Sparen beim Reisen: Grenzen der Zumutbarkeit für Business-Trips

Sparen beim Reisen: Grenzen der Zumutbarkeit für Business-Trips

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Dirg Gerdom, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagment

Dirk Gerdom, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement, über den Sparkurs deutscher Unternehmen und die Grenzen der Zumutbarkeit für Geschäftsreisende.

WirtschaftsWoche: Herr Gerdom, nach einer Umfrage Ihres Verbandes verzichten 30 Prozent der deutschen Unternehmen wegen der Finanzkrise auf alle nicht unbedingt notwendigen Reisen, 16 Prozent reisen weniger, 40 Prozent achten stärker auf die Kosten. Kann eine Exportnation sich das leisten?

Gerdom: Sicher haben einige Unternehmen angesichts der Krise überreagiert. Andererseits haben wir dramatische Monate hinter uns: Wenn 65 Prozent der Firmen ums Überleben kämpfen, gibt es kaum eine Alternative, zumal eine Senkung der Reisekosten sofort wirkt. Gestrichen wurde aber bisher vor allem bei firmeninternen Reisen und in Großunternehmen. Reisen zu externen Geschäftspartnern waren weniger betroffen, auch der stark exportabhängige Mittelstand hat flexibler reagiert. Grundsätzlich gilt aber: Globalisierung ohne Mobilität funktioniert nicht – wer nicht mehr reist und nur noch an die Kosten denkt, verspielt die eigene Zukunft.

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Jetzt übertreiben Sie: Statt zu reisen, gibt es in vielen Unternehmen mehr Telefon- und Videokonferenzen, und das scheint auch ganz gut zu klappen. Darauf hätten Sie und Ihre Kollegen als Travel Manager auch schon früher kommen können...

...dieser Vorwurf ist ungerecht. Telefon- und Videokonferenzen werden in den meisten Unternehmen schon seit Längerem mit Erfolg genutzt, vor allem für interne Routine-Meetings. Auch manche Fortbildungsveranstaltung lässt sich als Telekonferenz organisieren. Wir als Travel Manager haben diese Entwicklung forciert – aber nur, wo sie sinnvoll ist.

In Zukunft wird also weniger gereist – auch wenn die Krise überwunden ist?

Nicht alles lässt sich per Videokonferenz regeln: Persönliche Kontakte sind in den Beziehungen zu Kunden und Lieferanten ohne Alternative, aber auch firmenintern in einem gewissen Maß notwendig, weil dann die Abläufe besser funktionieren. Zudem ist die Videokonferenztechnik bisher häufig schlecht und bleibt ein Notbehelf. Für technisch gute Lösungen müssen die Unternehmen erst einmal viel Geld investieren – kurzfristig bringt das also nichts. Wo schon investiert wurde, wird in Zukunft weniger gereist.

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