Spekulationsgeschäfte: Wie Porsche den Kapitalmarkt zum Kasino machte - Seite 5

Spekulationsgeschäfte: Wie Porsche den Kapitalmarkt zum Kasino machte

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Wiedeking und Finanzchef Härter lösen dann auch noch Optionsgeschäfte auf. Angenehmer Effekt: Sie kassieren nach Analystenschätzungen rund fünf Milliarden Euro. Durch den wilden Kurssprung der VW-Aktie verlieren aber nicht nur Hedgefonds Geld, die gegen die VW-Aktie gewettet haben, sondern auch viele Investmentfonds, die sich mit Termingeschäften gegen Kursverluste abgesichert haben. Porsche hat seitdem neue Feinde.

Hans-Christoph Hirt vom britischen Pensionsfonds Hermes, einem der mächtigsten Investoren der Welt, sieht „Anhaltspunkte für Kursmanipulation“. Wie Hirt fragen sich viele: Darf jemand so umtriebig handeln, wenn er einen solchen Informationsvorsprung vor allen anderen hat? „Wir haben bereits unmittelbar nach der Lehman-Pleite die BaFin über verdächtige Kursbewegungen informiert“, klagt der Chef einer großen Fondsgesellschaft. „Die Schreiben blieben unbeantwortet.“

Was für Porsches Sicht spricht: Ein Unternehmen ist nicht verpflichtet, durchgängig bei einer Entscheidung zu bleiben – wie der, den VW-Anteil nicht über 25 Prozent auszubauen. Allerdings: „Entscheidend ist, ob ein Unternehmen zu jedem Zeitpunkt ehrlich gewesen ist oder ob es den Markt getäuscht hat“, sagt Joachim von Falkenhausen, Partner bei der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins. Einen solchen Verstoß aufzudecken, wäre zwar schwierig, für einen Staatsanwalt aber durchaus möglich. Er kann Festplatten durchsuchen und jede E-Mail und Gesprächsnotiz auf Hinweise abklopfen, dass Porsche früh mehr VW-Aktien wollte, als der Konzern zugab.

Vor dem Finale: Quo vadis, Porsche?

Porsches Optionsmaschine rattert noch und erschüttert dabei die Börse. Denn der Streubesitz an VW-Stammaktien beträgt 29,2 Prozent, doch nach Abzug der durch Optionsgeschäfte gebundenen Aktien bleiben nur sieben Prozent, schätzt die DZ Bank Ende Mai – und selbst die liegen meist bei Fonds. „Der Streubesitz ist sehr klein. Daher verursachen Panikkäufe von Hedgefonds, die gegen VW gewettet haben, starke Kursausschläge“, sagt Robert Smith, Fondsmanager bei Baring Asset Management. So springt die Aktie nach Pfingsten binnen drei Tagen um 20 Prozent.

Schon jetzt drückt Porsche die Schuldenlast. Die Refinanzierung eines Kredits über zehn Milliarden Euro wurde Anfang März zur Hängepartie. Mehrere Banken hatten sich zurückgezogen, Ersatz fand sich erst in letzter Minute. Dass Porsche 1,75 Milliarden Euro von der KfW bekommt, ist angesichts der ordnungspolitischen Debatte über Milliarden für Großkonzerne eher unwahrscheinlich.

Für Porsche allein scheint es jetzt kaum möglich, auf 75 Prozent an VW zu kommen. Bei einer 130er-Basis der Calls würden 23 Prozent an VW knapp neun Milliarden Euro kosten.

Damit aber droht neue Gefahr. Wenn Porsche nicht auf 75 Prozent geht, müssen die Banken ihre Absicherung nicht mehr vollständig aufrechterhalten – sie könnten Aktien verkaufen – oder, bei einem Aktienkurs deutlich unter 200 Euro, von ihren Put-Rechten Gebrauch machen und Aktien bei Porsche abladen. Argwöhnisch beobachten Börsianer, dass die VW-Aktie, wie im Oktober, nicht durch die Marke von 200 Euro fällt – dem möglichen Basispreis der Puts.

Verhandlungen mit dem Emirat Katar

Wirklich Druck aus dem Kessel nehmen können derzeit nur die Eigentümerfamilien Piëch und Porsche, die alle stimmberechtigten Porsche-Aktien halten. Einer möglichen Kapitalerhöhung um fünf bis sechs Milliarden Euro sollen die beiden Familienstämme bereits zugestimmt haben. Außerdem will Porsche angeblich Call-Optionen an einen Investor verkaufen.

Darüber hinaus verhandelt Porsche mit dem Emirat Katar. „Unsere Regierung ist interessiert, einen Anteil an Porsche zu erwerben“, sagt Katars Finanzminister Joussef Kamal. Nach wie vor ist unklar, ob die Familien zustimmen. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch will angeblich nach wie vor Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern integrieren. „Glauben Sie, Piëch findet es super, dass ein Emir um die Ecke kommt und bei Porsche und VW mitredet?“, fragt einer, der ihn lange kennt.

Dass Wiedeking und Härter ihre Köpfe in letzter Minute aus der Schlinge ziehen können, ist daher keineswegs ausgemacht. Einen Wiedeking-Spruch von 2008 kann man dagegen jetzt schon so stehen lassen: „Über diese Geschichte wird man einmal schöne Bücher schreiben können.“ Wie er in denen wegkommen wird, ließ er offen.

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15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.06.2009, 14:02 UhrAnonymer Benutzer: Dennis J.

    Und wieder einmal ein beispiel dafuer, wie unsere Management Teams und fehlgeleitete Fuehrungskollegen einen Traditionsbetireb an den Rand des Abgrunds fuehren, nur, um ihren eigenen Groessenwahn zu verdauen...

    Und spielen mit der Zukunft aller Mitarbeiter.

  • 17.06.2009, 13:43 UhrAnonymer Benutzer: Dr. Martin Schwalb

    Auf: ------www.das-bewegt-die-welt.de--------- habe ich heute den besten Artikel zum Thema Wirtschaft, Finanzen usw... gefunden: Vorsprung durch Wissen! - Freude am Lesen! Jetzt geht es mal richtig zur Sache !! Must Read!!

  • 16.06.2009, 09:29 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    "VW ist eine funktionierende Firma die Porsche nicht braucht." Lieber Freund, ohne VW würde Porsche vieles selbst teuer entwickeln müssen. Dann schon lieber durch unsere Steuergelder subventionierten Lieferanten wie VW nehmen. Porsche kann ohne VW nicht profitabel arbeiten (da selbst einfach zu ineffizient).

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