Stahlindustrie: Stahl geht wieder

Stahlindustrie: Stahl geht wieder

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Ein Mitarbeiter der Salzgitter AG begutachtet im Stahlwerk ein Coil. Mit der Stahlindustrie geht es wieder aufwärts

von Andreas Wildhagen

Das Schreckensjahr der Stahlbranche war 2009, in diesem Jahr zieht das Geschäft wieder an - ohne Arbeitsplätze zu schaffen

Eine gute und eine schlechte Nachricht: Die Stahlkonjunktur, ein Schlüsselindikator für die Wirtschaft, zieht in Deutschland wieder an.

Für 2010 wird ein Produktionsplus vum 35 Prozent erwartet, damit scheint die Talsohle durchschritten, hoffen die Stahlproduzenten im Brancheverband Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf. Das bedeutet, dass die Kapazitäten um 83 Prozent ausgelastet sind.

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Das war 2008 noch anders, als es sogar zu einer regelrechten Stahlknappzeit kam und viele Konzernchefs sogar damit drohten, die Stahllieferung bei solchen Kunden einzustellen, die ihre langfristig laufenden Verträge nicht vorzeitig für happige Preisaufschläge bereit waren zu kündigen, um der mächtigen Stahlindustrie einen Vorteil zu gewähren.

Viele große stahlverarbeitende Mittelständler fürchten sich vor so einem Lieferboykott und akzeptierten zähneknirschend die Drohgebärde. Bald darauf backten die Stahlkocher kleinere Brötchen, die Weltwirtschaftskrise ließ die globale Stahlnachfrage versiegen. Plötzlich wurde von den Händlern nicht mehr nachgeordert, und viele Hochöfen mussten ausgeblasen werden.

Mit Milliardenverlusten gingen die noch ein Jahr vorher so hochnäsig auftretenden Stahlschmelzer in die Knie.

Vor-Krisen-Niveau erst 2012 wieder erreicht

Nun geht es wieder bergauf. 3000 Arbeitsplätze wurden im Krisenjahr abgeschafft. Diese Jobs werden auch so schnell nicht ersetzt.

Konjunkturforscher erwarten für das nächste Jahr wieder einen leichten Rückgang der Stahlproduktion. Es wird noch mindestens bis 2012 dauern, bis Stahlhersteller wie etwa ThyssenKrupp und Salzgitter wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht haben.

Die Chuzpe der Stahlkocher gegenüber ihren Kunden ist sowieso vorüber, denn sie wird vom Muskelspiel anderer Vorlieferanten noch getoppt. Die Stahlkocher sind von den Eisenerzlieferanten abhängig, ohne die kein Stahl geschmolzen werden kann. Und die weltweite Erzförderindustrie besteht quasi nur aus drei großen Gigangten: BHP, Vale und Rio Tinto.

Sie haben auch die deutschen Stahlproduzenten fest im Griff. Sie tun es ihren kochenden Kunden gleich, indem sie Langfrist-Lieferverträge auflösen, die Stahlindustrie soll nun nicht mehr an langfristige Eisenerzpreise gebunden sein, sondern alle drei Monate mit der Neubewertung des Rohstoffs Eisenerz konfrontiert werden.

Die Konsequenz ist klar: Der Preis des Rohstoffs geht nach oben und verdirbt den Hütten die Gewinnmargen.

Eine weitere Zwickmühle für die Hochofenbetreiber ist die immer teurer werdende Energie.

Und als dritte Hürde für gute Gewinne stellen sich die auch bald im Preis anziehenden Emissionszertifikate dar.

Werden also bald noch mehr Jobs im Stahl gestrichen? Die Bundesregierung sieht die Gefahr, indem sie die Tabaksteuer anhebt. Die Raucher sollen es sein, die weitreichende Ausnahmeregelungen einer Energiesteuer für stromintensive Branchen, zu denen die Stahlkocher zählen, fiskalisch möglich machen sollen.

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