Stahlerzeuger: Chinas Stahlhunger beflügelt die Branche

Stahlerzeuger: Chinas Stahlhunger beflügelt die Branche

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Glühender Optimismus bei den Stahlerzeugern: Die Nachfrage aus China beflügelt die Branche

von Andreas Wildhagen

Optimismus auf der Weltstahlkonferenz: Die Hüttenbetriebe erwarten, dass ihnen 2011 alle Probleme löst - auch ThyssenKrupp.

Wenn China nicht wäre! Das Riesenland ist das Profit- und Sanierungs-Phantasia-Land der Stahlkocher. Sie haben zwei Jahre lang gedarbt, da Stahlkonjunktur und Preise in den Keller sackten. Die Bestellungen blieben über Nacht aus, Auto- und Maschinenbauindustrie lahmten. Die Folge war Hochofenstilllegungen und Kurzarbeit, so auch bei ThyssenKrupp. Schon glaubten viele Pessimisten, eine Talsohle über zehn Jahre oder mehr stünde bevor. So war es in den achtziger- und neunziger Jahren, als die Stahlüberproduktion weltweit zu Schließungen führte. Das scheint jetzt vorbei zu sein.

Auf der Weltstahlkonferenz in Tokio, die noch bis Mittwoch dauert, bordet der Optimismus der Hütteningenieure geradezu über. Der Grund für die Euphorie ist das Reich der Mitte. Sein Stahlhunger soll die gute Laune wieder herstellen, die zwischen den glühend heißen Stahlabstichen schon zu versiegen drohte. Der größte Stahlverbraucher der Welt wird internen Berechnungen des Weltstahlverbandes zufolge, so wurde am Montag deutlich, im kommenden Jahr gut 45 Prozent der Weltstahlproduktion verschlingen. Gute Aussichten für Arcelor Mittal und auch ThyssenKrupp, der größte deutsche Stahlproduzent, der gerade neue Werke in Brasilien und Alabama (USA) in Betrieb genommen hat - zumindest teilweise.

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Zwar wird sich das Wachstum im nächsten Jahr verlangsamen - auf 3,5 Prozent. Aber der Wachstumsschub von 2010 in Höhe von 6,7 Prozent war nur dem tiefen Tal der vergangenen zwei Jahre geschuldet, da macht schon eine kleine Verbesserung prozentual viel aus. Treiber der Stahlkonjunktur wird die Auto- und Elektroindustrie sein, sagte jedenfalls ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz.

Erzschürfer als Dominante

Ob die alten Traummargen der vergangenen Stahlblase wieder erreicht werden können, ist mehr als fraglich. Der Dienstag wird nämlich nicht so sehr der anziehenden Stahlkonjunktur in den Gesprächen in Japan gewidmet sein - dies war dem Montag vorbehalten - sondern den Kosten der Stahlerzeugung. Und schlägt der Anstieg der Rohstoff- und Energiekosten schwer zu Buche. Die großen Erzschürfer BHP Biliton, Vale und Rio Tinto haben Morgenluft gewittert und wollen ihre Preise verdoppeln, ja verdreifachen. Und über Erzgruben verfügt beispielsweise ThyssenKrupp überhaupt nicht, nur Lakshmi Mittal, der Herrscher über ArcelorMittal, hat sich schon in der Vergangenheit einige wichtige Erzvorkommen gesichert. Von den erhöhten Stromkosten sind alle betroffen, besonders ThyssenKrupp, das im Strom-Hochpreis-Deutschland seinen Stahl kocht und kräftig dazuzahlen muss. Die Gewinne werden also nicht so schön ausfallen wie die Stahl-Verkaufserwartungen. Das trübt das Bild.

Schon erheben die Erz-Konzerne ihr Haupt, sie wollen von den Stahlkochern mehr als höhere Preise. Sie sind auch am Einstieg in die Stahlproduktion interessiert, weil sie ihre Wertschöpfungskette erweitern wollen. So soll die brasilianische Vale interessiert sein, Aktien von Stahlunternehmena aufzukaufen, auch wenn sie dort nicht das Sagen haben können, weil es Sperrminoritäten gibt. Zum Besipiel bei ThyssenKrupp, wo die Macht der Krupp-Stiftung mit über 25 Prozent und eigens eingeräumten Entsenderechten fest zementiert ist. Aber Vale würde, so sagen es Branchenkenner, auch den Einstieg bei ThyssenKrupp nicht scheuen, wenn es den Brasilianern die Gelegenheit gibt, beispielsweise auf der Hauptversammlung die Muskeln zu zeigen und klar zu machen, dass ohne Erz noch niemals Stahl gekocht worden ist. Wenn also die Stahlproduzenten in Tokio zu viel Optimismus verbreiten, so ist es der Schwanz, der mit dem Hund wedelt. Die Rohstoffindustrie ist die Dominante im Konzert der Branche.

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