Sonderzahlung trotz Staatshilfe: Chef der Münchner Skandalbank HRE sahnt ab

Sonderzahlung trotz Staatshilfe: Chef der Münchner Skandalbank HRE sahnt ab

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Eine halbe Million Euro als Sonderzahlung zu Beginn des Jahres: Axel Wielandt, Chef der Hypo Real Estate

Die Empörung ist groß: Trotz milliardenschwerer Staatshilfen für die Hypo Real Estate hat der Vorstandschef der Krisenbank zu Jahresbeginn eine Sonderzahlung in Höhe von 500.000 Euro erhalten.

Die Zahlung an HRE-Chef Wieandt sei als Ausgleich für den Verzicht auf seinen alten Dienstvertrag erfolgt, sagte ein Sprecher der Bank. 

Der neue Vertrag war wegen der Verstaatlichung der Bank nötig geworden und beinhaltet auch die damit gesetzlich vorgeschriebene Kürzung von Wieandts Jahresgehalt auf 500.000 Euro. „Bei der Vorstandvergütung hält sich die HRE an alle vom SoFFin und der Politik vorgegebenen Regelungen“, erklärte die Bank.

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Der neue Dienstvertrag gilt seit 1. April. „Dieser Vertrag unterscheidet sich in verschiedenen Punkten vom bisherigen und stellt Wieandt schlechter“, teilte die HRE mit. „Für den Verzicht auf den alten Dienstvertrag hat der Aufsichtsrat Axel Wieandt als Anerkennung eine Einmalzahlung in Höhe von 500.000 Euro gewährt.“

Der Sprecher des Finanzministeriums, Stefan Olbermann, erklärte: „Den Sachverhalt werden wir natürlich recherchieren lassen.“ Die Sonderzahlung sei nicht Thema im Lenkungsausschuss gewesen. Das habe zeitliche Gründe gehabt. Die Regelungen, die die HRE mit Wieandt getroffen habe, seien schon fixiert gewesen, bevor die Bank staatliche Hilfe in Anspruch genommen habe. Laut Zwischenbericht der HRE zum ersten Quartal beinhaltet der neue Vertrag für Wieandt neben der Deckelung des Jahresgehalts auch eine Reduzierung der Pensionszahlungen um voraussichtlich etwa 3,8 Millionen Euro.

Zudem wird demnach keine variable Vergütung gezahlt und die Laufzeit von Wieandts Vertrag wurde von fünf auf drei Jahre verkürzt. Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Alexander Bonde, nannte die Sonderzahlung für Wieandt inakzeptabel. Sie sei „ein deutliches Zeichen, dass die Bundesregierung in der Finanzmarktstabilisierung weiter der Logik der Banken folgt“.

KPMG warnte nicht vor drohender Pleite

HRE-Hauptversammlung. Fehlte Quelle: AP

HRE-Hauptversammlung. Fehlte den Wirtschaftsprüfern am Ende der Mut, dem Auftraggeber klar die ganze Wahrheit zu sagen?

Bild: AP

Vor der Hauptversammlung der HRE droht der Bank weiteres Ungemach: Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten vor der drohenden Pleite der HRE nicht gewarnt. Dennoch sollen sie auch weiterhin die Bilanzen der Münchner Skandalbank prüfen.

Mit mehr als 90 Milliarden Euro stabilisieren die deutschen Steuerzahler die angeschlagene Bank Hypo Real Estate (HRE) in München. In Berlin müht sich der Untersuchungsausschuss des Bundestages, die Umstände der HRE-Katastrophe zu durchleuchten, insbesondere mögliche Versäumnisse der Kontrolleure. Und die HRE-Spitze selbst? Sie demonstriert Kontinuität. Ihr Aufsichtsrat schlägt zur Hauptversammlung am 13. August als neuen Abschlussprüfer den alten vor: KPMG.

„Ein Geschmäckle“ habe das, sagt der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Florian Toncar (FDP). Er ist Mitglied im parlamentarischen Kontrollgremium zum Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin), über den die HRE-Rettungsaktion finanziert wurde. Es sei „allein schon eine Frage der Hygiene, den Abschlussprüfer zu wechseln“, empfiehlt Toncar. Das meint auch Gerhard Schick von Bündnis 90/Die Grünen. Schick sitzt im HRE-Untersuchungsausschuss. „Die KPMG-Leute haben Anteil am kollektiven Versagen“, urteilt Schick und fügt hinzu: „Das macht die Aufarbeitung des Falls HRE so schwierig.“

Wie die Faust aufs Auge

Mangelnde Sensibilität, verschwiegene Seilschaften oder doch fachliche Kompetenz – was immer den HRE-Aufsichtsrat bewogen hat, an KPMG als Abschlussprüfgesellschaft festzuhalten, es fördert den Verdruss an ihrer Bank, der ganzen Branche und letztlich am politischen System. Zu viel Unappetitliches wird den Bürgern in diesen Tagen serviert: So klagt der frühere HRE-Vorstandschef Georg Funke auf ausstehende Millionen aus seinem Arbeitsvertrag. Aktionäre wollen die HRE auf Schadensersatz verklagen, wofür nun ausgerechnet der Staat als Retter geradestehen müsste. Da passt das Festhalten am alten Abschlussprüfer wie die Faust aufs Auge.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG selbst beruft sich darauf, die Bilanz der Bank ordnungsgemäß geprüft zu haben. Zwar steht im Zwischenprüfbericht vom 12. August 2008, wenige Wochen vor der dramatischen HRE-Rettungsaktion: „Selbst bei einem Worst-Case-Szenario ist sichergestellt, dass die HRE-Gruppe und ihre Tochterunternehmen jederzeit uneingeschränkt zahlungsfähig sind.“ Darunter hatten die Prüfer ihren Stempel gesetzt. Doch KPMG verweist jetzt darauf, es habe sich hier nur um eine prüferische Durchsicht gehandelt, nicht um eine ordentliche Prüfung.

HRE wird Kontrollversagen vorgeworfen

Tatsächlich hat KPMG schon 2007 im mehr als 1000 Seiten dicken internen Prüfbericht auf das Liquiditätsrisiko bei der HRE-Tochter Depfa hingewiesen, weil dort die Hälfte der Refinanzierung kurzfristig erfolgte. Fehlte der KPMG vielleicht der Mut, deutlicher auf diesen Missstand hinzuweisen? Oder war Kritik am Auftraggeber nicht opportun?

„Bei der HRE liegt ein massives Kontrollversagen vor“, urteilt der Management-Professor Joachim Schwalbach von der Humboldt-Universität in Berlin und spricht von „einem weiteren Beleg für die unzureichende Funktionsweise von Kontrollorganen in zahlreichen Publikumsgesellschaften“. Dass KPMG nun wiederum zum Wirtschaftsprüfer bestellt werden soll, ist für Schwalbach „ein Unding und zeugt von schlechter Corporate Governance“.

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