Stahlhändler Klöckner & Co.: "Die Stahlkapazitäten steigen viel zu stark an"

Stahlhändler Klöckner & Co.: "Die Stahlkapazitäten steigen viel zu stark an"

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Gisbert Rühl, der neue Chef von Klöckner & Co

von Rüdiger Kiani-Kreß und Andreas Wildhagen

Gisbert Rühl ist der neue Chef von Klöckner & Co. Im WirtschaftsWoche-Interview spricht er über die Konjunktur, den gefährlichen Kurs der Stahlkonzerne und Wachstumspläne des größten unabhängigen Stahlhändlers Europas.

Herr Rühl, Sie sind seit 1. November neuer Vorstandschef des Traditionsunternehmens Klöckner & Co, kurz: Klöco. Sie treten Ihr Amt mitten in einer tiefen Stahlkrise an. Ist Ihnen nicht mulmig zumute?

Rühl: Mulmig nicht, ich bin ja schon seit vier Jahren Finanzchef von Klöckner und kenne jeden Winkel dieses inzwischen 103 Jahre alten Unternehmens...

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...das sich in den Achtzigerjahren mit Stahlwerken und spekulativen Geschäften an den Rand der Pleite manövrierte. Ist dieser Teil der Vergangenheit passé?

Mit dem früheren Klöckner-Unternehmen, das ein Gemischtwarenladen war aus Herstellung und Handel und den etwas barocken Ruhrgebietsstrukturen, hat die heutige Klöckner & Co nicht viel gemeinsam. Heute stehen wir ganz klar für Stahlhandel.

Stahl gilt als Frühindikator. Was sagt Ihr Geschäft über das Ende der Krise?

Nach dem brutalen Einbruch der Produktionsmengen von Stahl im vergangenen Jahr von teilweise über 50 Prozent geht es seit März etwas, aber nur leicht, wieder heraus aus dem tiefen Tal. Wir als Händler sehen den echten Stahlverbrauch praktisch an jedem Arbeitstag. Die Mengen haben sich seitdem, wenn auch auf niedrigem Niveau, stabilisiert und sind im September erstmals arbeitstäglich wieder leicht angestiegen. Mehr als marginale positive Veränderungen sehe ich aber derzeit nicht. Deshalb ist es für eine zuverlässige Prognose auch noch zu früh: Die Konjunkturentwicklung ist noch sehr fragil.

Müssen Sie Ihren Kunden noch immer bei den Preisen entgegenkommen?

Nein, die Preise sind aus unserer Sicht gar nicht so schlecht. Sie sind in den vergangenen Wochen immerhin um durchschnittlich 20 bis 30 Prozent gestiegen. Damit bewegen sie sich zwar deutlich unterhalb der Höhe vom Sommer 2008, der Zeit der Hochkonjunktur, aber das war ohnehin nur ein kurzes Strohfeuer. Mit dem jetzigen Preisniveau auf dem Level von 2006 könnten wir leben, aber es fehlt im Vergleich zum Vorjahr eben noch deutlich an Menge.

Die Stahlindustrie fährt ihre Produktion doch schon wieder hoch. Spricht das nicht für den bevorstehenden Aufschwung?

Langsam, langsam, das wäre weit übertrieben. In der Kapazitätsausweitung, die wir branchenweit beobachten, steckt auch ein erhebliches Risiko. Die Preise könnten wieder unter Druck geraten. Und die Kapazitäten steigen zurzeit aus meiner Sicht viel zu stark an.

Warum?

Unsere Läger wie auch die der anderen Händler sind weitgehend abgebaut. Das heißt, wir müssen jetzt wieder zukaufen, was wir unsererseits absetzen wollen. Damit steigen die Bestellungen der Hersteller derzeit sprunghaft an. Das führt bei den Produzenten vielleicht zu verfrühtem Optimismus. Dabei wissen wir noch gar nicht, wie sich unser Endkunde weiter verhält. Das zeigt sich erst in einigen Wochen oder Monaten.

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