Staatshilfe-Antrag: Trotz Finanzspritze bleibt es für Hapag-Lloyd eng

KommentarStaatshilfe-Antrag: Trotz Finanzspritze bleibt es für Hapag-Lloyd eng

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Ein Schiff der Reederei Hapag Lloyd liegt am Terminal Altenwerder im Hafen von Hamburg

Die Zukunft der Hamburger Reederei wäre mit der Staatsbürgschaft kurzfristig gesichert. Maximal 1,95 Miliarden Euro würden der angeschlagenen Reederei zufließen, davon kommen 750 Millionen Euro aus dem Hamburger Konsortium mit den Anteilseignern TUI, der Stadt Hamburg und Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne. Die Voraussetzung für die staatlichen Bürgschaften in Höhe von 1,25 Milliarden Euro sind damit gegeben.

Das gibt der Reederei Luft zum Atmen, denn das kommende Jahr ist damit gesichert. Doch die Risiken auf den Weltmeeren bleiben. Und die Branche hat eigene Gesetze, die gegen einen schnellen Aufschwung sprechen.

Allein der Blick auf das zweite Quartal verrät, in welcher dramatischen Lage sich Hapag-Lloyd befindet. Das Transportvolumen ging im zweiten Quartal vergleichsweise stärker zurück, obwohl die Monate April bis Juli traditionell besser sind als die ersten drei des Jahres. In den ersten beiden Jahresmonaten sorgen das chinesische Neujahrsfest und die Zurückhaltung der Konsumenten nach dem Weihnachtsgeschäft in Europa für eine gewisse Eintrübung. Spätestens ab April steigen die Transporte dann aber wieder an. Das war überraschednerweise nicht der Fall: Das Transportvolumen sank im zweiten Quartal um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im ersten Quartal lag das Minus bei 15 Prozent. Es ist keine Entspannung in der Schiffsbranche erkennbar.

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Ende niedriger Frachtraten ist nicht in Sicht

Zudem geht das Drama auf See definitiv weiter. In den kommenden drei Jahren werden hunderte bestellter Containerschiffe vom Stapel laufen. Das Angebot an Ladekapazität auf den Weltmeeren erhöht sich jedes Jahr um weitere zehn Prozent. Im Klartext heißt das: Der Welthandel müsste ebenfalls mindestens um zehn Prozent wachsen, damit der Druck auf die Frachtraten abnimmt. Aber das ist utopisch.

Hinzu kommt: Ganz offensichtlich scheinen sich die Reedereien nicht einig, möglicherweise in kollektiver Rücksichtsnahme aufeinander die Raten zu erhöhen. Es wird immer einen Reeder geben, der die Preise niedrig hält, um seine Schiffe besser auszulasten. Tui-Finanzvorstand Rainer Feuerhake sagte kürzlich in einer Telefonkonferenz, dass Hapag-Lloyd im April versuchte, die Raten für den Transport von Containern hochzusetzen. Doch das war ein glattes Eigentor. Wettbewerber zogen nicht mit, beließen ihre Raten auf altem Niveau. Die Folge: Hapag-Lloyd verlor weiter Volumen und damit Marktanteile. Damit ist klar: Ein schnelles Ende der niedrigen Frachtraten ist nicht in Sicht.

Kränkelnde Schifffahrtsbranche wir künstlich am Leben gehalten

Pleiten in der Branche wären die Rettung. Insolvente Konkurrenten, die auf einen Schlag ihre Flotten stilllegen müssten und so Ladekapazität aus dem Markt nähmen, würden den Druck auf die Frachtraten nehmen. Doch darauf kann Hapag-Lloyd nicht hoffen. Hinter fast allen großen Reedereien stehen mächtige Staatsfonds wie bei der Reederei NOL in Singapur, finanzkräftige Konglomerate wie bei Maersk aus Dänemark oder Regierungen, die aus nationalem Interesse ihre Reedereien unterstützen wollen, wie bei der chilenischen Linie CSAV. Die weltweiten Finanzhilfen für die leidenden Schifffahrtsunternehmen halten eine kränkelnde Branche künstlich am Leben und verhindern, dass die entscheidenden Rettungsanker wie steigende Frachtraten ausgeworfen werden.

Die Hamburger reagieren mit einem ehrgeizigen Sparprogramm, doch Einspareffekte lassen sich nur langsam realisieren. Ziel ist es, in diesem Jahr insgesamt 518 Millionen Euro einzusparen. Doch substanziell habe Hapag-Lloyd bislang nur 200 Millionen Euro eingespart. Viel ist das nicht. Mehr als 300 Millionen Einsparvolumen müssten noch in der zweiten Jahreshälfte gehoben werden. Das soll vor allem durch eine bessere Ladeplanung auf den Schiffen passieren.

Die Lage für Hapag-Lloyd bleibt also angespannt. Allein im zweiten Quartal machte die Reederei einen Verlust in Höhe von 280 Millionen Euro. Mit anderen Worten: Pro Monat verliert die Linie rund 100 Millionen Euro. Da könnte auch eine Finanzspritze in Höhe von 1,95 Milliarden Euro recht schnell aufgebraucht sein. Kurzfristig kann Hapag-Lloyd durchatmen, mittelfristig bleibt es eng.

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