Staatsanwaltschaft ermittelt: Zeitarbeits-Unternehmer im Visier der Justiz

Staatsanwaltschaft ermittelt: Zeitarbeits-Unternehmer im Visier der Justiz

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von Harald Schumacher

Roland Brohm stand bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und beim Arbeitgeberverband Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) in vordester Reihe. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Mannheim gegen den Unternehmer.

Brohm war bis Ende 2008 Geschäftsführer bei USG People Deutschland, einem Unternehmen, das heute in Europa viertgrößter und in Deutschland sechstgrößter Zeitarbeits-Anbieter ist. Wenige Monate nachdem er bei USG ausschied, machte sich der in der Branche bestens vernetzte Manager selbständig mit einem eigenen Zeitarbeitsunternehmen namens iperdi. Ob es dabei mit rechten Dingen zuging, ist nun Gegenstand der Ermittlungen, die offenbar schon seit Monaten laufen.

Bundesweite Hausdurchsuchungen in der vergangenen Woche

In der vergangenen Woche erreichten sie mit einer umfangreichen Durchsuchung der iperdi-Zentrale im baden-württembergischen Weinheim sowie iperdi-Geschäftsräumen in weiteren Bundesländern einen neuen Höhepunkt.

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Die Staatsanwaltschaft Mannheim bestätigte das heute gegenüber wiwo.de: Sie führe Ermittlungen "gegen zwölf Beschuldigte in Zusammenhang mit dem Aufbau der iperdi-Gruppe wegen des Verdachts des Verrats von Betriebs - und Geschäftsgeheimnissen zum Nachteil eines Konkurrenzunternehmens". Und weiter: "In der vergangenen Woche fanden bundesweit Durchsuchungen statt. Die Unterlagen werden derzeit ausgewertet." Die Ermittlungen seien  "auf Anzeige eines Konkurrenzunternehmens" aufgenommen worden und stünden noch am Anfang.

Das Konkurrenzunternehmen kann nur Brohms früherer Arbeitgeber sein: USG Deutschland mit Sitz in München. Brohm wird offenbar zur Last gelegt, im großen Umfang und auf unzulässige Weise Kunden und Mitarbeiter von USG abgeworben und zu iperdi gelotst zu haben. Brohm-Nachfolger Marcus Schulz bestätigte auf Nachfrage gegenüber wiwo.de, deshalb Anfang 2010 Anzeige erstattet zu haben wegen eines Verstoßes gegen das Verbot des unlauteren Wettbewerbs. Auch das Ausspähen von Daten, der Diebstahl von Daten und Betrug scheinen Gegenstand der daraufhin erfolgten strafrechtlichen Ermittlungen zu sein. Dabei geht es laut Schulz  um sensible Personaldaten des Zeitpersonals, um Kundendaten und um streng vertrauliche Einsatzdaten einschließlich des Verrechnungssatzes, die von USG stammten und die iperdi angeblich genutzt hat. Solche Daten, so Schulz, "bilden das informative Rückgrat eines Personaldienstleisters".

In den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerät mit der Affäre noch einmal eine der größten Unternehmensübernahmen der vergangenen Jahre in der deutschen Zeitarbeitsbranche. Denn die angeblichen Gesetzesverstöße Brohms folgten der Übernahme des Zeitarbeitsunternehmens Allgeier durch USG People Deutschland. Brohm selber hatte an Allgeier einen Minderheitsanteil gehalten. Spätere Manager von Allgeier-Tochrtergesellschaften, die inzwischen zu USG gehörten, wechselten zu iperdi und stehen nun zusammen mit Brohm im Visier der Staatsanwaltschaft.

Nach drei Monaten hatte iperdi schon 25 Niederlassungen

Auffällig ist das rapide Wachstum des gerade mal ein Jahr alten Newcomers. Im Juni 2009 wurde iperdi laut der unternehmenseigenen Homepage am Markt aktiv, im September 2009 vermeldete Brohm die Existenz der 25. Niederlassung - inzwischen sollen es über 40 sein - und im Juni 2010 das Erreichen der 2000-Mitarbeiter-Marke.

USG-Deutschland-Chef Schulz behauptet, Brohm und weitere heutige iperdi-Mitarbeiter, die damals noch bei USG-Tochtergesellschaften unter Vertrag waren, hätten "mit großer Energie und in erheblichem Umfang größere USG-Kunden und USG-Personal abgeworben". Überwiegend habe es sich dabei um gewerbliches Personal gehandelt, regionale Schwerpunkte der Aktionen seien die Großräume Hamburg und Mannheim sowie Ostdeutschland gewesen. Schulz bestätigt, dass es deshalb "bereits seit 2009 auch eine Vielzahl von zivilrechtlichen Verfahren gegen iperdi gibt".

USG wehrt sich gegen ein Phänomen, das auch aus anderen Wirtschaftszweigen bekannt ist - aber besonders problematisch in Branchen, in denen Kundenkontakte und Informationen das ganze Kapital eines Unternehmens darstellen und es deshalb gegenüber subversiven Aktionen ehemaliger Manager besonders verletzlich machen. 

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