Standort-Schließung: Nokia beerdigt deutsche Handy-Herstellung

Standort-Schließung: Nokia beerdigt deutsche Handy-Herstellung

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Nokia-Deutschland-Aufsichtsratschef Veli Sundbaeck

Nokia schließt sein Bochumer Werk aus Kostengründen. 2300 Mitarbeiter stehen vor der Entlassung. Mit der Ankündigung ist das Ende der Handy-Herstellung in Deutschland besiegelt.

Die Entscheidung wurde schon kurz vor Weihnachten getroffen: „Der gesamte Standort Bochum wird still gelegt“, erklärte Veli Sundbäck, Aufsichtsratschef von Nokia-Deutschland in Düsseldorf. Die Schließung soll bis Mitte des Jahres vollzogen werden.

„Der Standort ist im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig“, begründete Sundbäck die Entscheidung. Die Produktion soll in die anderen europäischen Werke in Finnland und Ungarn verlagert werden, vor allem aber in eine neue rumänische Fabrik, die in diesem Jahr die Produktion aufnimmt. Der finnische Konzern führte vor allem die hohen Produktionskosten in Deutschland an. Sundbäck gestand zwar ein, dass „die Arbeitskosten weniger als fünf Prozent der Produktionskosten ausmachen.“ Allerdings seien sie immer noch zehnmal so hoch, wie in Rumänien.

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In den letzten Jahren haben es immer wieder Verhandlungen mit den Arbeitnehmern gegeben, diese hätten aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. „Wir waren Vorreiter in Schichtmodellen und hätten das auch packen können“, sagte dagegen ein Betriebsrat. „Ich bezeichne so etwas als Habgier bei einer Firma, die Milliardengewinne macht.“

Im dritten Quartal 2007 hatte Nokia ein Rekordergebnis vermeldet. Der Umsatz kletterte auf 12,9 Milliarden Euro - ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Reingewinn betrug 1,56 Milliarden Euro, rund drei Viertel entfielen auf das Geschäft mit Handys. Allein zwischen Juli und September vergangenen Jahres produzierte das Unternehmen 112 Millionen Geräte - etwa so viele wie die Konkurrenten Motorola, Samsung und Sony Ericsson zusammen.

Nah an der Fertigung

„Der Markt verändert sich rasant und Nokia ist darauf angewiesen, seine Standorte laufend zu hinterfragen“, erklärte Sundbäck. Mehrere Zulieferer hätten wegen der hohen Kosten keine Möglichkeit gesehen, nach Bochum zu kommen. Nokia versuche jedoch, die Zulieferer möglichst nah an den Produktionsstandorten anzusiedeln. In Rumänien soll das in sogenannten Industrial Villages entstehen.

Das Land Nordrhein-Westfalen will unterdessen die Rückforderung von Fördermitteln prüfen. Zwischen 1995 und 1999 habe Nokia rund 60 Millionen Euro an Fördermitteln vom Land kassiert, sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben. Möglicherweise sei eine Rückforderung der Gelder aber nicht mehr möglich, da zumindest teilweise die Fristen dafür just abgelaufen seien. Vom Bund flossen nach Angaben der CDU-Politikerin von 1998 bis 2007 weitere 28 Millionen Euro an Forschungsgeldern in die Kassen des Konzerns.

Thoben sagte, für den Aufbau des neuen Standortes in Rumänien würden wohl öffentliche Mittel - in diesem Fall von der EU - an Nokia fließen. Sundbäck erklärte: „Wir haben keine direkten Subventionen bekommen.“ Er ergänzte allerdings, dass Nokia in Ungarn dieselben Subventionen nutzen könne, wie andere Unternehmen. Das Land fördert Hightech-Ansiedlungen mit bis zu 50 Prozent der Kosten.

Der Konzern rechnet indes nicht damit, Fördergelder des Landes Nordrhein-Westfalen zurückzahlen zu müssen. Das Geld sei bestimmungsgemäß verwendet worden, Fristen für Rückforderungen seien ausgelaufen, heißt es.

Für Freitag kündigte Thoben Gespräche zwischen dem Unternehmen, der Gewerkschaft sowie der Stadt Bochum und der Landespolitik an. Sollte Nokia bei seinen Plänen zur Produktionsverlagerung bleiben, müssten angemessene Sozialpläne für die Beschäftigten und die Gründung einer Transfergesellschaft beschlossen werden. Auch eine finanzielle Hilfe des Landes werde geprüft.

Auch Nokia sagte, dass über einen Sozialplan gesprochen werde. „Wir sind uns bewusst, wie schwerwiegend die Ankündigung für alle Betroffenen ist“, sagte Sundbäck. Von den betroffenen 2300 Mitarbeitern könnten 300 ihren Arbeitsplatz behalten, wenn die Bereiche Automobilzubehör sowie die Forschung und Entwicklung wie geplant verkauft würden, sagte Juha Äkräs, bei Nokia für das Personal weltweit zuständig. Mit dem Unternehmen Sasken Technologies werde über den Verkauf der Bochumer Forschungs- und Entwicklungsabteilung Adaptation Software verhandelt.

Nokia hatte bereits im Herbst 2001 Teile der Bochumer Produktion nach Ungarn und Fernost verlagert. Mehrere 100 befristete Stellen liefen aus, rund 150 Mitarbeitern wurde gekündigt.

Mit Nokia gibt der letzte Hersteller Deutschland als Standort für die Handy-Produktion auf. Vor gut einem Jahr hatten durch die Pleite von BenQ-Mobile rund 3000 Menschen ihren Job bei der ehemaligen Siemens-Handysparte verloren. Der US-Konzern Motorola hatte im vergangenen Jahr seine UMTS-Produktion aus Flensburg nach China verlegt und das Logistik-Zentrum geschlossen.

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