Software-Wartung: SAPs zweiter Anlauf zum Abkassieren

Software-Wartung: SAPs zweiter Anlauf zum Abkassieren

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*1953; Ökonom Studium der Wirtschaftswissenschaften, Internationale Beziehungen (Jerusalem) Kam 1988 zu SAP; gründete dann eine Risikokapitalfirma; seit 2009 alleiniger Vorstandssprecher Vergütung 2008 in Euro: unbekannt; Gesamtnote 2,552, Foto: dpa

von Michael Kroker

Léo Apotheker, der Chef des IT-Konzerns SAP, erhöht den Druck auf seine Kunden, um mehr für die Wartung seiner Software zu kassieren. Die Unternehmen wehren sich und suchen nach Alternativen.

Erst seit Ende Mai steht Leó Apotheker allein an der Spitze des Softwarekonzerns SAP. Was die Anleger hören wollen, hat der 56-Jährige schnell gelernt. „Unser Geschäft lebt nicht nur von Lizenzen“, sagte er Ende Oktober, „sondern auch von den damit verbundenen Dienstleistungen.“ Als Beweis diente Apotheker das Quartal von Juli bis September, als der Umsatz mit reiner Software um 31 Prozent wegbrach, die Erlöse durch Software und Service addiert aber nur fünf Prozent nachgaben.

Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Die relativ guten Zahlen beim Support sind das Resultat einer härteren Gangart, die SAP gegenüber den Kunden an den Tag legt. Mit aller Macht versucht Apotheker, höhere Preise für die Wartung der komplexen SAP-Software durchzudrücken. Vorläufiger Höhepunkt ist ein Schreiben, das er in den vergangenen Wochen an einen Teil seiner hiesigen Kunden verschickte. Darin macht SAP erstmals von einer Klausel in den Verträgen Gebrauch, die Preiserhöhungen auf Basis eines bestimmten Lohnindexes zulässt.

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SAP zieht die Daumenschrauben bei Unternehmen an

Damit treibt das Softwarehaus aus dem badischen Walldorf den gut einjährigen Ärger um die Softwarewartung auf einen neuen Höhepunkt – und die Kundschaft geradewegs in eine Zwickmühle. Denn entweder die Unternehmen lassen ihre Programme weiter im Standard Support von SAP warten, wofür der Konzern bisher 17 Prozent der Lizenzgebühr pro Jahr kassiert. Dann müssen sie sich auf teilweise gravierende Preiserhöhungen einstellen. Oder sie steigen um auf das neue Wartungsmodell namens Enterprise Support, das SAP im September 2008 per Kündigung durchpeitschen wollte. Das aber sieht ebenfalls schrittweise Preiserhöhungen bis 2015 auf 22 Prozent vor.

Die Daumenschrauben, die SAP den Unternehmen auf diese Weise anzieht, sind alles andere als von Pappe. Denn die „Liebesgrüße aus Walldorf“, wie ein Analyst das jüngste Schreiben aus Walldorf nennt, haben es in sich. So will SAP die Lohnklausel rückwirkend anwenden und die Preiserhöhung für die Standardwartung vom Jahr des Vertragsabschlusses an berechnen.

Laut einem internen SAP-Dokument, das der WirtschaftsWoche vorliegt, steigt so etwa die Belastung für Verträge aus dem Jahr 2000 oder früher auf stolze 20,7 Prozent. Insgesamt werden alle Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, durch die Lohnklausel teurer als der Enterprise Support, den es zurzeit noch für knapp 18,4 Prozent gibt. Der Ärger, den die Walldorfer damit in den Unternehmen hervorrufen, ist beträchtlich. „SAP-Altkunden werden besonders belastet – also gerade die treuesten Kunden. Das ist ungerecht“, sagt Andreas Oczko, stellvertretender Vorsitzender der deutschen SAP-Anwendervereinigung DSAG.

Für Apotheker ist die Anwendung der Lohnklausel auf Altverträge der zweite Anlauf, die Kundschaft auf teureren Service festzunageln. Schon im vergangenen Jahr wollte er, damals noch Co-Chef, die Unternehmen dazu drängen. Zu diesem Zweck ließ er im September 2008 alle Altverträge kündigen. Die Unternehmen sollten auf Enterprise Support umsteigen und die Überweisungen für die Wartung schrittweise von 17 auf 22 Prozent pro Jahr erhöhen. Der Aufschrei in den IT-Abteilungen war unüberhörbar, erstmals kam es zur harten Konfrontation mit SAP.

Am Ende war der Widerstand so groß, dass Apotheker die einseitige Kündigung in Deutschland und Österreich zurücknehmen musste. Seitdem nutzt ein Großteil der SAP-Anwender weiterhin die alte Wartung: Laut Studie von Raad Research haben sich gerade einmal 24 Prozent aller SAP-Kunden für das neue Modell Enterprise Support entschieden.

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