Standort Deutschland: Die Krise an der Küste wird zur Gefahr

Standort Deutschland: Die Krise an der Küste wird zur Gefahr

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Hamburger Hafen

von Reinhold Böhmer, Hermann J. Olbermann und Christian Schlesiger

Den Werften fehlen Aufträge, die Reeder kämpfen um die Finanzierung ihrer Schiffe, und die Seehäfen verlieren Marktanteile - ein Alarmsignal für die Exportnation Deutschland. Die Seeunternehmen brauchen neue Geschäftsmodelle.

Kein Mensch. Nirgends. Lastwagen transportieren im Schneckentempo Container von der Kaimauer zum Lagerplatz. Die Fahrzeuge bewegen sich automatisch, nur von einer Software gesteuert. Das menschenleere Areal im Hamburger Hafen ist die modernste Verladezone der Welt. 30 000 Stahlboxen können im Container Terminal Altenwerder gelagert, vier große Schiffe gleichzeitig gelöscht und beladen werden – wenn sie denn kommen.

Im Krisenjahr 2009 liefen weniger Schiffe Deutschlands größten Seehafen an. Der Umschlag brach um fast 28 Prozent auf sieben Millionen Standardcontainer (TEU) ein. 2010 legte Hamburg zwar wieder um 13 Prozent zu, aber die Konkurrenz schaffte mehr: Rotterdam, Europas größter Seehafen, wuchs um 14 Prozent, Antwerpen erreichte 16 Prozent und verdrängte Hamburg von Platz zwei unter Europas Seehäfen. Trotz eines starken Wachstums im ersten Quartal von 18 Prozent hat Hamburg das Vorkrisenniveau im Containerverkehr noch lange nicht erreicht.

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Moderne Modelle fürs Ausland

Auch in Bremerhaven, Deutschlands Nummer zwei, liegen Hafenflächen brach. Und die Werften klagen schon lange über Auftragsmangel. 2009 und 2010 wurde bei ihnen kein einziges Containerschiff bestellt. Selbst Deutschlands Reeder, die immerhin die drittgrößte Handelsflotte der Welt betreiben, können noch nicht an die goldenen Jahre vor der Krise anknüpfen. Deutschlands maritime Wirtschaft droht den Anschluss zu verlieren  — die Schlüsselbranche einer exportorientierten Nation, die 400 000 Arbeitsplätze sichert. Konzepte, die vor der Krise erfolgreich waren, greifen nicht mehr. Die Branche steht vor einem Umbruch – oder dem Verlust an Weltgeltung. Wie es weitergeht, will die maritime Elite am kommenden Freitag und Samstag mit Kanzlerin Angela Merkel in Wilhelmshaven klären.

Der Empfang dürfte nordisch-kühl werden. Denn die Branche zürnt der Regierung. Die Politik will die Zuschüsse auf 25 Millionen Euro halbieren, die die Reeder als Ausgleich für höhere Kosten bekommen, wenn ihre Schiffe unter deutscher Flagge fahren. Einige Unternehmen drohen nun mit Ausflaggung. Zudem fordern die Maritimen den Ausbau der Infrastruktur und schnellere Kreditvergabe. Doch die Branche muss sich selbst ändern: Wollen die Unternehmen angesichts der Billigkonkurrenz in Asien und neuer Handelsströme Marktanteile gewinnen, müssen sie ihre Geschäftsmodelle reformieren.

Häfen unter Zugzwang

Hinter den Kulissen tobt ein Streit um die strategische Ausrichtung. Jedem ist klar, dass die Exportnation Deutschland auf starke Häfen angewiesen ist. Doch über das Wie streiten sich die Experten. Das Bundeswirtschaftsministerium drängt auf stärkere Kooperation. Die Hafenbehörden von Hamburg und Bremen lassen bereits prüfen, wo sich eine Zusammenarbeit lohnt. Im Juni präsentieren sie ein Gutachten.

Den Ministerialen in Berlin geht das aber nicht weit genug. Sie dächten „langfristig an eine internationale Kooperation der Nordsee-Häfen“, sagt ein hochrangiger Experte. So sollen sich Hamburg und Bremen auch mit Rotterdam und Antwerpen verbünden. Grund für diesen Nordsee-Bund ist die wachsende Konkurrenz der südeuropäischen Häfen. Die Straßen- und Bahnverbindungen vom Mittelmeer in die Schweiz, nach Österreich und Osteuropa verbessern sich – Regionen, die traditionell von den Nordsee-Häfen beliefert werden.

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