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Solarworld mit Zahlen: Optimismus pur in der Solarbranche

Quelle: Handelsblatt Online

Noch vor wenigen Wochen hat die Solarbranche intensiv den warnenden Zeigefinger gehoben, als es im Bundesrat darum ging die staatliche Förderung zu drosseln. Das passiert weit weniger als geplant. Plötzlich überschlugen sich die Unternehmen mit positiven Meldungen. So auch heute - allen voran Branchenprimus Solarworld.

In der Solarbranche strahlt man derzeit um die Wette. Quelle: ap
In der Solarbranche strahlt man derzeit um die Wette. Quelle: ap

HB DÜSSELDORF. Der Photovoltaik-Konzern Solarworld verzeichnete im ersten Halbjahr 2010 ein starkes Umsatzwachstum. Auch für das Gesamtjahr erwartet Solarworld - trotz nationaler staatlicher Förderkürzung - eine deutliche Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr. Mit der Vorlage des Konzern-Halbjahresberichts bestätigte die im TecDax notierte Gesellschaft am Mittwoch in Bonn die bereits vorab Ende Juli gemeldeten Zahlen.

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"Wir konnten die dynamische Entwicklung der internationalen Solarmärkte nutzen", sagte Solarworld-Vorstandschef Frank Asbeck. Die weltweiten Produktionsstandorte arbeiteten mit voller Auslastung. Asbeck sieht starkes Wachstum in den europäischen Märkten, vor allem in Italien und Frankreich und auch in Osteuropa. Produktionsstandorte sind Deutschland mit Freiberg (Sachsen), die USA und Südkorea.

In den USA, das in der Branche als wichtiger Zukunftsmarkt gilt, verstärkte Solarworld seinen Auftritt: Seit Mitte Juli wirbt Schauspieler Larry Hagman, bekannt als TV-Ölbaron J.R. Ewing aus der Serie "Dallas" für Solarworld und die solare Energiewende in den USA.

Der Umsatz des Anbieters von Solarstromtechnologie wuchs im ersten Halbjahr deutlich um 50,8 Prozent auf 608,4 Mio. Euro (2009: 403,4). Das EBIT ging leicht zurück und betrug 81,2 Mio. Euro (1. Halbjahr 2009: 83,3). Eine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr nannte Asbeck nicht.

Im 2. Quartal erzielte Solarworld sogar den bislang höchsten Dreimonatsumsatz (382,8 Mio. Euro) seiner Geschichte. Der Absatz wurde auch dadurch beflügelt, dass sich Kunden noch vor der Förderkürzung zum 1. Juli die bis dahin gültigen höheren Vergütungssätze sichern wollten. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte im 2. Quartal um 23 Prozent auf 56,4 Mio. Euro zu.

Der Boom in der Solarstrombranche hat auch dem Anlagenbauer Phoenix Solar im zweiten Quartal Rekordwerte beschert. Der Umsatz schnellte um 145 Prozent auf 283,6 Mio. Euro in die Höhe. Die Analystenschätzungen wurden damit um rund 30 Mio. übertroffen. Der operative Gewinn (Ebit) vervielfachte sich noch stärker auf 22,3 (Vorjahr: 0,1) Mio. Euro. Netto verdiente der Konzern 15,9 (1,1) Mio. Euro. Damit habe Phoenix erstmals in der Firmengeschichte bereits im ersten Halbjahr die Hälfte des geplanten Jahresumsatzes und mehr als zwei Drittel des Ebit-Ziels erreicht.

Dabei profitierte Phoenix Solar wie auch andere Firmen aus der Solarbranche von dem Nachfrageboom nach Solaranlagen vor den Förderkürzungen in Deutschland, die im Juli in Kraft traten.

"Wir verdanken diesen Verlauf starken ausländischen Märkten und einem Sondereffekt", sagte Firmenchef Andreas Hänel. Die anstehenden Förderkürzungen hatten bei den Hausbesitzern zur Torschlusspanik geführt. Bis zum Stichtag wollte sich jeder noch zu alten Förderkonditionen eine Anlage aufs Dach schrauben lassen. Daneben hätten die ausländischen Märkte in Frankreich, Italien, Spanien und Griechenland deutlich an Fahrt gewonnen.

Angesichts der reduzierten Einspeisevergütung für Solarstrom geht der Vorstand für den Rest des Jahres von einem deutlich schwächeren Geschäftsverlauf aus. Nun würden Kraftwerksprojekte im Ausland abgewickelt, die zuvor wegen des Booms auf dem Heimatmarkt verschoben worden seien. Zudem gebe es Anzeichen für einen Nachfrageschub im vierten Quartal. Auch habe der bayerische Konzern mit 282 Mio. Euro (plus 55,4 Prozent) einen gutes Auftragspolster im Rücken.

Ähnlich positive ist das Bild bei Aleo Solar . Der operative Gewinn stieg hier auf 29.3 Mio. Euro.

Abgesehen von den harten Zahlen gab es wichtige Äußerungen, die die Stärke der Solarbranche belegen: Bosch hält trotz der beschlossenen Kürzung der Solarförderung am Ausbau seiner Solar- Sparte fest. "Wenn Bosch investiert, dann langfristig", sagte der Vorstandschef der Bosch Solar Energy AG, Holger von Hebel, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das Hauptquartier der neuen Sparte samt Forschungszentrum entsteht in Arnstadt (Thüringen), wo in den nächsten Jahren mehr als eine halbe Milliarde Euro investiert werden sollen.

In der kommenden Woche geht eine neue Fabrik in Betrieb, in der bis zu 90 Mio. Solarzellen pro Jahr gefertigt werden. Nach dem Einstieg bei der ehemaligen Erfurter ersol AG 2008 soll sich die Mitarbeiterzahl im kommenden Jahr auf mehr als 2000 verdoppeln.

Von Hebel rechnet nach dem umstrittenen Beschluss, die Vergütung für Solarstrom ab Oktober um elf bis 16 Prozent zu kürzen, mit einer Konsolidierung der Branche. Vor allem kleine Firmen könnten angesichts des Innovationsdrucks in Schwierigkeiten geraten. "Der Druck wird zunehmen."

Von Hebel sagte: "Um die Solarenergie weltweit im Energie-Mix zu etablieren, ist politische Unterstützung erforderlich." Im Vergleich zur Halbleiter- oder Autoindustrie stecke die Solarbranche noch in den Kinderschuhen.

Von Arnstadt aus soll das weltweite Photovoltaik-Geschäft von Bosch koordiniert werden. Das neue Produktions- und Forschungszentrum werde als Leitwerk ausgebaut, sagte von Hebel. Nach einem Solar- Umsatz in der Gruppe von mehr als 600 Mio. Euro im vergangenen Jahr werde 2010 ein Sprung auf über eine dreiviertel Milliarde Euro angepeilt. Durch die Debatte um die Förderkürzung für Solarstrom habe es in der ersten Jahreshälfte einen Nachfrageboom gegeben.

Zudem hat neben der Konjunkturerholung der Solar-Boom auch das Geschäft der KfW im ersten Halbjahr geprägt. Das Finanzierungsvolumen schoss im Vergleich zum Vorjahr um 64 Prozent auf 42 Mrd. Euro in die Höhe. Im Inland stieg das Kreditvolumen sogar um 90 Prozent. Die Kredite aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung für den Mittelstand, das im März 2009 angelaufen war, und Darlehen für den Umwelt- und Klimaschutz in Unternehmen und Haushalten haben sich jeweils fast verdoppelt.

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