Staatshilfe: Frankreichs Top-Konzerne gedopt

Staatshilfe: Frankreichs Top-Konzerne gedopt

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Louis Vuitton

von Lothar Schnitzler, Gerhard Bläske, Rüdiger Kiani-Kreß und Andreas Wildhagen

Frankreichs Konzerne gehören zur Weltspitze. Da stehen die Fanzosen den Deutschen in Nichts nach. Doch manch fanzösisches Unternehmen verdankt seine Top-Stellung dem Staat. Ohne seine Hilfe sähe einiges anders aus.

Eine riesige Montagehalle. Drinnen der Superjumbo A380. Drum herum Airbus-Mitarbeiter und Honoratioren. Und mittendrin: Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Der Präsident erhebt die Stimme, er spricht von einem erhabenen Augenblick, einem großen Moment für das Unternehmen, Europa und die Welt.

Und dann kommt die Botschaft, die wie ein schriller Weckruf durch die Halle tönt und doch viel weiter dringen soll – an die Adressen sämtlicher französischer Unternehmen: „Ich möchte“, erklärt Monsieur le Président, „dass Frankreich nicht denjenigen Beispielen folgt, die verlieren. Sondern endlich denen, die gewinnen!“

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Wem die Franzosen da genau folgen sollen, machte Sarkozy gleich auch klar: Deutschland. Ganz so, als würde nicht er, sondern ein anderer seit vier Jahren regieren, beklagte er zudem in seiner Rede vor den Airbus-Mitarbeitern Anfang des Jahres „die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Frankreichs“.

„Wir müssen unsere Position als fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt verteidigen“, fügte er mit Blick auf sinkende Anteile im Welthandel und den wachsenden Abstand zum wichtigsten Handelspartner Deutschland hinzu. Zu guter Letzt forderte er sogar, eine gemeinsame Steuerzone mit dem Nachbarland zu bilden. Voilà!

Deutschland wird damit wie in der Aufbauzeit und Ende der Achtzigerjahre wieder einmal zum Modell erkoren, dem es nachzueifern gilt. Und das muss Frankreich: 2010 lag die Wachstumsrate nur bei 1,5 Prozent, die Arbeitslosenquote stieg auf 9,5 Prozent, das Budgetdefizit betrug 7,4 Prozent, die Staatsverschuldung 81,5 Prozent und das Außenhandelsdefizit 51 Milliarden Euro.

Globale Champions

Dennoch gibt es in Frankreich auch viel Grund zu Stolz. Eine Vielzahl der französischen Unternehmen gehört nämlich zur Weltspitze. Die starke Autoindustrie beispielsweise. Renault-Nisssan, Peugeot-Citroën, dazu die Zulieferer Faurecia, Valeo und Michelin gehören zu den großen Namen in der Branche. Auch in der Flugzeug- und Rüstungsindustrie ist Frankreich mit EADS, Dassault, Safran, Thales führend. Stark ist Frankreich auch, wenn es um Versorgung und Infrastruktur geht: Konzerne wie GDF Suez, Total oder Veolia liegen international ganz vorne.

In der Bauindustrie tummeln sich Bouygues, Lafarge, Saint-Gobain oder Vinci im vorderen Feld. Ebenso top sind französische Unternehmen in der Chemie-, Pharma- (Sanofi-Aventis, Rhodia) und Lebensmittelbranche (Yoplait, Danone), im Einzelhandel (Carrefour, Casino) und in der Luxusgüter- und Kosmetikindustrie (LVMH, Hermès, L’Oréal).

Unter den 500 größten Konzernen der Welt sind französische Unternehmen etwa genauso häufig vertreten wie deutsche, obwohl Frankreichs Bruttosozialprodukt fast ein Viertel kleiner ist als das deutsche.

Einfluss in Afrika sichern

Die meisten dieser Unternehmen sind tatsächlich Global Player, die in den letzten Jahren große Fertigungsstätten in Europa, Asien und Amerika errichtet haben. Das Kapital der Unternehmen des Pariser Börsen-Leitindex CAC 40 wird zu fast  40 Prozent von ausländischen Kapitaleignern kontrolliert.

Das ist ein höherer Anteil als in Deutschland. Ein Grund dafür ist, dass die Banken des Landes den Unternehmen lange Zeit nicht genug Kapital zur Verfügung stellen konnten. Die Firmen waren deshalb mehr als etwa in Deutschland gezwungen, an die Börse zu gehen.

Das erklärt andererseits aber auch die Schwäche des Mittelstandes. Ihm steht dieser Weg nicht immer frei, und deswegen hat er auch häufig Mühe, Mittel für seine Expansion zu finden.

Bei genauem Hinsehen allerdings fällt auf, dass die Top-Unternehmen Frankreichs ihren Schwerpunkt in staatsnahen Bereichen haben. Oder sie agieren in Sektoren, die teilweise vor ausländischem Wettbewerb geschützt werden, wie Telekommunikation, Energie und Rüstung. Viele der Top-Unternehmen profitierten von staatlichen Programmen, zuletzt etwa vom Konjunkturprogramm oder den Mitteln aus einer Staatsanleihe zur Finanzierung von Zukunftsinvestitionen.

Seit der Ära von Staatspräsident Charles de Gaulle (1958 bis 1969) erhalten die Rüstungs- und Flugzeugindustrie (Raumfahrt, Concorde, Airbus) genauso umfangreiche Hilfen wie die Eisenbahnindustrie (TGV-Programm) und die Energiebranche (Bau von insgesamt 58 Atomkraftwerken) sowie die Mineralölindustrie. Die Gründung des später in Total aufgegangenen Mineralölkonzerns Elf Aquitaine diente nicht nur der Sicherung der Ölversorgung Frankreichs, sondern auch der Wahrung französischer Interessen in den ehemaligen Kolonien in Afrika.

Während Deutschlands Stärken im Bereich der mittleren Technologie liegen, liefert Frankreich in Bereichen wie Pharma, Atomkraft, Luft- und Raumfahrt absolute Spitzentechnologie. Gleichzeitig ist jedoch der Anteil an Niedrigtechnologie-Bereichen in Frankreich viel höher.

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