Soziale Netzwerke: Geschäfte unter Facebook-Freunden

Soziale Netzwerke: Geschäfte unter Facebook-Freunden

Facebook verkauft seine Anteile vorab an reiche Privatiers – steht das Ende des Kleinanlegers bevor?

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Facebook

Der Vorverkauf hat begonnen. Im Angebot sind Tickets für die spektakulärste Show des Jahres: Facebook – das Milliardenspiel. Von Mark Zuckerberg und Goldman Sachs, dem Traumpaar der Hochfinanz.

Was in der vergangenen Woche durchsickerte, sorgte weltweit für eine Begeisterung, wie man sie seit der Hochphase der New Economy vor zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Goldman Sachs, eine der ersten Adressen der Wall Street, investiert rund 450 Millionen Dollar in Facebook und legt einen 1,5 Milliarden Dollar schweren Fonds auf, über den sich ausgewählte Anleger an dem Sozialen Netzwerk beteiligen können. Dessen Gründer Mark Zuckerberg gilt als ein ganz Großer im Internet. Mit seiner Idee, Menschen auf der ganzen Welt, ihre Nachrichten und Fotos digital miteinander zu verbinden, wurde der Mittzwanziger zum Milliardär – dabei ist sein Unternehmen gerade mal sieben Jahre alt.

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Mithilfe von Goldman Sachs sollen nun auch andere vom weiteren Aufstieg profitieren. Der Zirkel ist überaus exklusiv. Nur Klienten von Goldman Sachs können einsteigen, sofern sie jeweils mindestens zwei Millionen Dollar übrig haben. Der Ansturm soll gewaltig gewesen sein. Und so funktioniert das Milliardenspiel: Wohlhabende Privatleute werden zuerst bedient. Wenn demnächst der echte Börsengang folgt , dürfen auch Normalanleger Facebook-Aktien kaufen. Doch der Plan von Zuckerberg und Goldman Sachs wirft Fragen auf. Warum werden einige Anleger bevorzugt? Und was bedeutet das für jene, die später an der Börse in Facebook investieren wollen?

Noch vor wenigen Jahren konnten aufstrebende Jungunternehmer ihr Debüt an der Nasdaq oder am New York Stock Exchange nicht schnell genug feiern. Heute versuchen sie, den Gang an die Börse so lange wie möglich hinauszuzögern. Mithilfe moderner Informationstechnologie hat die Wall Street daher in den vergangenen Jahren Möglichkeiten geschaffen, damit Firmengründer, Risikokapitalgeber und Mitarbeiter ihre Unternehmensanteile auf andere Weise verkaufen können. Abnehmer sind Hedgefonds, Beteiligungsfirmen, Pensionskassen und reiche Privatiers – so wie jetzt bei Facebook. Diese VIP-Lounges sind deswegen so beliebt, weil die Insider sich dort nicht mit Aufsichtsbehörden, Publizitätsregeln und Fragen von Analysten und Journalisten herumschlagen müssen. Auch Facebook enthält der breiten Öffentlichkeit bis heute offizielle Finanzdaten vor, die meisten verfügbaren Informationen beruhen auf Schätzungen, Berichten anonymer Quellen und Hochrechnungen. Nur Goldman Sachs weiß mehr.

»Die Investoren sind begeistert und drängeln sich um solche Chancen«, sagt Thomas Foley, Chef von Xpert Financial Securities, einer der neuen alternativen Handelsplattformen. Dort trifft sich, was die Wall Street Smart Money nennt – das clevere Geld. Im Gegensatz dazu steht das dumme Geld, gemeint sind die Kleinanleger, die sich noch an den öffentlichen Handelsplätzen tummeln – den Börsen. Schon längst nicht mehr wird dort das Kapital für die Expansion von Unternehmen besorgt, so wie es ursprünglich einmal beabsichtigt war. »Kleinanleger, die immer noch im Alleingang versuchen, den Markt zu schlagen, sind selbst schuld«, sagt Adam Pritchard, Professor für Wertpapierrecht an der University of Michigan.

New Yorks einstige Weltbörsen verkommen zunehmend zu Resterampen. In den vergangenen Jahren hatten sie kaum etwas zu bieten. 2009 war man schon stolz auf das spektakuläre Debüt von OpenTable – einer Internetklitsche, die Tischreservierungen für Restaurants vermittelt. Und als bedeutendster Börsengang des Jahres 2010 wurde mangels Alternativen ausgerechnet die Rückkehr des Autopleitiers General Motors gefeiert. Die Chinesen stellen mittlerweile die zweitgrößte Gruppe bei den US-Börsengängen. Von den 172 initial public offerings an der New York Stock Exchange entfielen 39 auf chinesische Unternehmen. Sie unterwerfen sich den Transparenzvorschriften, um damit Vertrauenswürdigkeit zu signalisieren.

Amerikanische IT-Unternehmen sind davon weit entfernt. Neben Facebook gilt das auch für den Computerspieleproduzenten Zynga und den Kurznachrichtendienst Twitter – ebenfalls prominente Vertreter der gefeierten  Zukunftsindustrie. Deren Manager fürchten nicht nur Berichtspflichten und hohe Kosten für die Verwaltung, sondern auch Anlegerklagen, die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben. »Es gibt durchaus so etwas wie übertriebene Transparenz«, sagt Jurist Pritchard. Dass der Aktienhandel aber auf unregulierte Plattformen abwandert, birgt neue Gefahren. »Es gibt keine Kontrolle darüber, welche Informationen die Investoren bekommen und ob sie akkurat sind«, sagt Charles Elson, Corporate Governance-Experte an der University of Delaware.

Foley hält Plattformen wie seine Xpert Financial für wichtig. »Die Unternehmen sind in einer Phase, in der sie ihr Geschäftsmodell noch perfektionieren und ihre Strategie finden müssen. Das verträgt sich schlecht mit der Verpflichtung, alle drei Monate alles offenlegen zu müssen«, sagt er. Ein Unternehmen, das in den achtziger Jahren an die Börse ging, sei im Durchschnitt 20 Millionen Dollar wert gewesen, heute seien es 200 Millionen Dollar. Um diese Größe zu erreichen, sagt Foley, müssten Gründer heute nicht mehr nur sechs Jahre warten, sondern eher elf bis vierzehn Jahre. Kein Wunder, dass die Zahl der Börsengänge in den USA sich seit dem Internetboom vor rund zehn Jahren halbiert hat.

Facebook verdient sein Geld vor allem mit Werbung. Nutzer zahlen nichts, verraten aber massenhaft Daten über sich . Damit erstellt Facebook Profile, die für die Verkäufer von Waren und Dienstleistungen interessant sind, weil sie passgenaue Werbung erlauben. Den Kontakt zur idealen Zielgruppe lässt sich Facebook von den Firmen bezahlen. Die Kundenbasis ist riesig: Offiziell sind es mehr als 500 Millionen Menschen .

Angeblich machte Facebook im vergangenen Jahr 400 Millionen Dollar Gewinn bei zwei Milliarden Dollar Umsatz. Das berichtet die New York Times . Sie hat aus der Goldman-Offerte auch hochgerechnet, dass Facebook 50 Milliarden Dollar wert sei. Das ist in etwa so viel wie der Chemiekonzern BASF, ein klassischer deutscher Industriewert und eines der Schwergewichte im Aktienindex Dax.

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