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Sportwagenbauer: Neues Modell, neue Risiken: Porsche vor dem Crash-Test?

von Martin Seiwert und Thomas Katzensteiner (Frankfurt)

Der Absatz lahmt. Die Übernahme von VW wird zum kostspieligen Abenteuer. Und der neue Viertürer Panamera kommt zur Unzeit. Fliegt das Vorzeigeunternehmen Porsche mit Vollgas aus der Kurve?

Fertigung des Porsche 911: Der Quelle: dpa
Fertigung des Porsche 911: Der Absatzeinbruch im letzten Halbjahr betrug 27 Prozent Quelle: dpa
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Mittwochmorgen im Porsche-Zentrum einer westdeutschen Großstadt. In dem weitläufigen Showroom sitzen drei Autoverkäufer an ihren Schreibtischen. Über eine Stunde lang kreuzt kein Interessent auf. Die Verkäufer starren auf ihre Bildschirme, ziehen sich einen Cappuccino. Gegen zehn Uhr kommt der erste Kunde, der Geschäftsführer eines Beratungsunternehmens. Ein Boxster S soll es für ihn sein, mit reichlich Sonderausstattung. Schnell hat der Verkäufer die Wunschkonfiguration an seinem PC zusammengestellt. Endpreis: 77.200 Euro.

Der Verkäufer kommt auf die Absatzflaute zu sprechen. „Auch bei uns sieht es düster aus“, erzählt er dem Kunden freimütig. „Für Neuwagen geben wir jetzt Rabatte, auch bei den Gebrauchten sind die Preise extrem unter Druck.“ Als das Angebot für den weißen Roadster aus dem Drucker quillt, enthält es bereits 5200 Euro Nachlass. Verhandeln musste der Geschäftsführer nicht. „Sieben Prozent sind möglich, bei mehr bekomme ich kritische Nachfragen von meinem Chef“, sagt der Verkäufer. Und wie sieht es bei der Vorgängerversion des Boxster aus, die gerade ausläuft? Der Verkäufer beugt sich über seinen Schreibtisch und raunt: „18 Prozent. Das ist deutlich unter unserem Einkaufspreis.“

Der Mann ist keine einsame Ausnahme mehr: Die deutschen Porsche-Händler bieten bereits beim ersten Kundenkontakt durchschnittlich sechs Prozent Rabatt auf den Boxter S, ergab eine repräsentative Studie des Kölner Marktforschungsunternehmens Grass Roots im Auftrag der WirtschaftsWoche. Keiner der 50 getesteten Händler lehnte einen Nachlass ab. Bei Bestellfahrzeugen lagen die höchsten Rabatte bei zwölf Prozent, bei Leasingverträgen, Lagerfahrzeugen oder Auslaufmodellen wurden teilweise bis zu 18 Prozent eingeräumt.

Porsche befindet sich im radikalen Umbruch

Das ist für Porsche ein radikaler Umbruch. Jahrelang pflegten die Schwaben das Image der Erfolgsmarke, die Rabatte nicht nötig hat. „Auch bei rückläufigen Absatzzahlen werden wir nicht versuchen, über Rabatte Absatz zu generieren“, tönte Vorstandschef Wendelin Wiedeking noch vor vier Wochen in einem Interview.

Doch viele Händler können sich das nicht mehr leisten. Mit den Rabatten, die sie gewähren, verzichten sie nach Schätzung von Branchenexperten auf rund die Hälfte ihrer Gewinnspanne. Angesichts der mauen Nachfrage bleibt ihnen jedoch keine andere Wahl: Um 27 Prozent brach im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 der Porsche-Absatz ein. Weltweit verkaufte Porsche noch ganze 34.266 Fahrzeuge. Auch wenn der Absatz auf dem Heimatmarkt Deutschland von Januar bis März wieder etwas angezogen hat, verhagelt unter anderem der extrem wichtige US-Markt die Bilanz.

VW-Gesetz wird zum Stolperstein für Porsche

Die Flaute bei den Porsche-Händlern, die Volkswagen-Übernahme, die immer teurer und riskanter wird, dazu die ungewissen Erfolgschancen des neuen, viertürigen Sportwagenmodells Panamera – ist der erfolgsverwöhnte Autobauer mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs? Bringt Wiedeking das Unternehmen mit seinem rasanten Fahrstil ins Schleudern?

 Wagnis Panamera: Ausgerechnet in der Krise muss die Edelmarke aus Zuffenhausen ihr neues Modell, den Viertürer Panamera, auf den Markt bringen. Am 20. April wird der familientaugliche Sportwagen auf der Automesse in Shanghai der Öffentlichkeit vorgestellt. Von der vierten Baureihe hängt viel ab. Doch Branchenexperten sind skeptisch, ob Porsche mit dem kostspieligen Panamera die angepeilten Verkaufszahlen erreichen kann.Teure VW-Übernahme: Seit Ende 2005 arbeitet Porsche daran, Volkswagen unter seine Fittiche zu bringen – ein Unternehmen, das gut 60-mal mehr Autos verkauft als Porsche. Immer lauter äußern Analysten die Befürchtung, dass sich der kleine Angreifer an dem dicken Fisch verschlucken könnte. Denn die Schuldenlast der Übernahme nimmt bedrohliche Formen an. In Bankenkreisen werden gar erste Parallelen zu -Schaeffler gezogen. Der Autozulieferer ist durch die Übernahme von Continental in Schieflage geraten und bittet um Staatshilfe.Stolperstein VW-Gesetz: Es wird immer unwahrscheinlicher, dass Porsche auf absehbare Zeit die gesetzlich verankerten höheren Stimmrechte des VW-Großaktionärs Niedersachsen aushebeln kann. Eine weitere Aufstockung der VW-Anteile von derzeit gut 50 auf die angestrebten 75 Prozent erscheint daher nicht mehr sinnvoll. Nun steht der gesamte Fahrplan auf der Kippe.

Lesen Sie auf Seite 2: Warum Porsche zwölf Milliarden Euro benötigt

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.04.2009, 21:35 UhrAnonymer Benutzer: BernddasBrot

    Da wird man bei Porsche demnächst wohl auch arabisch sprechen. War Porsche nicht bis zu dem boxter Modell kurz vor der Pleite. Es ist doch echt unglaublich wie hier mit Milliarden an Luftgeld rumgespielt wird. Und jeder weiß heute schon wer der Verlierer sein wird: die Arbeitnehmer direkt und der Staat indirekt.

  • 21.04.2009, 20:41 UhrAnonymer Benutzer: Robert E. A.

    ist Porsche eine (bad-) bank oder ein Autobauer...?

  • 21.04.2009, 16:06 UhrAnonymer Benutzer: Heinz

    Nachdem Porsche mit dem letzten Kredit noch einen Gewinn erwirtschaftet hat, war es nur logisch das neue Kredite teuer werden. Von den banken hatte damals keiner damit gerechnet, dass Porsche den Kreditrahmen ausschöpft, weil der Rahmen nur für das Zwangsübernahmeangebot bestand. Die Konditionen waren aber so günstig um gewinnbringend Geld weiter zu verleihen und einen ordentlichen Reibach zu machen.

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