Software-Fusion: Scheers Lebenswerk ist dahin

KommentarSoftware-Fusion: Scheers Lebenswerk ist dahin

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Michael Kroker

Die Ankündigung kam am späten Montagabend – und auch wenn es nur um zwei Softwareunternehmen aus der zweiten Reihe geht, ist sie ein Paukenschlag: Die Software AG aus Darmstadt, Nummer zwei beim Umsatz nach SAP, kauft das Saarbrücker Softwarehaus IDS Scheer, die Nummer drei in Deutschland. Betriebswirtschaftlich ergibt der Zusammenschluss Sinn, aber der hiesige IT-Markt insgesamt wird eher geschwächt, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Michael Kroker.

Wie immer gibt es bei Übernahmen und Fusionen Licht und Schatten. Im Fall des gestern angekündigten Zusammenschlusses von Software AG und IDS Scheer überwiegt gewiss ersteres. Für den Kaufpreis in Höhe von 487 Millionen Euro überspringt Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich mit einem Schritt das eigentlich erst für 2011 avisierte Ziel, die Umsatzmilliarde zu erreichen: Zusammen beschäftigen die Nummer zwei und drei im deutschen Softwaremarkt mehr als 6000 Mitarbeiter und erzielen rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz.

Aber auch strategisch passen beide Unternehmen gut zueinander: Die Software AG bietet Computerprogramme für die IT-Infrastruktur von Großkonzernen an, die so genannte Middleware, dazu zählen beispielsweise Datenbanken. IDS Scheer wiederum ist stark im Bereich des softwaregestützten Geschäftsprozess-Managements und verfügt darüber hinaus über Beratertruppen, die sich auf die Einführung von SAP-Software spezialisiert haben.

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Damit ergänzen sich beide Unternehmen sehr gut, es gibt kaum geschäftliche Überschneidungen. Wohl auch aus diesem Grund gibt sich Streibich enorm optimistisch und erwartet durch die Kombination bereits für das Geschäftsjahr 2010 eine Steigerung des operativen Ergebnisses je Aktie bei der Software AG.

Ende einer High-Tech-Vision

So gut es indes ist, dass mit der Software AG nun ein zweiter nationaler High-Tech-Champion neben der im Dax vertretenen SAP entsteht – insgesamt verliert der deutsche IT-Markt eher.

Denn hinter den Umsatz-Milliardären SAP und Software AG kommt hier zu Lande erst einmal lange Zeit gar nichts. Ein ausgewogener Markt mit vielen mittelgroßen Playern, die eine wichtige Basis für weiteres Wachstum und neue Jobs in dem so wichtigen Zukunftsfeld Hochtechnologie schaffen, sieht anders aus.

Vor einigen Jahren wurde die Formel „100 mal 100“ für die deutsche IT-Industrie propagiert. Die Vision damals: Deutschland brauche 100 IT-Unternehmen mit jeweils mindestens 100 Millionen Euro Umsatz, um weiterhin eine wichtige Rolle in der High-Tech-Branche spielen zu können.

200 Millionen für Scheer

Verkünder jener Vision war ausgerechnet der IDS-Scheer-Gründer und heutige Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom August-Wilhelm Scheer. Und Scheer ist es nun, der seiner eigenen Vision durch den Verkauf seines 41-Prozent-Anteils an IDS einen wichtigen Baustein entzieht.

Aber auch aus einem anderen Grund ist Scheer eher Verlierer in dem Deal: Schon im vergangenen November formulierte er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche angesichts der Probleme bei IDS drastisch: „Es geht um mein Lebenswerk.“ Zwar erhält er durch die Transaktion immerhin rund 200 Millionen Euro. Der Traum, neben SAP und der Software AG einen weiteren nationalen High-Tech-Champion zu schmieden, ist aber seit gestern dahin – und damit letztlich auch das Lebenswerk von Scheer.

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