Stehroller: Das Segway-Drama

Stehroller: Das Segway-Drama

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Segways auf Golfplatz

von Oliver Voß

Der Besitzer von Segway ist mit einem der Roller tödlich verunglückt. Der tragische Tod ist der nächste Rückschlag für das einstige Hype-Unternehmen, das die hohen Erwartungen nie erfüllen konnte.

Jimi Heselden, der Eigentümer des US-Rollerherstellers Segway, ist mit einem seiner Elektro-Gefährte über eine zehn Meter hohe Klippe in den Tod gestürzt. Für den 62-Jährigen sei jede Hilfe zu spät gekommen, sagte ein Polizeisprecher im britischen West Yorkshire.

Noch ist unklar, wie es zu dem Unfall kommen konnte. Der Waldweg entlang der Klippen am Fluss Wharfe ist eigentlich gut zu befahren, wenn auch ab und an ein paar Wurzeln hervorspringen. Ein Augenzeuge hatte nach Polizeiangaben den Unfall beobachtet. Die Polizei geht davon aus, dass niemand anders an dem Unglück beteiligt war. Sie fand den Roller im Fluss treiben. Anzeichen für ein Verbrechen gebe es ebenfalls nicht.

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Heselden hatte ein Vermögen mit Schutzvorrichtungen für britische Soldaten verdient, die herkömmliche Sandsäcke ersetzten. Sie fanden in fast jeder Krisenregion der Welt und auch im Kampf gegen Hochwasser Abnehmer und avancierten zum beliebten britischen Exportgut in Sachen Sicherheitstechnik. In seiner Heimat in der Nähe der Stadt Leeds war Heselden als großzügiger Mensch bekannt, der Millionen für die Bekämpfung von Armut gab.

700 Segway-Roller in Deutschland verkauft

Das Unglück ist nicht nur tragisch für Heselden und seine Familie, sondern auch für das Unternehmen. Erst vor wenigen Monaten hatte Heselden, der zu den 400 reichsten Briten zählt, Segway für etwa 1,75 Millionen Euro gekauft.

Eigentlich ein Schnäppchen, denn allein in die Entwicklung und Fertigung der ersten Stehroller sollen 100 Millionen Dollar geflossen sein. Nach der Präsentation Ende 2001 waren die Erwartungen riesig. Apple-Chef Steve Jobs sagte, das Gerät sei so revolutionär wie die Erfindung des PC. Das Gefährt, das beim nach vorne Beugen automatisch beschleunigt und Körperbewegungen automatisch ausgleicht, sollte den Straßenverkehr revolutionieren.

Doch die hohen Erwartungen erfüllten sich nicht. 40.000 Roller sollten pro Jahr verkauft werden – doch bislang sind es insgesamt nur etwa 140 000 Stück, wie es in Unternehmenskreisen heißt.

So blieb das Gerät ein Spielzeug für Nerds und Werber, mit dem beispielsweise Apple-Mitgründer Steve Wozniak sich gerne fortbewegt oder Xing-Gründer Lars Hinrichs, der als erster Segway-Besitzer in Deutschland gilt und einst selbst über eine Vertriebslizenz verhandelt hatte. Bei einfachen Privatkunden konnte sich das Gerät jedoch nicht durchsetzen – immerhin kostet ein Segway hierzulande etwas mehr als 8000 Euro.

In Deutschland verkaufte Segway im vergangenen Jahr 700 Roller, in diesem Jahr sollen es etwa 1000 sein, sagte Deutschland-Chef Reinhold Eder dem Handelsblatt. Damit konnte auch die Zulassung für den Verkehr den Verkauf nicht merklich ankurbeln.

Polizeibeamte in Saarbrücken Quelle: dpa/dpaweb

Polizeibeamte in Saarbrücken auf "Segways"

Bild: dpa/dpaweb

Lange Zeit waren Segways in Deutschland nur auf Privatgelände zugelassen. Erst seit dem Sommer 2009 ist die Segway-Nutzung mittels der "Verordnung über die Teilnahme elektronischer Mobilitätshilfen am Verkehr" auf Radwegen erlaubt.

Inzwischen werden die Roller vor allem für Stadtführungen eingesetzt, einige Firmen wie Volkswagen nutzen Segways auf dem Werksgelände und auch auf Messen und bei Werbeveranstaltungen sieht man die Zweiräder immer wieder.

In den USA ist der Segway stärker verbreitet und wird von Wachdiensten oder auf Golfplätzen gern genutzt.

Neueste Zielgruppe für Segway ist jetzt nach dem vier Jahre währenden Streit darüber, ob die Roller auf deutschen Straßen fahren dürfen, ausgerechnet die Polizei. Bundesweit testen Beamte derzeit 30 Geräte, unter anderem in der Ruhrgebietsstadt Witten und den Flughäfen Köln und Düsseldorf.

Das Unternehmen bietet den Roller in einer eigenen Polizeiversion – mit Blaulicht und "Komfort-Matten, die bei bei langem Stehen auftretende Müdigkeit verringern."

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