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Soziale Netzwerke: Was die Internet-Weltmacht Facebook antreibt

von Matthias Hohensee und Michael Kroker

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat mit seinem sozialen Netzwerk die Konkurrenz meilenweit abgehängt. Jetzt wird er selbst Google gefährlich und ist auf dem Weg zum Herrscher des Internets. Ein Blick hinter die Kulissen.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg Quelle: REUTERS
Facebook-Chef Mark Zuckerberg Quelle: REUTERS

Palo Alto, 1601 South California Avenue. Hier, genau zwischen Bildung und Kommerz, am Ende einer hübsch mit Fichten und kalifornischen Eichen gesäumten Straße, liegt das Hauptquartier von Facebook. Links residiert mit Hewlett-Packard (HP) der größte Technologiekonzern der Welt. Rechts erstreckt sich der Campus der Eliteuniversität Stanford. Just dazwischen hat sich Facebook eingerichtet, in einem früheren HP-Laborgebäude.

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Eine abgewetzte Couch, drei Besuchersessel, ein gläserner Kühlschrank mit Limo-Fläschchen, mit graubraunen Steinen bedeckte Wände, ein muffiger Geruch – nichts in dem winzigen Foyer deutet darauf hin, dass hier das Herz des mit einer halben Milliarde Nutzern derzeit populärsten Internet-Konzerns der Welt schlägt. Als einziger Schmuck hängt ein gerahmtes Facebook-Plakat an der Wand, darauf die Unterschriften der ersten 30 Mitarbeiter. Auf dem Empfangstresen steht das aus blau-weißen Legosteinen zusammengebaute Facebook-Logo.

Chef im Grossraumbüro

Empfängt der Suchmaschinen-Gigant Google – mit 140 Milliarden Dollar Börsenwert derzeit das wertvollste Internet-Unternehmen der Welt – Besucher durchgestylt wie ein Designhotel mit quietschbunten Sesseln, edlen Glastischen und psychedelisch wabernden Lavalampen, verströmt das Facebook-Foyer das Flair einer sauerländischen Jugendherberge. Dazu passt das Grüppchen von T-Shirt-Trägern, alle Anfang 20, die fröhlich lärmend um 10.30 Uhr mit ihren Laptops aus dem Shuttle des Silicon-Valley-Chauffeurservice steigen. Entspannt schlendern sie durch eine Glastür zu ihrem Arbeitsplatz – einer lichtdurchfluteten Halle von der Größe eines halben Fußballfeldes, vollgestellt mit frei im Raum stehenden Schreibtischen, bepackt mit überdimensionalen Flachbildschirmen. An den Wänden hängen Werke des coolen Graffiti-Künstlers David Choe.

Alles ist offen – weder gibt es die sonst im Silicon Valley üblichen Cubicle-Waben aus Pappwänden noch Zimmer. Niemand hat ein Büro, nicht mal Mark Zuckerberg. Der 26-jährige Gründer und Chef von Facebook, ein meist ernst blickender junger Mann mit lockigen Haaren und schmalem Gesicht, sitzt an einem schlichten Schreibtisch inmitten seiner Angestellten. Einen Tisch weiter arbeitet seine 15 Jahre ältere Operativchefin Sheryl Sandberg, die Zuckerberg vor zwei Jahren höchstselbst bei Google abwarb. Noch heute ist Google-Chef Eric Schmidt verschnupft, seine Chef-Werbeverkäuferin an den aufstrebenden Konkurrenten verloren zu haben.

Als einziges sichtbares Privileg verfügt Zuckerberg über einen eigenen, an drei Seiten verglasten Konferenzraum. Jeder Mitarbeiter kann sehen, mit wem der Chef gerade spricht. Der Facebook-Gründer demonstriert so jene ultimative Transparenz, die er auch mit seinem sozialen Netzwerk anstrebt: Alles ist für alle sichtbar. Der Glasraum ist allerdings ein doppeldeutiges Symbol: Bei Facebook gibt es keine Privatsphäre – nicht mal im Hauptquartier.

