Von einer solchen Kapitulation will bei SAP indes niemand etwas wissen. „Business By Design ist in der Spur, und wir arbeiten an der Optimierung“, heißt es in Walldorf. Dennoch bleibt fraglich, ob die Software überhaupt in der bisher geplanten Form per Internet-Zugriff realisiert wird. So dämmert den Verantwortlichen bei SAP langsam, dass viele Mittelständler in Sachen IT viel konservativer denken als Konzerne. „Im Gegensatz zu denen wollen sie ihre Daten nämlich nicht SAP oder einem Drittdienstleister überantworten, wie es beim sogenannten Outsourcing eigentlich üblich ist“, sagt Analyst Gümbel. Nach Informationen der WirtschaftsWoche wird bei SAP deshalb inzwischen überlegt, ob ein Zwittermodell die offenkundigen Vorbehalte gegen die geplante Mittelstandssoftware beseitigen kann. Das könnte dann so aussehen: Der Computer – eine sogenannte Appliance – mit der Business-By-Design-Software steht beim Kunden, Support und Wartung kommen jedoch per Fernzugriff von SAP. „Darüber wird gegenwärtig nachgedacht“, bestätigt ein Mitglied des SAP-Aufsichtsrats. „Wir prüfen alle Optionen der Bereitstellung“, so der offizielle Kommentar von SAP.
Für eine solche Abkehr von den bisherigen Plänen spricht auch, dass die Walldorfer hinter den Kulissen angeblich den Verkauf ihrer Tochter SAP Hosting vorbereiten. Das Unternehmen aus St. Leon-Rot nahe Walldorf ist für das Outsourcing-Angebot der herkömmlichen SAP-Software verantwortlich und sollte in Zukunft auch das Mittelstandspaket zur Miete anbieten. Wie die WirtschaftsWoche erfuhr, ist als potenzieller Käufer British Telecom im Gespräch, was SAP nicht kommentieren will. Beides werten Beobachter als Indizien dafür, dass die Software – sofern sie überhaupt fertig wird – in einer anderen Form auf den Markt kommt als angekündigt.
Das Gezerre um die neue Software und der Ärger über die erhöhte Wartungspauschale bedrohen nicht nur Umsatz und Gewinn, sondern auch das Image der deutschen Vorzeigesoftwerker. Nur heiße Luft trotz gewaltiger Investitionen und mehr als vier Jahren Entwicklungszeit – das macht einen schlechten Eindruck. „SAP hat große Mängel beim Management der Produktentwicklung“, sagt Analyst Gümbel. Der Vorwurf tauchte schon einmal auf. Auch beim plötzlichen Ausstieg des einstigen Technikchefs Shai Agassi im Frühjahr vergangenen Jahres hieß es, der umtriebige Agassi habe viel angestoßen, aber wenig geliefert (WirtschaftsWoche 20/2007).
Nun haben Apotheker und Kagermann dies sogar schwarz auf weiß. Bei SAP arbeitet nach WirtschaftsWoche-Informationen seit Kurzem die Taskforce „Readiness for Development“, zu Deutsch: Effizienz in der Entwicklung. Deren Befunde sind ernüchternd: Von 36 Produkten, die SAP in der vergangenen Dekade angestoßen hat, haben nur acht mehr als 50 Kunden – ein teures Desaster. SAP investiert jährlich rund 14 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung; 2007 fast 1,5 Milliarde Euro.
Ziel der Taskforce ist es nun, die Produktentwicklung endlich ergebnisorientierter zu organisieren. „Das trägt bereits stark die Handschrift von Apotheker“, so ein Entwickler. In der Tat: „Wir wollen dafür sorgen, dass wir in Zukunft Technologien noch schneller und besser an den Markt bringen können“, sagte der kürzlich. Im kommenden Frühjahr nimmt Apotheker als Nachfolger von Kagermann allein auf dem Chefsessel Platz. Der 55-Jährige ist bisher für den weltweiten Vertrieb der SAP-Produkte verantwortlich; er ist der erste Nicht-Techniker an der SAP-Spitze. Mit ihm, so die Hoffnung der Anwender, rücken vielleicht die Kundenwünsche stärker in den Blickpunkt. Und weniger die hauseigenen Frickler.














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Alle Kommentare lesen08.11.2008, 11:45 UhrAnonymer Benutzer: BAFI
bela hat Recht! Henning hat weder seine Vorstandskollegen im Griff, noch versteht er, was sich in "seinem" Unternehmen abspielt. Der verantwortliche Vorstand für das - wieder gescheiterte - Mittelstandsprojekt Peter Zencke spricht lieber mit der Deutschen bank, als mit dem Mittelstand. Die Software ist offenbar bei keinem Piloten zum Fliegen gekommen. Viele Kardinalfehler der selbstverliebten hochbezahlten "Top" Manager. Einige der Top Manager sind eher altgediente ausrangierte Flop Manager - oder sollten dies sein, und nicht noch die Payroll belasten. Mit SAP geht es seit Jahren (der Kagermann Äera) bergab. Leider sehen sich das die ehemaligen Gründer aus viel zuviel Abstand an - Leider für die SAP, die Mitarbeiter, die Kunden und das Produkt.
03.11.2008, 00:02 UhrAnonymer Benutzer: ich fand's lustig...
also, ich fand den Artikel von bela amüsant. Fragt sich nur warum bela SAP-Kleinaktionär ist. ;-)
31.10.2008, 17:46 UhrAnonymer Benutzer: lächerlicher beitrag
an bela: wenn man keine ahnung hat, einfach mal die klappe halten!