
Man konnte heute morgen förmlich das Durchatmen spüren, das aus Walldorf in die Finanzwelt herüber waberte: Nach einem Krisenjahr 2009 mit rückläufigem Umsatz und einbrechenden Software-Erlösen ist der weltgrößte Hersteller von Unternehmenssoftware im ersten Quartal 2010 wieder gewachsen. Der Gesamtumsatz legte zwar nur um bescheidene fünf Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro zu, dafür erzielte SAP beim Gewinn nach Steuern fast eine Veroppelung auf 387 Millionen Euro - vor allem befeuert durch einen Sparkurs inklusive Stellenabbau, dem sich das Unternehmen 2009 unterzogen hat.
Insbesondere bei den Software-Erlösen gelang eine wichtige Trendumkehr: So kauften die inzwischen fast 100.000 SAP-Kunden in den ersten drei Monaten des Jahres Software für 464 Millionen Euro bei den Walldorfern - 11 Prozent mehr als im ersten Quartal des Vorjahres. Die Software-Erlöse sie sind ein wichtiger Indikator für das künftige Geschäft von SAP, weil sie in der Folge zusätzliche Wartungsumsätze bescheren. Im Gesamtjahr 2009 war dagegen der Indikator noch um satte 28 Prozent in den Keller gerauscht.
Investitionsbremsen wieder gelöst
Die beiden seit Anfang Februar amtierenden SAP-Chefs Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe profieren zum einen vom Anziehen der weltweite Konjunktur. Dadurch steigt auch die Bereitschaft der Konzerne, in ihre IT-Systeme zu investieren. "Die Kunden wenden sich wieder verstärkt an SAP, um ihre Unternehmen auf eine neue Wachstumsphase vorzubereiten", sagt denn auch Co-CEO McDermott.
Die neue Kauflust der SAP-Kunden dürfte freilich auch noch einen viel banaleren Grund haben: Die Unternehmen fühlen sich schlicht nicht mehr gegängelt von den Walldorfern und haben deshalb ihre Investitionsbremsen wieder gelöst. Bis Mitte Januar hatte sich Léo Apotheker, der zwischenzeitlich geschasste Vorgänger von McDermott und Hagemann Snabe, einen fast anderthalb Jahre dauernden Streit mit seinen Kunden geliefert. Hintergrund war eine schlecht kommunizierte und dann auch noch völlig falsch terminierte Preiserhöhung bei den Wartungsgebühren. Erst nachdem immer mehr SAP-Anwender in einen Käuferstreik verfielen und die Fronten immer weiter zu verhärten drohten, knickte Apotheker ein.
Spät - aber offenbar nicht zu spät, um jetzt rechtzeitig mit der anziehenden Konjunktur wieder mit nach oben gerissen zu werden. Bleibt zu hoffen, dass das Hickhack um die Wartungsgebühren eine Einmal-Episode bleibt. Und die Beteuerungen der beiden neuen Chefs, künftig wieder den Kunden in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen rücken zu wollen, nicht nur Lippenbekenntnisse sind. Wenn dann auch noch neue Produkte wie etwa die im Sommer auf den Markt kommende Mittelstandssoftware Business By Design einschlagen, könnte SAP tatsächlich dauerhaft zu zweistelligem Wachstum bei den Software- und Warungserlösen zurückkehren. Einstweilen belassen McDermott und Hagemann Snabe ihre diesbezügliche Prognose jedoch erst einmal bei einem (bescheidenen) Plus zwischen vier und acht Prozent auf Jahressicht.













