Sparkassenchef: Es kann nur einen geben

Sparkassenchef: Es kann nur einen geben

, aktualisiert 01. November 2011, 21:04 Uhr
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Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (li.) und der CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer.

von Sven Afhüppe und Thomas BauerQuelle:Handelsblatt Online

Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon werden gute Chancen bei der Wahl zum obersten Sparkassen-Chef eingeräumt. Er soll bereits die Mehrheit der Sparkassen hinter sich gebracht haben.

München / FrankfurtDie Kandidatur von Georg Fahrenschon für das Amt des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) war zwar eine Überraschung. Eine überhastete Entscheidung war sie aber mit Sicherheit nicht. Ranghohe Vertreter der Sparkassen und Landesbanken haben den bayerischen Staatsminister der Finanzen schon lange umworben. Aber erst Mitte vergangener Woche waren sie so weit, ihm eine sichere Mehrheit bei der Wahl in Aussicht stellen zu können. Das war dann auch der Wendepunkt, an dem Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter aufgab, wie informierte Personen in Berlin und München berichten. Kampeter, der seine Ambitionen auf das Spitzenamt nie öffentlich bekundet hatte, kündigte per Interview in einer Regionalzeitung seinen Rückzug an.

Der scheidende bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon kann bei seiner Kandidatur für das höchste Amt der deutschen Sparkassen auf 17 von 24 Stimmen zählen. Vertreter der bayerischen Sparkassenorganisation sagten gegenüber dem Handelsblatt, man sei zu diesem Ergebnis bei einer informellen Umfrage innerhalb des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) gekommen.

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Die Suche nach einem Nachfolger für den amtierenden Präsidenten Heinrich Haasis hat sich in den vergangenen Wochen zu einem spannenden Wettkampf entwickelt. Denn wer immer von außen in den Ring steigt, muss sich gegen den mächtigen und gut vernetzten Präsidenten des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe und DSGV-Vize, Rolf Gerlach, durchsetzen. Der Westfale Gerlach gilt als knallharter Verhandler. Bei den wiederholten Sanierungsversuchen und der anstehenden Zerschlagung der WestLB habe er als Aufsichtsrat lediglich die Interessen seiner Sparkassen in Westfalen-Lippe gewahrt, werfen ihm seine Kritiker vor.

Gerlach polarisiert - man ist für ihn, oder man ist gegen ihn. Und die süddeutschen Sparkassenorganisationen sind gegen ihn. Damit kann sich Fahrenschon der Unterstützung durch den mächtigen bayerischen Sparkassenverband sicher sein sowie der Verbände aus Baden-Württemberg, dem Rheinland, dem Saarland und vielleicht aus Rheinland-Pfalz, sagt ein Insider. Fahrenschon braucht am 30. November 13 von 24 Stimmen in der Wahlversammlung des DSGV. In dieser Versammlung stimmen auch die Landesbanken mit. Auch dort habe man Gerlachs Mitverantwortung als Aufsichtsrat der WestLB nicht vergessen, heißt es.

Allerdings trägt auch Georg Fahrenschon Verantwortung für eine Problembank. Als bayerischer Finanzminister ist er Verwaltungsratsvorsitzender der BayernLB. Allerdings wurde die vom Freistaat mit zehn Milliarden Euro fast im Alleingang gerettet, so dass diesem die Bank nun zu 93 Prozent gehört. Und die BayernLB hat überlebt, und dies wird Fahrenschon angerechnet.


Fahrenschon will Kritikern wenig Angriffsfläche bieten

So gilt es als sicher, dass in der Wahlversammlung die BayernLB, die Landesbank Baden-Württemberg, die NordLB und die Landesbank Hessen-Thüringen für Fahrenschon stimmen werden. Spannend bleibt die Frage, wie viel Loyalität Gerlach von der WestLB erwarten kann. Bei der Zerschlagung der Bank haben sich die Sparkassen unter der Führung Gerlachs so viele Filetstücke gesichert, dass die Privatbank HSBC Trinkaus die Reste verschmähte: WestLB-Chef Dietrich Voigtländer befand sich in aussichtsreichen Gesprächen mit HSBC, die Teile des Firmenkundengeschäfts übernehmen wollten.

Doch wer hat Fahrenschon die Sicherheit vermittelt, dass er den Sieg gegen Gerlach davontragen würde? DSGV-Präsident Haasis verwahrt sich in einem Brief an die Verbandsvorsteher, Landesobleute und Vorstandsmitglieder dagegen, er sei es gewesen. Haasis räumt zwar ein, dass er mit Fahrenschon Gespräche geführt habe, so wie auch mit Gerlach, aber "in diesen Gesprächen habe ich mich strikt neutral verhalten. Ich stehe auch weiterhin auf dem Standpunkt, dass nicht der Amtsinhaber seinen Nachfolger aussucht."

Wie gut die Chancen für den CSU-Politiker Fahrenschon stehen, zeigt etwa die öffentliche Unterstützung durch den Münchener Bürgermeister Christian Ude (SPD). Ude ist Präsident des Deutschen Städtetags und hat damit eine von drei Stimmen der kommunalen Spitzenorganisationen, die mitwählen. Auch Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen (SPD) soll sich intensiv für den 43-Jährigen eingesetzt haben, wie es in München heißt. Der Staatssekretär und Bayerns Finanzminister kennen und schätzen sich seit Jahren - trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit. Dennoch hält sein Umfeld die Wahl nicht für einen Selbstläufer. Man fürchtet eine "Schmutzkampagne" - auch durch die eigene Partei. "Für die CSU ist Fahrenschons Rückzug als Finanzminister eine Katastrophe. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in den kommenden Wochen Parteikollegen gegen Fahrenschon auftreten", sagte ein Vertrauter des Finanzministers dem Handelsblatt.

Um möglichen Kritikern weniger Angriffsfläche zu bieten, hat Fahrenschon erste Konsequenzen gezogen: In einem Brief an BayernLB-Chef Gerd Häusler kündigte er an, sein Mandat als Verwaltungsratschef der Landesbank mit sofortiger Wirkung ruhen zu lassen. Der Minister wolle jegliche Interessenskonflikte vermeiden, sagte ein Sprecher des Finanzministzeriums dem Handelsblatt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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