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Software: SAP will auf breiter Front Wartungs-Einnahmen steigern

von Michael Kroker

Der Software-Konzern SAP hat in einem kürzlich verschickten Brief an mehrere Tausend Kunden in Deutschland eine Erhöhung der Service-Pauschale zur Wartung der SAP-Software angekündigt.

Von der Preiserhöhung sind alle Altkunden betroffen, die aktuell im so genannten Standard-Support 17 Prozent der Software-Lizenzkosten im Jahr als Wartungspauschale bezahlen und die bisher nicht auf das neue Wartungsmodell Enterprise-Support gewechselt sind, das SAP im September 2008 vergeblich per Kündigung durchsetzen wollte.

Enterprise-Support sieht schrittweise Preiserhöhungen bis 2015 auf 22 Prozent vor. In dem Brief macht SAP erstmals von einer Klausel in den Altverträgen Gebrauch, die Preiserhöhungen auf Basis eines bestimmten Lohnindexes zulässt.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche will SAP die Lohnklausel rückwirkend anwenden und die Preiserhöhung für die Standard-Wartung vom Jahr des Vertragsabschlusses an berechnen. Laut einem internen SAP-Dokument, das der WirtschaftsWoche vorliegt, steigt so etwa die Belastung für Verträge aus dem Jahr 2000 oder früher auf stolze 20,7 Prozent der Lizenzgebühr.

Insgesamt werden alle Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, durch die Lohnklausel teurer als der Enterprise-Support, den es zurzeit noch für knapp 18,4 Prozent gibt. Der Ärger, den die Walldorfer damit in den Unternehmen hervorrufen, ist beträchtlich. „SAP-Altkunden werden besonders belastet – also gerade die treuesten Kunden.

Das ist ungerecht“, sagt Andreas Oczko, stellvertretender Vorsitzender der deutschen SAP-Anwendervereinigung DSAG. „Durch das harte Vorgehen treibt SAP seine Kunden dazu, über Drittanbieter nachzudenken“, sagt Oczko.“ Ein Großteil der SAP-Anwender nutzt bisher weiterhin die alten Wartungsverträge: Laut Studie des Marktforschungsunternehmens Raad Research haben sich bisher nur 24 Prozent aller SAP-Kunden für das neue Modell Enterprise-Support entschieden. Die Folge: Die Einführung der Lohnklausel wird von 2010 an für die meisten SAP-Kunden zu Preissteigerungen führen.

Nach ersten Protesten von Kunden relativiert SAP gegenüber der WirtschaftsWoche die angekündigten Preissteigerungen. „Die Preiserhöhung bezieht sich auf einzelne Abschlüsse, es ist also eine Mischung aus niedrigeren und teilweise etwas höheren Preissteigerungen“, so ein Sprecher. Die Standardwartung werde im kommenden Jahr nur bei rund 400 von 10.000 Kunden in Deutschland teurer als der neue Enterprise-Support; bei diesen sei SAP überdies zu Kompromissen bereit, verlautet aus SAP-Kreisen.

Ärger hat SAP aber auch mit Großkunden. Nach Siemens verhandeln nach Informationen der WirtschaftsWoche unter anderem Nestlé, Daimler und Tchibo mit SAP über Preisnachlässe. Auf Anfrage wollten sich die Unternehmen nicht zu Details äußern. Daimler erklärte, dass mit SAP ein neuer Vertrag abgeschlossen wurde. Tchibo räumte ein, gegenwärtig „in Verhandlungen mit SAP“ zu sein.

Nestlé wollte dies nicht kommentieren. Im Umfeld des SAP-Aufsichtsrates wird jedoch bereits befürchtet, dass die Wartungserlöse 2010 um rund 200 Millionen Euro sinken könnten. 2008 setzte SAP mit Support rund 4,6 Milliarden Euro um – das wäre immerhin ein Minus von gut vier Prozent. SAP beteuert indes, man verspüre keinen Kostendruck: „Die Spekulation über Preisnachlässe bei der Erneuerung von Wartungsverträgen ist falsch."

