Sparkassenpräsident Heinrich Haasis: "Definitiv keine Kreditklemme"

InterviewSparkassenpräsident Heinrich Haasis: "Definitiv keine Kreditklemme"

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Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV)

von Christian Ramthun und Cornelius Welp

Sparkassenpräsident Heinrich Haasis über die Gefahr einer Kreditklemme und erpresserische Großbanken.

WirtschaftsWoche: Herr Haasis, am Donnerstag findet in Berlin ein Spitzengespräch über eine mögliche Klemme bei Unternehmenskrediten statt. Wie real ist die Gefahr?

Haasis: Zumindest bei unseren Kunden gibt es definitiv keine Kreditklemme. Die Sparkassen haben 2009 trotz der Wirtschaftskrise rund fünf Prozent mehr Unternehmenskredite vergeben und ein Rekordniveau erreicht. Auch in Zukunft dürfte es keinen wirklichen Engpass geben.

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Viele Unternehmen klagen aber, dass sie nur noch schwer Kredite bekommen. Der Eindruck täuscht doch nicht.

Kreditinstitute müssen bei einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent natürlich intensiver nachfragen und mehr Sicherheiten verlangen. Schließlich dürfen sie keine unverantwortlichen Risiken eingehen. Es ist aber das ureigene Interesse der Sparkassen, ihre Kunden gut durch die Krise zu begleiten. Grundsätzlich sind wir deshalb auch 2010 bereit, mehr Kredite zu geben.

Die werden dann aber teurer.

Alle Zahlen zeigen, dass die Banken die niedrigen Leitzinsen an ihre Kunden weitergegeben haben. Ein höheres Risiko verlangt aber auch einen höheren Preis. Der künftige Zins hängt natürlich vom Leitzins und der Kundenbonität ab.

Die hat bei vielen Unternehmen gelitten. Gleichzeitig zieht die Nachfrage nach Krediten bei einem möglichen Aufschwung an. Werden die nicht automatisch knapp?

Keine Frage, vor uns liegt noch eine schwierige Phase. Einige Unternehmen haben in der Krise von ihrem Eigenkapital gelebt und Lager aufgelöst. Wenn die Konjunktur anzieht, müssen sie ihre Produkte über Kredite vorfinanzieren. Damit könnte der Kapitalbedarf überproportional steigen. Da müssen Banken sehr aufmerksam und flexibel sein, sonst geraten wir in einen Teufelskreis. Ich bin aber optimistisch, dass Unternehmen mit guten Perspektiven weiter ausreichend Kredite bekommen. Zumindest die Sparkassen haben noch Spielraum. Zudem gibt es Luft bei den staatlichen Hilfsprogrammen. Den Deutschlandfonds der KfW etwa haben Unternehmen bisher nur zu einem Bruchteil in Anspruch genommen. Und wenn das Eigenkapital knapp wird, müssen wir Wege finden, den Unternehmen zu helfen, damit deren Bonität nicht weiter sinkt.

Sie wollten ursprünglich über einen zentralen Fonds Kapital zur Verfügung stellen. Warum wird es den nicht geben?

Die Beteiligungsgesellschaften der Sparkassen und Landesbanken wollen 2010 550 Millionen Euro neue Eigenkapitalfinanzierungen vergeben. Das soll dezentral erfolgen, weil das Kundennähe gewährleistet. Den Wettbewerbsvorteil opfern wir nicht für einen zentralen Fonds.

Alle Konzepte zur Regulierung sehen vor, dass Banken künftig selbst deutlich mehr Kapital brauchen. Wie wirkt sich das auf die Kreditvergabe aus?

Das würde den Spielraum erheblich einengen. Grundsätzlich ist es richtig, dass Finanzgeschäfte mit mehr Kapital unterlegt sein sollten. Das sollte jedoch nur für riskante Geschäfte gelten, die teilweise mit minimalem Einsatz von Kapital stattfinden konnten. Es wäre absolut kontraproduktiv, wenn Banken auch für gewöhnliches Kundengeschäft wie die Kreditvergabe mehr Kapital bräuchten. Damit würden jene Kreditinstitute und Kunden getroffen, die die Finanzkrise wirklich nicht ausgelöst haben. Die Linie verfolgt offenbar auch die Politik. Zumindest steht es so im Koalitionsvertrag.

Wird sich Deutschland mit dieser Haltung international durchsetzen können?

Wir müssen aufpassen, dass neue Regeln auf breiter Basis umgesetzt werden. Die aktuellen Vorschriften zur Unterlegung von Geschäften mit Eigenkapital nach Basel II sind auf Druck der USA entstanden, die sie selbst nie angewendet haben. Was Quantität und Qualität des Eigenkapitals einer Bank angeht, liegt ein harter Kampf vor uns.

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