Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich: "Schlagkraft gewinnen"

Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich: "Schlagkraft gewinnen"

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Karl-Heinz Streibich

Karl-Heinz Streibich, Chef der Software AG, über den Kauf des Konkurrenten IDS Scheer und seine weiteren Pläne im weltweiten Softwaregeschäft.

WirtschaftsWoche: Herr Streibich, vergangene Woche haben Sie angekündigt, den Software-Konkurrenten IDS Scheer übernehmen zu wollen. Damit erreichen Sie zwar Ihr langjähriges Ziel, die Umsatzmilliarde zu knacken. Gemeinsam kommen Sie auf rund 1,1 Milliarden Euro. Aber reicht das, um den immerhin rund 487 Millionen Euro teuren Zukauf zu rechtfertigen – gerade in der Krise?

Streibich: Es geht um die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens. IDS Scheer und Software AG ergänzen sich optimal. Mit der Verbindung zweier Technologieführer schaffen wir ein Unternehmen von Weltrang.

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Wie wollen Sie das einlösen?

Unsere gemeinsame Kompetenz bei Infrastruktur-Software, sogenannter Middleware, und Geschäftsprozess-Management sind einzigartig und verschaffen uns in diesem Wachstumsmarkt beste Zukunftsaussichten. Schließlich entscheiden effizient gesteuerte Geschäftsprozesse immer mehr über den Unternehmenserfolg. Die Umsatzmilliarde ist also eine Folge, aber kein Grund der Übernahme.

Wie groß muss die Software AG noch werden, um dauerhaft im Weltmaßstab mitspielen zu können? Viele Konkurrenten sind viel größer.

Nach oben gibt für uns es keine Grenzen, an denen ich sagen würde: bis hierher und nicht weiter. Der Marktführer bei Unternehmenssoftware SAP zum Beispiel erlöst ja mehr als zehn Milliarden Euro. Das ist für uns derzeit noch kein Ziel, weil es schlicht zu weit weg ist. In Europa sind wir die Nummer vier der Softwarehersteller, weltweit rangieren wir zurzeit in den Top 30. Unser Ziel ist, mittelfristig zu den 20 führenden Softwareherstellern der Welt zu gehören. Mit der Umsatzmilliarde haben wir für die langfristige Zukunftssicherung der Software AG einen großen Schritt gemacht.

Wie haben Sie die IDS-Scheer-Gründer August-Wilhelm Scheer und Alexander Pocsay zum Verkauf ihrer Anteile bewegt, die bisher 48 Prozent an ihrem Unternehmen halten?

Ich bin seit Jahren mit Professor Scheer in Kontakt, mit dem ich auch im Rahmen des IT-Branchenverbandes Bitkom eng zusammenarbeite. Wir haben oft diskutiert, wie wir unsere Unternehmen und die deutsche Softwarebranche nachhaltig nach vorn bringen können. Wir sind beide der Meinung, dass angesichts der Konsolidierung, die weltweit in der Branche stattfindet, der richtige Zeitpunkt gekommen ist, unsere Kräfte zu bündeln.

Analysten kritisieren den Kaufpreis. Sie zahlen fast 40 Prozent Aufschlag auf den Kurs der IDS-Scheer-Aktie. Wie rechtfertigen Sie das?

Für die Aktionäre sind 15 Euro ein attraktiver Preis, um ihre Anteile zu verkaufen. IDS Scheer ist ein gesundes Unternehmen. Der Preis zeigt den Mehrwert, den uns die Übernahme bringen wird: Wir können zusätzliches Wachstum generieren, indem die Software AG unter anderem ihre Kundenbasis verdoppelt. Wir können unseren künftigen gemeinsamen Kunden mehr und höherwertige Produkte anbieten und Projekte umsetzen.

Ein Großteil des IDS-Umsatzes kommt aus dem Service-Geschäft, etwa Beratung und System-Integration. Wie passt das zur Software AG?

Durch die IDS-Beratungskompetenz können wir mit den Kunden Konzepte für die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse erarbeiten. Auf deren Basis werden dann auch unsere gemeinsamen Produkte installiert. Wir gewinnen Schlagkraft für große Projekte und kritische Masse in mehr europäischen Kernmärkten.

Welche finanziellen Auswirkungen erwarten Sie durch die Übernahme für Umsatz und Gewinn der Software AG in den kommenden Jahren?

Wir gehen davon aus, dass die Übernahme 2010 zu einer Steigerung des operativen Ergebnisses pro Aktie führt und wir mit mehr als 6000 Mitarbeitern mehr als 1,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften werden. Mittelfristig erwarten wir eine operative Gewinnmarge vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im mittleren 20-Prozent-Bereich vom Umsatz.

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