Solarunternehmen: Solar Millennium stoppt Anleihe

Solarunternehmen: Solar Millennium stoppt Anleihe

von Niklas Hoyer

Kaum ist im Streit um die Millionenprämien für den früheren Kurzzeit-Chef Utz Claassen Ruhe eingekehrt, muss das finanziell angeschlagene Solarunternehmen Solar Millennium einen weiteren Rückschlag wegstecken.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche hat es die Platzierung einer stark beworbenen Anleihe über 100 Millionen Euro Mitte September gestoppt. Damit verliert der Konzern zumindest vorübergehend eine wichtige Geldquelle. Ein Sprecher bestätigte, Solar Millennium lasse „die Gegenzeichnung von Zeichnungsaufträgen für die Anleihe bis auf Weiteres ruhen“. Als Grund führte er „eine mögliche weitere Ergänzung des Emissionsprospekts“ an. Solar Millennium lasse prüfen, ob das notwendig sei. Betroffene Investoren würden informiert.

Ein erster Nachtrag zum Anleihenprospekt war nötig geworden, nachdem das Erlanger Unternehmen Mitte August überraschend die Pläne für das geplante weltgrößte Solarkraftwerk im kalifornischen Blythe gekippt hatte. Das Kraftwerk rechne sich nicht mehr, gab Solar-Millennium-Chef Christoph Wolff an.

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Nun will das Unternehmen das US-Projekt mit überarbeiteten Plänen und anderer Technik umsetzen – Fotovoltaik statt Solarthermie. Ob das gelingt, ist ungewiss. Der Bau dürfte sich mindestens bis 2014 verzögern.

Das Geld aus der Anleihe sollte laut Solar Millennium vor allem in dieses geplante US-Kraftwerk fließen. Anleger konnten die Anleihe seit März über die Finanztochter Solar Millennium Invest zeichnen, haben dies aber nur zu rund 60 Prozent getan.

Als Aushängeschild der Finanztochter diente der fernsehbekannte Bankenprofessor Wolfgang Gerke, der auch selbst zu 45 Prozent an ihr beteiligt war. Nach den Turbulenzen stieg Gerke aus, verkaufte seine Anteile an der Finanztochter an Solar Millennium. Er sitzt aber noch im Aufsichtsrat der Finanztochter.

Gefährlich ist die Aussetzung der Platzierung für Solar Millennium vor allem, weil die Finanz- und Liquiditätslage angespannt ist. So hatte das Unternehmen laut Halbjahresabschluss nur noch 46 Millionen Euro frei verfügbare Geldguthaben und Wertpapiere. Allein für Zins und Tilgung der ausstehenden Anleihen braucht Solar Millennium im kommenden Geschäftsjahr von November an rund 50 Millionen Euro. Konzern-Chef Wolff spricht daher mit Banken über eine kurzfristige Finanzierung und hofft, größere Investoren gewinnen zu können.

Mit der Aussetzung der Anleihenplatzierung wollte Solar Millennium sich wohl auch vor Rückforderungsansprüchen von Anleihezeichnern nach dem überraschenden Technik-Schwenk in den USA schützen. Solche Ansprüche hatte das Unternehmen im August zwar ausgeschlossen, die rechtliche Lage scheint aber nicht endgültig geklärt zu sein.

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