Solarförderung: "Arbeitsplätze in der Solarbranche sind zu teuer erkauft"

Solarförderung: "Arbeitsplätze in der Solarbranche sind zu teuer erkauft"

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Manuel Frondel leitet am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen den Bereich "Umwelt und Ressourcen".

Umweltminister Norbert Röttgen will die Förderung für Sonnenstrom von Dachanlagen außerplanmäßig zum 1. April um 15 Prozentpunkte kürzen. Insgesamt würden die Subventionen so bis Anfang 2011 im Vergleich zu 2009 um gut 33 Prozent fallen. Die Solarbranche ist entrüstet und droht mit Investitionsstopp, für Verbraucherschützer geht der Einschnitt nicht weit genug. Manuel Frondel, Energieexperte am Rheinisch-Westfälischen-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, hält die Kürzung für einen längst überfälligen Schritt.

Die Solarbranche läuft Sturm gegen die geplante Absenkung der Förderung im Frühjahr. Zu recht?

Die Kürzung ist ein längst überfälliger Schritt. Die Förderung bedeutet nämlich, dass die Netzbetreiber den Solarstrom abnehmen müssen und zwar zu einem garantierten Preis, der rund acht Mal höher ist als der Strompreis an der Leipziger Strombörse. Die Versorger geben diese Einspeisevergütung über eine Erhöhung der Strompreise an ihre Kunden weiter. Also zahlen die Verbraucher die Zeche. Mit der Kürzung werden sie um Milliarden entlastet.

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Über welche Summen reden wir hier?

Wenn der Umweltminister nichts unternommen hätte, hätten sich die Solarschulden für die zwischen 2000 und 2013 installierten Anlagen auf gut 100 Milliarden Euro summiert. So werden es etliche Milliarden weniger. Trotzdem bleibt ein ordentlicher Betrag übrig, den unsere Kinder noch abbezahlen müssen, wenn die Branche sich längst nach Asien verlagert hat.

Experten erwarten, dass dieses Jahr Anlagen mit einer Leistung von 3000 Megawatt angeschlossen werden.  Wenn es mehr als 3500 Megawatt werden, will Röttgen die Förderung um weitere 2,5 Prozent senken.

Das begrenzt zwar die Kosten, reicht aber immer noch nicht. Im vergangenen Jahr wurden Anlagen mit einer Gesamtleistung von circa 3000 Megawatt neu installiert, allein dafür müssen Verbraucher weit über 10 Milliarden bezahlen. Es wäre besser, den künftigen  Zubau auf  1500 Megawatt  - das ist das Niveau von 2008 - zu begrenzen.

Was bedeuten Röttgens Pläne für die deutsche Solarbranche?

Es wird endlich das passieren, was seit Jahren fällig ist – eine Konsolidierung des Marktes. Bis jetzt wurden auch ineffiziente Unternehmen gefördert, die werden jetzt vom Markt verschwinden, andere werden aufgekauft. Jeder junge Markt braucht diesen Bereinigungsprozess.

Dabei sind deutsche Solarunternehmen, die Zellen und Module herstellen, durch die billige Konkurrenz aus Asien ohnehin schon unter Druck.

Richtig, es würde schon alleine dadurch zu einem Unternehmenssterben kommen, jetzt geht es eben schneller.

"Zu teuer erkaufte Arbeitsplätze"

Die Solarwirtschaft argumentiert mit Arbeitsplätzen, die in Deutschland geschaffen wurden und jetzt verloren gehen könnten.

Nach unserer Einschätzung ist der Arbeitsplatzeffekt durch diese Art der Förderung in Wirklichkeit negativ. Ja, in der Solarbranche sind Arbeitsplätze entstanden. Aber wenn die Verbraucher wegen der hohen Einspeisevergütung höhere Strompreise bezahlen müssen, steht ihnen weniger Geld für Ausgaben in anderen Bereichen zur Verfügung. Dort gehen dann Arbeitsplätze verloren. Und das sind mehr an der Zahl, als die neuen Stellen in der Solarbranche.

Das ist aber eine Schätzung, die schwer zu beziffern ist. Dafür kann die Solarbranche gut 60 000 Beschäftigte vorweisen.

Diese Arbeitsplätze sind eindeutig zu teuer erkauft. Sie müssen bedenken, dass auch viele asiatische Hersteller ihre Anlagen hier verkaufen. In Wirklichkeit schaffen deutsche Stromkunden mit ihrem Geld neue Stellen in Fernost.

Was bedeutet die gekürzte Förderung für die Nachfrage nach neuen Solaranlagen in Deutschland?

Bis jetzt ist es ja für die Branche einfach zu gut gelaufen, die Nachfrage ist geradezu explodiert. Der Zubau im Jahr 2009 hat sich gegenüber dem Vorjahr etwa verdoppelt. Dieser Nachfrageboom setzt sich im ersten Quartal 2010 fort. Ab April dürfte es dann dank der Förderkürzung etwas ruhiger zugehen.

Das werden wahrscheinlich nicht alle Unternehmen überleben. Wer hat denn die besten Chancen?

Unter den Modulherstellern werden es zwei bis drei große sicher schaffen, darunter die Bonner Solarworld und vielleicht Q-Cells aus Thalheim bei Bitterfeld. Übrigens: Diejenigen Unternehmen, die fertige Anlagen auf die Dächer montieren, haben wenig zu befürchten.

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