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.11.2009, 01:10 UhrAnonymer Benutzer: Kaufmann

    Selten einen so flachen Artikel bei der Wiwo gelesen... Da wird versucht, aus etwas Alltäglichem (Preiserhöhung) eine Story auszuquetschen. Was bleibt denn übrig, wenn man die informationen betrachtet?
    - Das einzig verbliebene europäische iT-Unternehmen mit Weltgeltung erhöht nach rund 10 Jahren erstmals die Pflegegebühren
    - Das Unternehmen hat in dieser Zeit freiwillig darauf verzichtet, eine vertraglich vereinbarte Preisanpassungsklausel anzuwenden. Die Kunden haben davon über viele Jahre hinweg profitiert.
    - Preise bilden sich am Markt. Niemand kann langfristig wesentlich billiger oder teurer anbieten als der Marktpreis
    - Die Anwendervereinigung hält eine Preiserhöhung für "ungerecht". Doch die Anwendervereinigung besteht aus Unternehmen, die ihre Preise ebenso erhöhen.
    - Der Kunde hat die freie Wahl. Er kann Windows einsetzen oder Linux; HP, Dell oder ibM; SAP oder eines der anderen zahlreichen ERP-Systeme

    in den vergangenen Monaten hat mein Stromanbieter eine "Preisanpassung" von rund 8% zum 1. Januar angekündigt, meine Krankenkasse musste zwangsläufig auch "etwas mehr" verlangen und meinen Öl- und Autotank habe ich ebenfalls schon günstiger gefüllt. Habe ich noch etwas vergessen? Ja, die Müllgebühren steigen in ein paar Wochen und während sich die Guthabenzinsen halbiert haben, ist der Zins für einen Dispokredit gleich geblieben. Und damit niemand glaubt, nur die Großen würden die Preise erhöhen: mein Friseur hat um 15% aufgeschlagen und der Wechsel auf die Winterreifen war auch teurer als im Vorjahr. ich bin bei keinem mit Protestplakaten vor dem Schaufenster gestanden...

    Wozu also die ganze Aufregung?

  • 16.11.2009, 15:27 UhrAnonymer Benutzer: SAP Kunde

    Auch wir sind von unserem Systemhaus über die geplante Erhöhung informiert worden. Gepaart mit der Fragestellung des Enterprise Supportmodells ..... brilliante Vorgehensweise. Es ist aus meiner Sicht eine Unverschämtheit, dass ohne wirklichen Mehrwert hier erhöhter Wartungsaufwand für eine seit Jahren gleichgebliebene Software gefordert wird. Unsere Firma kämpft mit der Wirtschaftskriese und ein Upgrade auf ECC6.0 ist finanziell nicht leistbar - es geht nicht um 'Mehrwert' oder 'Verbesserung der Prozesse' - es geht um das wirtschaftliche Überleben der Firma.
    Schauen Sie ( Anwender ) im Spiegel an und prüfen die genutzten Vorteile seit der Vorgängerversion - 4.6 oder 4.7...... aussenherum wurde einige angebaut, jedoch sind dadurch massenweise Systemverkettungen entstanden, die operativ nicht mehr handlebar sind.

  • 16.11.2009, 14:47 UhrAnonymer Benutzer: Klossmann

    Man hört immer Mehrwert und Nutzen von Software.
    Doch das Software heutzutage ein mit übelsten Fehlern durchsetztes Produkt ist, welches mich Arbeitszeit kostet um herauszufinden, daß eine gewisse Funktion icht tut weil sie bug-behaftet ist, wird von den Herstellern gerne unter den Tisch gekehrt. Das ich dann noch teure Hotlinekosten zu zahlen habe nur um mir sagen zu lassen: "sorry, tut in der Verison nicht, warten sie das nächste Update ab", ist der der Gipfel. Und dann noch sowas wie die Autoupdatefunktion, - wird den Leuten gerne als Mehrwert verkauft. Ein Mehrwert? Nur damit ich schludrig programmierte Software geschwind auf den Markt werfen kann und dank der automatischen Updates die bereinigte Version heimlich nachschieben kann. Alle großen SW-Herstellern gehen hier den gleichen Weg. Firmen die auf diese Software angewiesen sind können einem wirklich leid tun. Hier werden Firmengelder systematisch kaputt gemacht und ruiniert.

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