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St. Pauli-Film "Gegengerade": Knallharte Hiebe statt Lederball-Liebe

von dpa Quelle: Handelsblatt Online

Mit der Fußball-Fiktion "Gegengerade" wollte Regisseur Tarek Ehlail den Fußball-Fans des Kult-Klubs FC St. Paul seine Liebe erklären. Statt der Hommage ist der Streifen zur Prügelorgie verkommen.

Mit Mario Adorf lässt ein Großer des deutschen Films seinen Glanz auf "Gegengerade" strahlen, ansonsten ist die beabsichtigte Hommage auf den FC St. Pauli mehr Hiebe denn Liebe. Quelle: handelsblatt.com
Mit Mario Adorf lässt ein Großer des deutschen Films seinen Glanz auf "Gegengerade" strahlen, ansonsten ist die beabsichtigte Hommage auf den FC St. Pauli mehr Hiebe denn Liebe. Quelle: handelsblatt.com

In der Fußball-Bundesliga kämpft der FC St. Pauli derzeit gegen den Abstieg - im Kino wird jetzt noch einmal der Aufstieg der Kiez-Kicker gefeiert. Der Film „Gegengerade - 20359 St. Pauli“, der am Donnerstag (31. März) auf die Leinwand kommen soll, entstand rund um den 100. Geburtstag des Hamburger Traditionsvereins im vergangenen Jahr. Im Jubiläumsjahr war den St. Paulianern auch der Wiedereinzug in die Erste Liga gelungen. Regisseur Tarek Ehlail („Chaostage“) wollte mit großem Staraufgebot dem Kiez-Club ein filmisches Denkmal setzen - eine Liebeserklärung aber stellt man sich anders vor. „Gegengerade“ ist vor allem ein Prügelfilm.

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Die Darstellerriege liest sich beeindruckend: Moritz Bleibtreu, Mario Adorf, Dominique Horwitz, Denis Moschitto, André Eisermann, Claude-Oliver Rudolph, Katy Karrenbauer und Natalia Avelon gehören dazu. Regisseur Ehlail hatte wohl den perfekten Zeitpunkt erwischt - obwohl das Buch als Schnellschuss geschrieben worden sei. „Letztes Jahr war ja das St. Pauli-Jahr schlechthin. Alle Zeichen standen auf Aufstieg, das Jubiläum stand bevor, es war ein umheimlicher Hype“, sagte Ehlail im Fußballmagazin „11 Freunde“. „Der Zeitpunkt war genau richtig, diesen Film zu drehen“. Nun kommt der Streifen, an dem unter anderem der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und Studio Hamburg als Koproduzenten beteiligt sind, in „ausgewählte“ Kinos.

Fans, die sich ein St. Pauli-Sommermärchen auf der Leinwand erhoffen, werden allerdings schwer enttäuscht sein. Ebenso jene, denen einen fiktiver Fußballfilm vorschwebt - wohl wissend, dass der Kiez-Club und seine Fans ohnehin anders als der Rest der Bundesliga sind. Was Ehlail zeigt, sind zwar 90 Minuten - das haben Spiel und Film gemeinsam -, doch dienen diese nur als dramaturgischer Rahmen.

Zu sehen sind keine Spielszenen, sondern die Fans am Millerntor - mal inszeniert, mal bei wirklichen Begegnungen gefilmt. In lose aneinandergereihten Szenen erzählt er in Rückblenden fiktive Fangeschichten am Tag des Aufstiegs. Brandanschläge, zerbrechende Beziehungen und herbe Verdächtigungen stören die Euphorie.

Versatzstücke - oberflächlich und klischeebeladen

Ehlail, der schon mit „Chaostage - We Are Punks!“ den Punk auf die Leinwand brachte, liefert in „Gegengerade“ knallharte Szenen: von blutigen Straßenschlachten bis zu brutalster Polizeigewalt, dazu der wuchtig-wilde Musikmix aus Punk und Electro - gefeiert wird der Protest. Es geht um Kommerz und Gentrifizierung: Bleibtreu spielt einen schmierigen Immobilienhai, der über die „arbeitsscheuen, faulen Mietnomaden“ auf St. Pauli wettert. Magnus (Tim Jacobs) stammt aus reichem Hause, zündet Autos an und gefährdet so seine Freundschaft zu Kowalski (Moschitto) und Arne (Fabian Busch). Auch Sex fehlt im Amüsierviertel nicht: Die nach einer Operation gestorbene Pornodarstellerin „Sexy Cora“ war mit von der Partie.

Zwischen Schlägereien und Saufereien, Gegenkultur und Gewaltorgien im Reich der Totenkopf-Fahne bleiben die einzelnen Episoden allerdings nicht mehr als Versatzstücke, oberflächlich und klischeebeladen. Lediglich die dokumentarischen Aufnahmen der wirklichen Fanmengen im Stadion lassen einen Hauch der St.-Pauli-Begeisterung spüren. Zu den echten Fans gehört auch Adorf: „St. Pauli ist wie die Alemannia ein echter Kultverein. Er ist gegen rechte Gewalt und ein interessanter Gegensatz zum HSV“, meinte das Ehrenmitglied von Alemannia Aachen. Und ganz kurz gibt es auch etwas zum Schmunzeln: bei den Auftritten von HSV-Idol Uwe Seeler („Wenn wir jetzt vom Kiez sprechen, ist natürlich St. Pauli die einzige Möglichkeit“) und Komiker Karl Dall („St. Pauli ist die einzige Möglichkeit, weil wir keine alte Naive dazu haben.“

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