Software: Microsoft: Weg vom Fenster

Software: Microsoft: Weg vom Fenster

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Kritik an Microsoft-Chef Steve Ballmer nimmt zu

von Matthias Hohensee

Die Erfolge von Apple und Google schwören eine Zäsur bei Microsoft herauf. Die Zweifel häufen sich, ob Steve Ballmer für das mobile Internet-Zeitalter noch der richtige Mann an der Spitze des US-Softwaregiganten ist.

In wenigen Wochen kann Steve Ballmer mal wieder mit harten Zahlen belegen, dass er noch immer über eine veritable Gelddruckmaschine gebietet. Dann beendet der US-Softwarekonzern Microsoft sein Geschäftsjahr 2010. Es zeichnet sich ab, dass es eines der besten in der Konzerngeschichte gewesen sein wird.

Mögen alle über den iPod-, iPhone- und iPad-Anbieter Apple oder den Internet-Riesen Google reden – Ballmer wird sie wieder alle in die Tasche stecken und Microsoft profitabel präsentieren. Das Betriebssystem Windows 7, der Nachfolger des verunglückten Vorgängers Vista, erweist sich als Megabestseller. Mehr als 100 Millionen Lizenzen wurden seit dem Marktstart vor neun Monaten verkauft, auf neun von zehn PCs läuft Windows. Das Geschäft mit Software für größere Rechner, die Server, entwickelt sich prächtig. Der Dauerbrenner, das Microsoft-Bürosoftwarepaket Office, startet gerade neu durch.

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Ein schöneres Jubiläumsgeschenk könnte sich Ballmer eigentlich gar nicht machen. Seit fast genau 30 Jahren arbeitet der stämmige Hüne bei Microsoft, seit einem Jahrzehnt steht er nun an der Konzernspitze. Doch ausgerechnet 2010 könnte zum Schicksalsjahr des mächtigen Managers werden. Denn trotz der zu erwartenden Superzahlen mehren sich Stimmen, ob der Freund und Weggefährte des legendären Microsoft-Gründers Bill Gates der richtige Mann ist, um den größten Softwarekonzern der Welt weiterzuführen. Nur sehr wenige trauen sich, das so direkt zu sagen wie der Exsoftwareunternehmer und heutige Wagniskapitalverwalter Jean Louis Gassée. Der ist fest davon überzeugt, dass Ballmer wegen Missmanagements abgelöst werden müsse, statt Untergebene über die Klinge springen zu lassen.

„Ballmers verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung wird immer schlimmer“, tönte der ebenso angesehene wie meinungsstarke Franzose in seinem Blog Monday Note und spielte auf das „reality distortion field“ an, womit Fans die realitätsverändernde Kraft des Charismas von Apple-Chef Steve Jobs gern beschreiben.

"Bringt Bill Gates zurück"

Die Äußerungen machten im Microsoft-Hauptquartier in Redmond wie ein Lauffeuer die Runde. Denn mit seinem Hieb gegen Ballmer steht Gassée nicht allein. Zuvor hatte Dan Lyons, Kolumnist des US-Nachrichtenmagazins „Newsweek“, gewettet: „Microsoft setzt Ballmer 2010 raus.“ Und das US-Wirtschaftsmagazin „Fast Company“ fordert unverblümt die Wiedereinsetzung des Microsoft-Gründers: „Bringt Bill Gates zurück.“

Ballmers Problem ist, dass er sich seinen Erfolg immer mehr auch als Versäumnis vorhalten lassen muss: Er kommt nicht weg vom Fenster – sprich: vom Standard-Betriebssystem Windows und Computerprogrammen, die darauf laufen. Trotz Milliardenausgaben für Forschung und Entwicklung auf anderen Feldern in den vergangenen zehn Jahren, so Ballmers Kritiker, dürften die angestammten Produkte für PC und Server auf absehbare Zeit die einzige Einnahmequelle von Microsoft bleiben. Das große Wachstum jedoch liegt, wie sich seit einiger Zeit zeigt, woanders. Nicht von ungefähr hat sich der Börsenwert von Microsoft seit Ballmers Amtsübernahme nahezu gedrittelt. Anleger trauen dem Konzern offensichtlich nicht zu, nochmals solche Umsatzsprinter wie Windows oder das Bürosoftwarepaket Office hervorzubringen.

Abgehängt beim Börsenwert

Apple-Chef Jobs dagegen hat während Ballmers Amtszeit den einst angeschlagenen Computerhersteller praktisch neu erfunden und vor allem dessen Abhängigkeit vom klassischen Rechnergeschäft reduziert. Apple ist trotz geringerer Gewinne jüngst mit einem Börsenwert von 225 Milliarden Dollar an Microsoft vorbeigezogen und nun das wertvollste Technologieunternehmen der Welt. Microsoft rangiert mit 220 Milliarden dahinter.

Dank des neuen Bestsellers iPad, von dem Kunden derzeit alle drei Sekunden ein Exemplar kaufen, wird Apple in diesem Quartal wahrscheinlich Microsoft auch beim Umsatz überrunden und den Vorsprung ausbauen. Apple, so glauben die Börsianer, hat dank neuer Märkte seine Zukunft noch vor sich. Bei Microsoft scheinen die Zweifel zu überwiegen.

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