Solarmodul-Hersteller: Branche stolpert von Skandal zu Skandal

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Solarmodul-Hersteller: Branche stolpert von Skandal zu Skandal

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Trübe Aussichten für deutsche Solarunternehmen

von Mario Brück, Dieter Dürand und Niklas Hoyer

Solon, Solar Millennium, Q-Cell - deutsche Solarunternehmen produzieren Affären und atemberaubende Verluste – aber immer weniger Arbeitsplätze.

Rekordverlust, hohe Verschuldung – schlechter hätte das erste Halbjahr für den Berliner Solarmodulhersteller Solon kaum laufen können. Beim einstigen Börsenliebling jagt eine Krisensitzung die andere, dringend muss frisches Geld her. Doch in den Verhandlungen mit einem Konsortium unter Führung der Deutschen Bank wurde klar, dass die Banker eine Kreditlinie über 275 Millionen Euro am Jahresende nur verlängern, wenn Solon drastische Fortschritte bei der Restrukturierung macht. Ein Mittel gegen die drohende Insolvenz sind Entlassungen. Nach Insider-Informationen stehen mindestens 160 der derzeit etwas mehr als 800 Arbeitsplätze auf der Kippe. Ähnlich finster sieht es bei der Erlanger Solar Millennium aus. Eigentlich plant das kleine deutsche Unternehmen, das 2010 mit dem 74-Tage-Gastspiel von Utz Claassen für Aufsehen sorgte, in den USA das weltgrößte Solarprojekt der Welt und baut dort ein 1-Gigawatt-Solarthermie-Kraftwerk.

Totaler Strategieschwenk

Doch Mitte August gab Solar Millennium plötzlich bekannt, die Solarthermie durch herkömmliche Fotovoltaik ersetzen zu wollen. Damit verabschieden sich die Erlanger nicht nur von ihrer Kernkompetenz, sondern verlieren auch 2,1 Milliarden Dollar staatliche US-Kreditgarantien. Außerdem brauchen sie neue Genehmigungen, sodass sich der Bau verzögern wird. Die Zeit könnte knapp werden, denn schon die jüngsten Sechs-Monats-Zahlen fielen tiefrot aus. Das Eigenkapital schrumpfte um mehr als ein Drittel.

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Beim Modulhersteller Conergy aus Berlin hat schon ein Konsortium aus Banken und Hedgefonds das Kommando übernommen. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Hamburg den ehemaligen Firmenchef Dieter Ammer und weitere Manager wegen verbotenem Insiderhandel und Bilanzfälschung angeklagt. Und der Ex-Branchenprimus Q-Cells macht mit 350 Millionen Euro mehr Verlust als Umsatz und kämpft um die nackte Existenz. In den USA gibt es mit Evergreen Solar sogar schon ein prominentes Opfer: Der bekannte Solarpanelhersteller musste Insolvenz anmelden. Von dem, was ein bedeutender Wirtschaftszweig werden sollte, bleibt kaum mehr als ein Trümmerhaufen. Befeuert mit Steuermilliarden sollten die Modulbauer Arbeitsplätze schaffen und den Weltmarkt erobern. Pustekuchen: Stellen werden massiv abgebaut oder gen Asien verlagert.

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