Solaraktien: Deutschland ist Sonnenkönigreich

Solaraktien: Deutschland ist Sonnenkönigreich

Nach dem Atomunglück in Japan boomen Solaraktien. Dazu passend sollen 2011 weltweit doppelt so viele Solaranlagen installiert werden wie sonst. Schön für Deutschland, den Solaranlagen-König und die Nummer zwei unter den Erneuerbare-Energie-Investoren.

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Vorbild für die Oberfläche von Solaranlagen war die Haut der Sandfische

Für Deutschland scheint kräftig die Sonne, vor allem für Anleger, die die richtigen Solaraktien gekauft haben. Für die kann es sogar noch weiter nach oben gehen. Das Analyseunternehmen New Energy Finance geht nämlich davon aus, dass in 2011 doppelt so viele Solaranlagen installiert werden wie im Jahr zuvor. Weltweit. Ein solches Wachstum schaffen sonst nur Produkte wie das iPhone. Die gesellschaftliche Akzeptanz beflügelt das Produkt, das Atomunglück in Japan fällt jedoch ebenso ins Gewicht. Die Menschen reagieren sensibler auf das Thema erneuerbare Energien. Weltweit könnten in diesem Jahr so viele Solaranlagen auf die Dächer kommen, dass bis zu 28 Gigawatt nur aus Sonnenenergie produziert werden können, so die Analysten von New Energy Finance.  Das entspräche ungefähr der Leistung von 25 Atomreaktoren. Im vergangenen Jahr kamen rund 18,5 Gigawatt hinzu – das war ein Anstieg von mehr als 50 Prozent.

"Vielleicht denken die Leute im ersten Jahr noch, dass es ihnen zu teuer ist, aber im nächsten Jahr kommen die Anbieter dann mit günstigeren Preisen wieder. Und so geht es dann immer weiter", sagt Jenny Chase, Analystin bei New Energy Finance. So breiten sich die Kollektoren aus, es profitieren Umwelt, Hersteller und die Aktionäre. Aus Unternehmersicht ist diese Entwicklung besonders für das Sonnenkönigreich Deutschland spannend: Deutschland ist - international - die Nummer eins der Solaranlagenbauer. Eine aktuelle US-Studie kürte die Deutschen außerdem zur Nummer zwei der weltweit größten Investoren in erneuerbare Energie. Im vergangenen Jahr haben die 20 größten Industrienationen insgesamt 243 Milliarden Dollar ausgegeben. Deutschland investierte 41,2 Milliarden Dollar und überholte damit die USA.

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Anleger wittern das Ende des Atomzeitalters

Und so geht es weiter. Die Unternehmen, die im Bereich erneuerbare Energien tätig sind, wollen noch in diesem Jahr rund 5,5 Milliarden Euro investieren. Das ergab eine Unternehmensbefragung im Auftrag des Bundesverbandes Erneuerbarer Energien. Bis 2014 sollen sich die Investitionen auf 6,2 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen. Fast 80 Prozent der Unternehmen rechnen mit weiter steigenden Umsätzen. Nicht nur wegen solcher Prognosen, sondern auch als Reaktion auf die Atom-Katastrophe in Japan sind die Kurse von Solaraktien gestiegen. Anlegern wittern das sofortige Ende des Atomzeitalters und setzen auf den Solarboom. Sichtbar an den Börsen: Die Aktie vom Solarkraftwerksbetreiber Phoenix Solar legte seit Freitag um 20 Prozent zu, die von Solarworld um ganze 37 Prozent. Die großen der Branche verzeichneten allesamt ein zweistelliges Wachstum. Der Bloomberg Research Large Solar Valuation Peers Index, der 15 Solarwerte umfasst, hat seit Jahresbeginn etwa 25 Prozent zugelegt.

Trotzdem warnen Analysten weltweit vor überschnellen Käufen. Britische Analysehäuser raten davon ab, nun darauf zu vertrauen, dass die Politik nun umgehend auf grünen Strom umschalten werde. Ein schneller Umbau sei schon aus Kostengründen fast unmöglich. Und gerade in Deutschland sollten Anleger vorsichtig sein, sagen Experten von der Investmentgesellschaft Kleinwort Benson Investors. Deutsche Anbieter hätten nicht „die beste Marktposition.“ Gehe es beispielsweise um langfristiger Kosteneffizienz seien sie zu China nicht konkurrenzfähig. Wer den Markt erschließt, muss ihn deshalb noch lange nicht auf Dauer dominieren.

Überangebot durch Subventionskürzungen

Schon jetzt zeichnet es sich ab, dass die Rally langsam zum Ende kommt. Dem Markt droht ein Überangebot, einige Aktien haben schon wieder korrigiert.  Der Solarzellenhersteller Q-Cells gab nur eine verhaltene Prognose für das laufende Jahr ab. Wegen des anhaltenden Preisdrucks und dem Wegfall der Solarsubventionen in Italien erwartet das Unternehmen einen stagnierenden Umsatz. Der operative Gewinn soll auf dem Vorjahresniveau liegen. Die Aktie wurde von Experten bereits auf verkaufen gesetzt. Sowohl auf dem deutschen, als auch auf dem italienischen Solarmarkt drohen Subventionskürzungen, die Anbietern wie Q-Cells das Genick brechen können. Gestern verkündete die italienische Regierung, dass die Subventionen ab 2012 begrenzt würden. Analysten rechnen mit großem Preisdruck und einem Angebotsüberschuss als Konsequenz. Auch in Deutschland sollen ab April die Förderungen um bis zu 15 Prozent gesenkt werden. Dann kann es mit den Solaraktien wieder in den Keller gehen.

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