Steueraffäre: Zumwinkel schätzt Privatvermögen auf 13 Millionen Euro

Steueraffäre: Zumwinkel schätzt Privatvermögen auf 13 Millionen Euro

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Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel (l.) im Gerichtssaal des Landgerichts Bochum

Vor dem Bochumer Landgericht hat heute einer der spektakulärsten Steuerhinterziehungsprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik begonnen. Der frühere Postchef Klaus Zumwinkel ist angeklagt, in den Jahren 2002 bis 2006 über eine Liechtensteiner Stiftung fast eine Millionen Euro an Steuern am Fiskus vorbeigelenkt zu haben. Sein Vermögen schätzte Zumwinkel heute auf 13 Millionen Euro.

Der frühere Postchef Klaus Zumwinkel schätzt sein aktuelles Vermögen auf etwa 13 Millionen Euro. Er nannte diese Summe heute im Steuerstrafprozess vor dem Bochumer Landgericht bei der Erörterung seiner persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Ihm wird Steuerhinterziehung in Höhe von knapp einer Million Euro vorgeworfen. Dazu soll sich Zumwinkel am Nachmittag äußern.

Zumwinkel erklärte vor der 12. Wirtschaftsstrafkammer des Gerichts, er habe inzwischen sämtliche Mandate und Posten in der Wirtschaft niedergelegt. Dennoch rechne er für das laufende Jahr mit einem Netto-Einkommen von rund 600.000 Euro. Darüber hinaus verfüge er über Aktien und Beteiligungen im Wert von rund acht Millionen Euro. Seine Villa am Gardasee sei etwa fünf Millionen Euro wert.

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Zu Beginn des Prozesses hatte der Vorsitzende Richter Wolfgang Mittrup Berichte dementiert, nach denen es vor der Verhandlung eine Vereinbarung zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht gegeben habe. Der Richter sagte: „Eine irgendwie geartete Absprache zur konkreten Strafhöhe gab und gibt es bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht.“ Vor dem Prozess habe es aber selbstverständlich Gespräche über den Verfahrensablauf gegeben. Dies sei für die Planung der Kammer wichtig gewesen. Es sind nur zwei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil wird für Montag erwartet.

Ende einer Managerkarriere

Die Steueraffäre hatte im Februar vergangenen Jahres zum Rücktritt Zumwinkels als Post-Chef geführt. Der Multi-Millionär soll gegenüber dem Finanzamt Einkünfte aus dem in seiner Liechtensteiner Stiftung Devotion Family Foundation eingebrachten Vermögen verschwiegen haben. Das Stiftungsvermögen betrug den Ermittlungen zufolge Ende 2006 mehr als 11,8 Millionen Euro.

Auf die Spur Zumwinkels kamen die Ermittler, nachdem ein Informant dem Bundesnachrichtendienst gegen ein Millionenhonorar eine DVD mit Kontodaten aus Liechtenstein verkauft hatte.

Die spektakuläre Hausdurchsuchung bei dem Manager im Februar vergangenen Jahres war der Auftakt für eine großangelegte bundesweite Razzia gegen mutmaßliche Steuersünder. Der heute 65-jährige Manager blieb damals nur gegen eine hohe Kaution auf freiem Fuß. Für den Manager bedeutete die Steueraffäre das Ende seiner glänzenden Karriere.

Zumwinkel übernahm 1989 auf Bitten des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl die Führung der „gelben“ Post. Er brach veraltete Strukturen auf und machte aus dem Staatsunternehmen einen weltweit führenden Logistikkonzern mit rund 500.000 Mitarbeitern. Lange Zeit galt Zumwinkel deshalb als Vorzeigemanager und einer der mächtigsten Konzernlenker Deutschlands.

Bewährungsstrafe wahrscheinlich

Die Bilder, wie Zumwinkel vor laufenden Kameras von der Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen aus seinem Haus im Kölner Nobelviertel Marienburg geführt und zur Vernehmung nach Bochum gebracht wurde, zerstörten jedoch dieses Image. Der Manager räumte kurz darauf nicht nur den Chefsessel bei der Post, sondern legte auch seine Aufsichtsratsmandate bei der Deutschen Telekom, der Postbank und erst vor wenigen Wochen auch beim Touristik- und Handelskonzern Arcandor nieder.

Für das Verfahren sind nur zwei Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil dürfte damit spätestens am Montag verkündet werden. Nach der bisherigen Urteilspraxis des Bochumer Gerichts gilt es als wahrscheinlich, dass Zumwinkel mit einer Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren rechnen muss. Hinzu kommen dürfte allerdings eine Geldbuße in beträchtlicher Höhe.

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