Steag-Verkauf: Strom wird zum Regionalgeschäft

KommentarSteag-Verkauf: Strom wird zum Regionalgeschäft

von Andreas Wildhagen

Mit dem Mehrheitsverkauf des Kohleverstromers Steag bricht in Nordrhein-Westfalen das Zeitalter der Stadtwerke an.

Der 13. Dezember war ein Tag der Kommunen - in Nordrhein-Westfalen. Sie bekommen auf einen Schlag die Mehrheit an der Steag, früher einmal stolzer Energiebesitz der Ruhrkohle AG (heute RAG). Neun Kohlekraftwerke betreibt die Steag in Deutschland - in Volllast. Woanders gibt es Bürgerbegehren gegen den Bau von Kohlemeilern, es wird kaum noch einer gebaut. So ist ein Anteil von 51 Prozent der Steag ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Der Zuschlag ging an ein Stadtwerkekonsortium aus sieben Stadtwerken unter Führung der Stadtwerke Duisburg. Damit bleiben die Steag-Vermögenswerte im Land. Die restlichen 49 Prozent will Alteigentümer Evonik in den nächsten Jahren an das Konsortium abgeben. Dann ist an der Ruhr ein mittelgroßer regionaler Energiekonzern entstanden.

Der Stiftungschef der RAG-Stiftung, Wilhelm Bonse-Geuking, war der Motor dieser Richtungsentscheidung. Er hatte Rückenwind aus der Politik, die nicht nur unterstützte, sondern auch drängte - die Steag im Bundesland NRW zu belassen. Zum Kuratorium gehört auch die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), sie pochte auf eine regionale Lösung, die nun herbeigeführt wurde.

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Steag muss sich von RWE-Abhängigkeit befreien

Spannend wird die Frage, wie sich die neue Stadtwerke-Macht in NRW mit dem Konzern-Platzhirschen RWE vertragen wird. Dieser ist nämlich Hauptabnehmer des Steag-Kohlestroms in langfristigen Verträgen. Die dafür ausgehandelten Strompreise sind viel zu niedrig, das Konsortium muss nachbessern, um den Steag-Kauf zur lohnenden Deal zu machen. Denn die Steag ist eigentlich nichts anderes als ein Lohnverstromer der RWE. Und aus dieser fatalen Abhängigkeit muss sich das Unternehmen, notfalls auf Kosten von RWE, in naher Zukunft befreien. Das wichtigste aber ist, dass die Steag nun endlich einen kompententen Haupteigentümer hat. Das Evonik-Management hat einiges vom Bergbau, aber vom globalen Energiegeschäft nie viel verstanden. Evonik-Chef Klaus Engel ist ein geachteter Chemieingenieur. Die Steag braucht nun eine ausgewiesene Energiekompetenz, um als mittleres Stromunternehmen den Großen die Muskeln zu zeigen.

Vielleicht wird dann ja auch einmal eine Strompreissenkung für die Verbraucher in NRW ins Auge gefasst. Die Stadtwerke kennen ihre Kunden besser als die Konzerne. Und an der Basis, in den Geschäfststellen der Stadtwerke, wo nicht nur Strom, sondern auch Fußballkarten und Billets für Weihnachtsoratorien verkauft werden, weiß jeder Mitarbeiter, wo der Schuh drückt: Die Strompreise werden langsam zur zweiten Miete. Der Kunden möchte zumindest einmal eine symbolische Senkung der Strompreise. Vielleicht als Wahlkampfgeschenk. Denn wenn die rotgrüne Minderheitsregierung nächsten Donnerstag ihren Haushalt nicht durchbekommt, dann gibt es wohl spätestens im März Neuwahlen in NRW.

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