auf seinen – und damit Ihren – Schlag bei den Frauen.

Das mit den Frauen wird doch völlig überbewertet. Oder halten Sie es für besonders romantisch, wenn einem der Elektriker am Set bei einer Bettszene zubrüllt: „Los Rog, jetzt zeig mal, was du kannst“? Da gibt’s nur eines: Augen zu und an England denken.

Wer war Ihr liebstes Bond-Girl?

Ich habe zweimal mit Maud Adams gedreht – sehr professionell, keine Allüren, immer pünktlich. Darauf kommt es an – nicht, ob sie blond ist oder braunhaarig. In „Der Mann mit dem Goldenen Colt“ musste Bond ihr laut Drehbuch leider den Arm umdrehen, um an Informationen zu kommen – das fand ich nicht sehr passend für einen Gentleman. Lieber wäre es mir gewesen, 007 wäre bei einem Abstecher ins Bett ans Ziel gekommen.

Sie meinen, so wie bei Jane Seymour in Ihrer Bond-Premiere „Leben und sterben lassen“?

Das war nicht halb so romantisch, wie es vielleicht aussah. Wir drehten die Szene im Studio in England, mitten im Winter. Es war eiskalt, also erzählte ich Jane von einem Trick, den mir mal Joan Collins beigebracht hatte.

Nämlich?

Die Socken blieben an – ganz nach Gentlemen-Art.

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