Staatshilfe: Opel will 800-Millionen-Euro-Kredit

Staatshilfe: Opel will 800-Millionen-Euro-Kredit

von Martin Seiwert

Opel wird bei der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg voraussichtlich um Kredite in Höhe von 800 Millionen Euro anfragen. Das sagte der Vizechef der EIB, Matthias Kollatz-Ahnen, im Interview mit der WirtschaftsWoche.

„Wir führen mit Opel und dem Mutterkonzern General Motors Gespräche über mögliche Kredite, sind aber noch in einem frühen Stadium", so Kollatz-Ahnen. „Das Opel-Management hat angekündigt, dass man bald mit einem konkreten Projektantrag auf uns zukommen wird."

Er gehe davon aus, so der EIB-Vizechef, dass Opel in den Förderbereichen „Forschung und Entwicklung" sowie „Automobilproduktion in strukturschwachen Gegenden" um einen Kredit anfragen werde. Jeder Bereich könne mit einem Kredit von bis zu 400 Millionen Euro gefördert werden. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage des Unternehmens müsste jedoch die Bundesregierung für die EIB-Darlehen bürgen. Kollatz-Ahnen: „So wie Opel heute dasteht, wäre auf jeden Fall eine staatliche Bürgschaft für 80 Prozent der Kreditsumme erforderlich."

Anzeige

Kollatz-Ahnen bestätigte indirekt, dass die EIB auch bereits mit der Bundesregierung über die Opel-Kredite gesprochen habe. Darauf angesprochen sagte er: „Der Bund hält eine Beteiligung an der EIB. Da ist es nicht ungewöhnlich, wenn wir auch mit der Bundesregierung reden."

Der EIB-Vizepräsident bestätigte, dass auch Ford bei der EIB um staatliche Hilfen nachgefragt habe. Es gebe eine Anfrage für einen 200-Millionen-Euro-Kredit für den Kölner Ford-Standort, die von der EIB positiv beschieden worden sei, so Kollatz-Ahnen. „Es liegt jetzt am Land Nordrhein-Westfalen und der Bundesregierung, die nötigen Bürgschaften bereit zu stellen. Hier steht eine Entscheidung kurz bevor." Das Geld will der Autohersteller dazu nutzen, um in Köln eine Produktion von emissionsarmen Dreizylinder-Motoren aufzuziehen.

Ford profitiert seit zehn Jahren

Ford hatte sich zuletzt gegen Staatshilfen für Opel gewandt, gehört jedoch nach Recherchen der WirtschaftsWoche zu den Autobauern, die in den vergangenen zehn Jahren am stärksten von Krediten der EIB profitiert haben. Ford erhielt seit dem Jahr 2000 EIB-Kredite von knapp 1,3 Milliarden Euro. Die ehemaligen Ford-Töchter Volvo, Jaguar und Land Rover wurden mit Krediten von weiteren knapp 1,9 Milliarden Euro unterstützt. Opel hingegen erhielt in den vergangenen zehn Jahren keine Kredite der EIB.

Für Opel wären EIB-Kredite eine neue Lösung, nachdem Bundeswirtschaftsminister Brüderle Staatshilfen abgelehnt hatte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bekräftigt, dass der angeschlagene Autobauer Opel keine Bundeshilfen aus dem Deutschlandfonds erhalten wird. Das Unternehmen könne jedoch wie alle anderen Autokonzerne auf Forschungsmittel des Bundes zurückgreifen, sagte die Kanzlerin am Donnerstag nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder in Berlin. Dies gelte etwa für die Entwicklung neuer Antriebstechnologien. „Weitergehende Zusagen konnte der Bund heute nicht machen", sagte Merkel.

Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) könne neue Anträge auf Bürgschaften stellen, kündigten die Ministerpräsidenten von Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nach Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte in Berlin, die Länder seien sich einig, dass sie offen für neue Verhandlungen mit Opel und GM seien. Es gebe eine Anzahl von Möglichkeiten und neuen Instrumenten, um Opel zu helfen.

Brüderle sagte, den Ländern stehe es frei, Opel mit eigenen Mitteln zu helfen. Das Verfahren im Deutschlandfonds sei mit seinem Nein abgeschlossen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa schlugen Merkel und die Länder vor, Opel Mittel der Europäischen Investitionsbank (EIB) für die Entwicklung neuer Öko-Fahrzeuge zukommen zu lassen. Doch auch hier müsste der Bund bürgen, was Brüderle ablehnt.

Lücke von 400 Millionen Euro

Der Mainzer Regierungschef Kurt Beck (SPD) sagte, Rheinland-Pfalz sei bereit, seinen Anteil an Bürgschaften aufzustocken. Thüringens Regierungschefin Christine Lieberknecht kündigte an, die Länder würden bei der GM-Tochter Opel gegebenenfalls in Vorleistung gehen.

Die benötigte Summe ist inzwischen deutlich kleiner geworden. Opel-Chef Nick Reilly bezifferte die Lücke auf etwa 400 Millionen Euro. Insgesamt rechnet der Hersteller nach wie vor mit Sanierungskosten von 3,3 Milliarden Euro. Davon will die US-Mutter General Motors 1,9 Milliarden Euro selbst aufbringen. „Damit fehlen noch 1,4 Milliarden Euro", sagte Reilly. 300 Millionen Euro habe Großbritannien zugesagt, in einer vergleichbaren Größenordnung wolle sich Spanien engagieren. Auch aus Polen und Österreich erwartet Reilly Hilfen. Von den vier deutschen Bundesländern Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Rheinland- Pfalz erhofft sich Reilly ebenfalls weiterhin Bürgschaften: „Ich glaube nicht, dass es so viel sein wird wie vom Bund, aber ich denke, wir bekommen etwas." Nach Reillys Berechnung muss Opel zusätzlich 400 Millionen Euro auftreiben. Denkbar seien Kredite über die Europäischen Investitionsbank (EIB) für die Entwicklung neuer Öko-Fahrzeuge.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%