Stahlerzeugung: ThyssenKrupp ersetzt Werk in Düsseldorf mit Alabama

Stahlerzeugung: ThyssenKrupp ersetzt Werk in Düsseldorf mit Alabama

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dpa -

von Andreas Wildhagen

Das neue Werk von ThyssenKrupp in Alabama fährt den Betrieb an. Noch ist keine Volllast möglich. Der Standort in Düsseldorf-Benrath wird geschlossen.

Edelstahl der Marke Nirosta ist das Sorgenkind von ThyssenKrupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz. Bisher wurde das hochglänzende Material, das jeder von seiner Nirosta-Spüle her kennt, an gleich drei Standorten des Revierkonzerns produziert: Düsseldorf-Benrath, Krefeld und Bochum. Bei drei Standorten bleibt es weltweit: Düsseldorf-Benrath wird geschlossen, zu Krefeld und Bochum kommt nun Alabama hinzu. Doch die Kapazität ist zunächst eingeschränkt: Sie soll zunächst nur 100 000 Tonnen pro Jahr betragen, später werden 140. 000 Tonnen angepeilt. Technisch ist es nicht anders möglich, als das Stahlwerk langsam anlaufen zu lassen. Die Preise für Edelstahl sind lausig und das wichtige Vorprodukt für das Hochglanzmaterial ist Nickel, der Rohstoff wird immer teurer. In dieser Klemme befindet sich der Konzern, es gibt zur Zeit keine Perspektive, sich daraus zu befreien. Trotzdem will ThyssenKrupp sich nicht ganz aus dem Edelstahlgeschäft herausziehen, der Bau des Werkes für rostfreien Stahl in den USA soll dort den respektablen Marktanteil von zehn bis zwölf Prozent absichern und erhöhen. Doch was nützt das, wenn damit zwar Mengen, aber keine befriedigenden Gewinne gemacht werden?

Edelstahl gehört zu den Kopfschmerz-Verursachern von Schulz. Noch vor wenigen Monaten wollte er das Geschäft verkaufen. Das Wort "Verkauf" war dennoch tabu im Hause des Technologiekonzerns, der sich vor allem mit seinem Flachstahl die Automobilindustrie als Hauptkunden ausersehen hat. Als Kaschierung für die Verkaufsgespräche wurde das Wort "Kooperation" erdacht, man suchte also nach Kooperationspartnern für das Geschäft. In Finnland war ein Interessent kurz davor, bei Nirosta einzusteigen. Doch gab es Pläne, die Standorte Krefeld und Bochum zusammenzulegen, was nichts weiter als sinnvoll gewesen wäre. Die mächtige Arbeitnehmerbank sperrte sich gegen die Kooperationspläne, vulgo Verkauf.

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Nickelanteil im Edelstahl wird reduziert

Nun also die Flucht nach vorn mit dem neuen Werk, das ab heute produziert. Der Verkauf der Edelstahlsparte hätte sich nahtlos an die Reihe der Verkäufe von Stahlaktivitäten von ThyssenKrupp gereiht. So stellt der Konzern seit langem keinen "Langstahl" mehr her, also Röhren oder Schienen. Auf dieses Feld hat sich Erzkonkurrent Arcelor-Mittal auch kapriziert, neben dem Flachstahl, während ThyssenKrupp in diesem für andere lukrativen Segment nicht mehr mitmischt. Auch von der Drahtproduktion verabschiedete sich ThyssenKrupp. Gegen die Trennung vom Edelstahl stemmte sich die Arbeitnehmerbank.

Um das Edelstahlgeschäft in den USA doch noch befriedigend profitabel zu machen, will ThyssenKrupp zu einem Trick greifen. Brancheninsider berichten, dass der teure Nickelanteil im Edelstahl künftig reduziert werden soll.  Als gewinnfördernde Qualitätseinbuße will man das im Hause des Revierkonzerns aber nicht gewertet wissen. Immerhin, das Edelstahlwerk geht nun teilweise in Betrieb. Bei den genauen Ablaufplänen der Inbetriebnahmen der anderen US-Werke will sich das Unternehmen lieber nicht festlegen. "Der Bau der weiteren Anlagen befindet sich in der Planung oder bereits in der Umsetzung (…). Der Aufbau und das Hochfahren der übrigen Aggregate werden flexibel gehandhabt", heißt es nebulös. Dies gilt auch "für die Inbetriebnahme des Stahlwerks". Dennoch sind die Einladungen an die wichtigsten Gäste schon versendet worden - für den 10. Dezember - der Tag, an dem Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und sein Vorstand "dieses neue Stahlwerk in Alabama offiziell einweihen" will.

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