Sportwagenbauer: Porsche: Neue Hinweise auf mögliche Marktmanipulation

Sportwagenbauer: Porsche: Neue Hinweise auf mögliche Marktmanipulation

von Martin Seiwert

Unterlagen, die der WirtschaftsWoche vorliegen, nähren den Verdacht, dass sich Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der ehemalige Porsche-Finanzvorstand Holger Härter der Marktmanipulation schuldig gemacht haben könnten. Porsche räumt ein, die VW-Übernahme seit 2005 "fortlaufend überprüft" zu haben.

Seit August ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen die beiden Manager unter anderem wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Porsche weist die Vorwürfe zurück:

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„Die Gesellschaft und zwei renommierte Rechtsexperten haben die von der BaFin (Bundesfinanzaufsicht) bzw. der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe eingehend geprüft. Dabei haben sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass sich Herr Dr. Wiedeking oder Herr Härter der Marktmanipulation schuldig gemacht haben,“ heißt es von Porsche.

Marktmanipulation liegt laut Wertpapierhandelsgesetz (WPHG) unter anderem dann vor, wenn "unrichtige oder irreführende Angaben" gemacht werden, welche den Aktienkurs beeinflussen könnten.

Eine offizielle Äußerung von Porsche am 25. September 2005 könnte sich nun als eine solche „irreführende Angabe“ entpuppen.

An diesem Tag hatte Porsche den Einstieg bei VW bekanntgegeben. In einer Pressemitteilung versicherte das Unternehmen: Die Beteiligung werde „auf keinen Fall“ die Schwelle erreichen, bei der Porsche ein öffentliches Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müsse.

Diese Schwelle liegt bei 30 Prozent. Eineinhalb Jahre später entschied Porsche, doch die Schwelle von 30 Prozent zu überschreiten.

Wie aus einem Schreiben von Porsche hervorgeht, hat das Unternehmen damit jedoch keinen plötzlichen Sinneswandel vollzogen. Vielmehr spielte Porsche schon vor und während des Einstiegs im Jahr 2005 eine vollständige Übernahme von VW durch.

Deshalb könnte das Unternehmen mit der damaligen Erklärung, mit der Beteiligung an VW „in keinem Fall“ über 30 Prozent zu gehen, den Kapitalmarkt manipuliert haben.

Das Schreiben, in dem sich der Hinweis auf die frühzeitigen Überlegungen von Porsche findet, stammt vom 24. November 2009 und wurde von Porsche-Justiziar Konrad Wartenberg unterzeichnet.

In dem Papier, das der WirtschaftsWoche vorliegt, heißt es wörtlich: „Bereits vor dem Einstieg bei VW hatte die Porsche SE diverse Szenarien für den Beteiligungserwerb (…) geprüft. Zu diesen Szenarien gehörte u.a. der Erwerb einer Sperrminorität, (…) das Überschreiten der 50%-Schwelle, (…) der Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages zwischen Porsche SE und VW, bis hin zu einem Squeeze-out. Auch nach dem Einstieg bei VW im September 2005 wurden die verschiedenen Szenarien fortlaufend überprüft.“

Nach Einschätzung des Wirtschaftsrechtlers Thomas Möllers, Professor an der Universität Augsburg und Experte für Fragen der Marktmanipulation, legen die Widersprüche zwischen den Angaben des Porsche-Justiziars und der Äußerung aus dem Jahr 2005 "tatsächlich den Verdacht nahe, dass der Markt manipuliert wurde."

Für die ermittelnden Staatsanwälte, so Möllers, "müssten diese Angaben von hoher Bedeutung sein, da ein vorsätzlicher Verstoß gemäß § 20 a WPHG im Sinne einer unrichtigen und irreführenden Angabe plausibel erscheint."

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