Softwarehaus: Wie IDS Scheer ums Überleben kämpft

Softwarehaus: Wie IDS Scheer ums Überleben kämpft

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Unternehmer und Jazz-Liebhaber Scheer: Es waren zwei verlorene Jahre

August-Wilhelm Scheer gibt zu, dass sein Lebenswerk, das Softwarehaus IDS Scheer, in einer bedrohlichen Krise steckt – Verkauf nicht ausgeschlossen.

Wenn August-Wilhelm Scheer am 20. November in der Cafeteria seines Unternehmens wieder zum Saxofon greifen wird, dann dürfte die Stimmung weit weniger ausgelassen sein als sonst bei den monatlichen Auftritten des Chefs vor der Belegschaft. Dass ihr Arbeitgeber schlecht dasteht, wissen die meisten der 3000 Beschäftigten schon – wen die angekündigten Stellenstreichungen treffen, das werden sie aber erst in den nächsten Tagen erfahren.

„Es geht um mein Lebenswerk“, bekennt Scheer gegenüber der WirtschaftsWoche erstmals öffentlich. Selbst einen Verkauf seines Unternehmens, der IDS Scheer AG, schließt er nicht mehr aus. „Das wäre keine unrealistische Entwicklung“, sagt der 67-Jährige unumwunden, „aber es ist nicht mein Ziel.“

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Scheers Aussagen markieren eine Zäsur. Ausgerechnet der Wirtschaftsinformatikprofessor aus Saarbrücken, der 1984 mit der Gründung einer IT-Firma einen Hauch von Silicon-Valley-Feeling an die Saar brachte, erwägt das Ende der Selbstständigkeit. Scheer hatte 1999 den Gang an die Börse gewagt, den damaligen Neuen Markt, hatte dessen Absturz überlebt und war zum drittgrößten deutschen Softwarehaus aufgestiegen.

Entwicklung des Unternehmens stockte

Politiker wie der saarländische Ministerpräsident Peter Müller oder Bundeskanzlerin Angela Merkel lassen sich von ihm beraten, der Branchenverband Bitkom machte ihn zu seinem Vorsitzenden. Nun bringen ihn eigene personelle und unternehmerische Fehlentscheidungen womöglich um den Ruhm des erfolgreichen Hochschullehrers und Unternehmers.

Denn während sein Ansehen wuchs, stockte die Entwicklung des Unternehmens, bei dem er als Aufsichtsratschef und mit 40 Prozent der Aktien größter Anteilseigner noch immer die Fäden zieht. Das Geschäft in den Regionen führte zunehmend ein Eigenleben, ohne dass die Verantwortlichen die Kosten im Griff hatten. Softwareverkauf und Beratung liefen ebenfalls wenig kontrolliert nebeneinander her.

Dadurch stiegen die Ausgaben schneller als die Umsätze – die Gewinnmarge schrumpfte von rund 14 Prozent im Jahr 2003 auf sechs Prozent im ersten Halbjahr dieses Jahres. Vor allem im Ausland entstehen meist Verluste, zwei Vorstände sind an der Aufgabe gescheitert, IDS Scheer zum internationalen Durchbruch zu verhelfen. Und das Beratungsgeschäft wirft schon seit Langem nur geringe Gewinne ab.

Anfang des Jahres, als es wieder einmal schlechte Zahlen hagelte, musste der Professor im Unternehmergewand zerknirscht eingestehen: „Das Management hat das Unternehmen nicht mehr richtig im Griff.“

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