Staatshilfe: Opel-Übernahme birgt hohe Risiken für Steuerzahler

Staatshilfe: Opel-Übernahme birgt hohe Risiken für Steuerzahler

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Fragwürdige Annahmen: Unternehmensberatern zufolge enthält das Magna-Konzept für den deutschen Autobauer noch viele Fragezeichen

Die Bundesregierung und der Autozulieferer Magna geben sich einig. Doch der Einstieg von Magna und der russischen Sberbank bei Opel ist nicht in trockenen Tüchern. Eine Schnellanalyse deckt auf, welche Risiken auf die deutschen Steuerzahler zukommen.

Höflich sind sie in Rüsselsheim. Vier Tage nachdem der 1,5 Milliarden Euro-Staatskredit in Berlin durch war, bedankte sich Opel in großen Zeitungsanzeigen bei Bund und Ländern, der einstigen Konzernmutter General Motors (GM), bei Gewerkschaften und Arbeitnehmern. Nur einen hatten die Werber vergessen: den wahren Gönner – den Steuerzahler.

Zwar setzt der angeschlagene Autobauer darauf, dass sein Sanierungskonzept mit dem kanadisch-russischen Gespann Magna/Sberbank gelingt und dem Staat statt Verlusten sogar hohe Zinsgewinne und Bürgschaftsgebühren einbringt. Doch wenn es schiefgeht, bleiben die Milliardenlasten beim Bürger hängen. Die Risiken sind beachtlich.

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Bei den Arbeitsplätzen klingt es noch gut. Geschlossen werden nur die Werke im belgischen Antwerpen sowie im britischen Luton. In Bochum stehen 2200 Stellen auf dem Streichzettel. 40 Prozent der deutschen Gelder fließen als Ausgleich nach England und Spanien. Die Fabrik in Saragossa schrumpft, damit die Fertigung im thüringischen Eisenach hochgefahren werden kann, trugen Beamte vergangenen Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Bundestages vor. Die Auslastung der Werke stiege von 56 auf 96 Prozent – ein traumhafter Wert.

Schnellananalyse: Nur vage Aussichten auf Erfolg

Berufen musste sich die Koalition dabei allerdings auf eine Schnellanalyse der Unternehmensberatung McKinsey, die das Magna-Konzept im Auftrag des hessischen Finanzministeriums gesichtet hatte. Die Berater hatten nur 36 Stunden Zeit und warnen, ihre Darstellung habe „keinesfalls den Stellenwert eines Gutachtens“. Die Sanierung sei zwar „nachvollziehbar und plausibel“. Aber: „Der operative Geschäftsplan ist nach unserer Einschätzung ambitioniert und daher mit entsprechenden Risiken behaftet.“ Und das, obwohl Auftraggeber Hessen als Opel-Land dringend ein günstiges Ergebnis brauchte.

Viel vager sind die Aussichten der Steuerzahler bei den wirtschaftlichen Prognosen für das Opel-Abenteuer. Binnen fünf Jahren will Magna mit Opel den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 3,3 Milliarden Euro verbessern, um aus der Verlustzone zu kommen. Drei Ziele müsse „Opel neu“ dafür erreichen, heißt es bei McKinsey:

eine Umsatzsteigerung um 30 Prozent binnen fünf Jahren durch höhere Verkaufszahlen und höhere Preise.Die Modelle müssten für die Käufer wertvoller werden. Wettbewerber hätten das nur über „mindestens zwei Produktzyklen“ geschafft, nicht in fünf Jahren. Der Marktanteil müsse zulegen, indem „neue, moderne Kunden-Milieus (zum Beispiel junge Aufsteiger) erreicht werden“ – bisher gelten Opel als Proll-Kutschen oder Karossen für Lenker mit Hut.Die Kosten müssten binnen fünf Jahren um 1,4 Milliarden Euro sinken.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, weshalb die Magna-Opel-Partnerschaft noch äußerst fragil ist

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