Softwarekonzern wächst: "SAP ist zurück"

Softwarekonzern wächst: "SAP ist zurück"

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Die beiden SAP-Vorstandsvorsitzenden, Bill McDermott (l.) und Jim-Hagemann Snabe

von Michael Kroker

Der Softwareriese SAP ist 2010 auf einen zweistelligen Wachstumskurs zurückgekehrt und erwartet ein Plus jenseits der magischen zehn Prozent auch in diesem Jahr. Die Rückstellung in Höhe von fast einer Milliarde Euro für den Rechtsstreit mit Oracle sorgt freilich für unschöne Misstöne im Jubelchor der beiden Vorstandschefs.

Zu Beginn übt sich die SAP-Führungsriege in demonstrativer Geschlossenheit, wieder einmal: Die beiden Co-Vorstandschef Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe sowie Zahlenchef Werner Brandt drängen sich im Blitzlichtgewitter der Fotografen eng aneinander und versuchen Zuversicht zu verstrahlen. Das gelingt freilich nur teilweise: Denn trotz eines Rekordergebnisses bei den Softwareumsätzen im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres – das SAP-Kerngeschäft sprang zwischen September und Dezember um 35 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro – überschattet ein Thema alle positiven Botschaften: Der Rechtsstreit mit Oracle um das inzwischen geschlossene SAP-Tochterunternehmen TomorrowNow.

Denn nach Wochen des Schweigens beugt sich der deutsche Weltmarktführer für Software zur Unternehmenssteuerung nun einem bereits Ende November gefällten US-Gerichtsurteil auch bilanziell: Weitere 933 Millionen Euro stellt SAP für mögliche Strafzahlungen zurück; bisher waren die Walldorfer davon ausgegangen, mit 160 Millionen Dollar davon zu kommen. Eine Geschworenen-Jury  am Bundesgericht Oakland in Nordkalifornien hatSAP zu einer Schadensersatzzahlung in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar verurteilt. Hintergrund ist ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem US-Erzrivalen Oracle über unberechtigtes Herunterladen von Software durch den 2005 von SAP akquirierten IT-Service-Anbieter TomorrowNow. SAP hatte die Verfehlungen eingestanden und TomorrowNow 2008 dicht gemacht; bezifferte den Schaden von Oracle im Laufe des Verfahrens auf „maximal 41 Millionen Dollar“.

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Vergesst den Rechtsstreit

Dennoch beteuert das SAP-Management weiterhin, dass in dem Rechtsstreit noch lange nicht das letzte Wort gesprochen sei: „SAP ist der Ansicht, dass die von den Geschworenen zugesprochene Summe unverhältnismäßig und falsch ist. SAP beabsichtigt, in den nächsten Wochen Anträge auf eine Reduzierung der zugesprochenen Schadensersatzzahlung oder auf die Anordnung eines neuen Jury-Verfahrens zu stellen, sobald das Gericht das Urteil in dem Rechtsstreit verkündet hat. Je nach Bescheid dieser Anträge wird SAP auch eine Berufung in Erwägung ziehen“, verliest Finanzchef Brandt ein vorformuliertes Statement – was ein freilich wenig nach Pfeifen im Walde klingt.

Diesen Eindruck versucht Bill McDermott danach in seiner US-typischen Art wieder zu zerstreuen: „SAP ist ein Wachstumsunternehmen, und wir sind stärker als jemals zuvor“, beschwört der Co-Chef der Walldorfer die Journalisten geradezu. Allein im vierten Quartal 2010 habe SAP die Zahl der Vertragsabschlüsse um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern können. „Wir sind daher extrem zuversichtlich für 2011 und erwarten zweistelliges Wachstum sowie eine weitere Verbesserung der Marge.“ Bereits im Schlussquartal konnte SAP seine operative Profitabilität um 3,8 Prozentpunkte auf stolze 39,3 Prozent steigern.

Sein Mitfahrer auf dem SAP-Führungstandem, Jim Hagemann Snabe, legt das Hauptaugenmerk auf einzelne Produkte. Insbesondere das nach jahrelanger Verzögerung Mitte des vergangenen Jahres an den Start gegangene Mittelstandsprodukt Business By Design entwickelt sich laut Aussage von Snabe inzwischen deutlich besser als erwartet. Bereits mehr als 250 Unternehmen nutzen das neue Produkt, das on demand – sprich via Internet-Zugriff – verwendet wird. Im Laufe dieses Jahres wollen die Walldorfer die Marke von 1000 Kunden erreichen. „Die Kundenzahl von Business By Design wächst doppelt so schnell wie R/3 bei der Einführung im Jahre 1992“, sagt Snabe. R/3 war das jahrelange Erfolgsprodukt von SAP, dem der Konzern unter anderem seinen Aufstieg zum Weltmarktführer verdankt.

Die Botschaft der beiden SAP-Chefs ist eindeutig: Vergesst den schmerzvollen und teuren Rechtsstreit mit Oracle, das Unternehmen ist zurück auf Wachstumspfad und wird sein Wachstum in Zukunft noch beschleunigen. Wie sehr vor allem McDermott vom eingeschlagenen Weg überzeugt ist, macht eine typische Geste nach dem Ende der Jahrespressekonferenz deutlich: Beim Rausgehen grüßt er einen Journalisten, ballt die Faust und ruft aus: „Hey, wir wachsen wieder zweistellig – SAP ist zurück.“

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