Schaltzentrale des World Wide Web

Zugleich täuscht das spartanische Ambiente über Zuckerbergs wahre Ambitionen hinweg. Denn tatsächlich ist Facebook auf dem Weg, in diesem Jahrzehnt zum mächtigsten Internet-Unternehmen der Welt aufzusteigen, einflussreicher noch als Ebay, Yahoo und Amazon. Längst hat der sechs Jahre junge Konzern die Schlacht der sozialen Netzwerke für sich entschieden. Nun macht Zuckerberg Facebook mehr und mehr zu einer Schaltzentrale des World Wide Web, vernetzt mit Hunderten Millionen Web-Seiten rund um den Globus.

Damit wird Zuckerbergs Reich selbst Google gefährlich, weil es Chancen auf ein weit größeres Stück vom wachsenden Online-Werbemarkt hat und zugleich so gestrickt ist, künftig gleich mehrere angrenzende Märkte zu besetzen – als Plattform etwa auch für den Vertrieb von Software und die Vermittlung von Internet-Handel. Der wesentliche Unterschied: Dreht sich bei Google alles um Informationen, stehen bei Facebook Menschen im Mittelpunkt, ihre Ansichten, Vorlieben, Freunde und Bekannten.

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 23.10.2010, 21:48 UhrAnonymer Benutzer: Paddeln in der elektronischen Gosse

    Früher kaufte sich die Unterschicht Schundhefte.

    in den 80er und 90erdann glotzten diese Leute dann Unterschichtenfernsehen und ließen sich von den Zahnlosen und Tätowierten, die in einer Stuhlreihe saßen, die Welt erklären.

    Heute klicken sie irgendwo im internet herum, tippen in ihrer entlarvenden Orthographie ihre Memoiren hinein und meinen, sie hätten 1000 Freunde, weil es dort so angezeigt wird.

    Vor 100 Jahren durften die Töchter der höheren Stände nicht auf die Straße, weil das zu gefährlich war. Auf die heutigen Verhältnisse übertragen heißt das, daß auf diesen http-Seiten niemand etwas zu suchen hat, der irgend etwas auf sich hält. Wer sich dort tummelt, der muß wissen, daß er in der elektronischen Gosse paddelt.

    Das schreibt jemand, der diese Warnungen schon vor 1/4 Jahrhundert an seine Kinder gegeben hatte zu einer Zeit, als ausschließlich Spezialisten internet hatten, als es aber diesen Schund schon in allerersten Ansätzen gab.

  • 23.10.2010, 21:47 UhrAnonymer Benutzer: Paddeln in der elektronischen Gosse

    Früher kaufte sich die Unterschicht Schundhefte.

    in den 80er und 90erdann glotzten diese Leute dann Unterschichtenfernsehen und ließen sich von den Zahnlosen und Tätowierten, die in einer Stuhlreihe saßen, die Welt erklären.

    Heute klicken sie irgendwo im internet herum, tippen in ihrer entlarvenden Orthographie ihre Memoiren hinein und meinen, sie hätten 1000 Freunde, weil es dort so angezeigt wird.

    Vor 100 Jahren durften die Töchter der höheren Stände nicht auf die Straße, weil das zu gefährlich war. Auf die heutigen Verhältnisse übertragen heißt das, daß auf diesen http-Seiten niemand etwas zu suchen hat, der irgend etwas auf sich hält. Wer sich dort tummelt, der muß wissen, daß er in der elektronischen Gosse paddelt.

    Das schreibt jemand, der diese Warnungen schon vor 1/4 Jahrhundert an seine Kinder gegeben hatte zu einer Zeit, als ausschließlich Spezialisten internet hatten, als es aber diesen Schund schon in allerersten Ansätzen gab.

  • 23.10.2010, 12:05 UhrAnonymer Benutzer: Laszlo Bükki

    Sehr aufschlussreich und interressant.

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