Steve Ballmer im Interview: ‚‚Ich ärgere mich fürchterlich‘‘ - Seite 3

Steve Ballmer im Interview: ‚‚Ich ärgere mich fürchterlich‘‘

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Das will Apple auch gar nicht. Klar, wenn Apple die obersten zwei, drei Prozent der reichen, coolen Menschen als Kunden gewinnt, sind sie zufrieden. Apple geht beim iPhone genauso vor wie beim Mac. Ich sage nicht, dass das schlecht ist. Wir sprechen dann aber von einem Marktteilnehmer mit einem Anteil im einstelligen Bereich. Immerhin schafft es Apple kontinuierlich, erfolgreiche neue Produkte auf den Markt zu bringen. Sagen wir mal so – sie machen einen sehr guten Job beim Marketing. Nehmen Sie ihr Produkt iTV zur Verbindung von Apple-Computern und Fernsehern: Die Rezensionen waren durchweg negativ. Aber durch den iPod erwarten die Menschen derzeit, dass alle Produkte mit einem „i“ am Anfang faszinierend sind. Aber ich denke, ich kann recht neutral sagen, dass iTV nicht das liefert, was es eigentlich soll: eine qualitativ hochwertige Übertragung von Videos. Immer mehr Anwendungen werden als Dienste übers Web angeboten, bei dem der Nutzer keine Software mehr auf dem eigenen Rechner installieren muss. Sind die jüngsten Versionen von Windows und Office die letzten monolithischen Produkte von Microsoft? Erstens: Werden alle unsere Produkte eine Kombination von Software und Service sein? Ja. Wir haben heute schon die Internet-Dienste Windows Live und Office Live. Diese Online-Komponenten werden weiter wachsen. Zweitens: Werden Innovationen künftig mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf den Markt kommen – einige Veränderungen, die kontinuierlich und regelmäßig kommen, andere weniger regelmäßig, dafür größer? Wir werden beides haben. Ich glaube nicht, dass sich die Welt künftig ausschließlich in Richtung Innovationen in Form von kleinen Downloads bewegt; genauso wenig bleibt es bei den großen, monolithischen Softwarepaketen wie zurzeit. Die Entwicklung wird mir zu schwarz-weiß beschrieben: Hier die alte Welt mit mächtiger, lokal installierter Software, dort die neue mit kleinen Services, die übers Internet kommen. Die Wahrheit lautet meines Erachtens: Die alte und neue Welt werden miteinander verschmelzen. Bisher hat kostenlose Linux-Software das Geschäft von Microsoft rund um Windows bedroht. Nun kommen kostenfreie Web-Dienste hinzu, die auf Ihr Office-Geschäft abzielen. Wie reagieren Sie darauf? Diese Dienste sind doch ein wenig wie Linux. Wenn Sie eine kostenlose Textverarbeitung wollen, sollten Sie das frei erhältliche Paket Open Office einsetzen, statt einen Web-Dienst zu nutzen. Open Office ist zwar nicht so gut wie Microsoft Office, aber besser als das meiste, was Sie heute übers Internet beziehen können. Wir haben gelernt, wie man mit – und ich setze das bewusst in Anführungszeichen – vermeintlich „kostenlosen Diensten“ konkurriert, sei es bei Betriebssystemen oder bei Office-Paketen: durch bessere Gesamtkosten, höheren Mehrwert, besseren Funktionsumfang. Wir haben bisher keine Marktanteile verloren, die wir zurückgewinnen müssten. Im Geschäft mit Unternehmenssoftware beharken sich SAP und Oracle gerade. Beide wollen in Ihrem Kernmarkt, dem Mittelstand, wildern. Microsoft hält sich in diesem Konkurrenzkampf auffällig zurück. Wir sind doch im Mittelstand bereits die Nummer eins. Wir haben weltweit zwar nur einen Anteil von sieben bis acht Prozent, aber dadurch sind wir Marktführer, weil das Geschäft für mittelständische Unternehmenspakete so fragmentiert ist. Unsere Konkurrenz gibt mehr für Werbung aus, das stimmt. Vielleicht sollten wir unsere Anzeigenbudgets erhöhen. Es geht nicht nur um Werbung. SAP will demnächst eine komplett neue Software für kleinere Firmen auf den Markt bringen. Wie antworten Sie darauf? Wir haben doch allein im vergangenen Jahr drei neue Mittelstandsprodukte auf den Markt gebracht. Und die kaufen die Unternehmen bereits fleißig. Unsere Wachstumsraten sind die höchsten in der Industrie, sowohl was Umsatz betrifft wie auch bei der Gewinnung von Neukunden. Vielleicht handelt es sich hier auch um ein besonderes Problem für Microsoft: Wir sind in so vielen verschiedenen Märkten aktiv, und die meisten Leute achten nur auf unsere fünf größten Bereiche. Wenn SAP weiter in Ihr Terrain eindringt, schlägt das auf die Stimmung in Ihrer Partnerschaft mit SAP? Wir sind und bleiben – wie schon heute – gleichzeitig Konkurrenten und Partner. Für mich ist das kein Problem. Und wenn Sie SAP-Chef Henning Kagermann fragen, hat der vermutlich ebenso wenig ein Problem damit. Kein Grund, irgendetwas zu ändern... ...also auch kein neuer Versuch einer Übernahme von SAP durch Microsoft, so wie Sie es vor Jahren schon einmal gedanklich durchgespielt – und verworfen – haben? Es gibt keinerlei Diskussion in diese Richtung, das garantiere ich Ihnen. Im kommenden Jahr steht Microsoft das Ende einer Ära bevor, wenn Bill Gates das Unternehmen verlässt... Das stimmt so nicht ganz, vielmehr arbeitet er dann nur noch Teilzeit für uns. Natürlich haben Bill und ich über die Zukunft gesprochen: Es erscheint uns beiden sinnvoller, das Unternehmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu verlassen und so einen möglichst reibungslosen Abgang der Gründergeneration hinzubekommen. Das wird bei mir aber noch dauern: Ich kann mir gut vorstellen, den Job noch weitere zehn Jahre zu machen. Bill Gates hat zwar ein paar mehr Microsoft-Aktien im Depot als Sie, aber zu arbeiten bräuchten Sie auch nicht mehr. Warum genießen Sie nicht einfach das Leben? Ich genieße die Welt und das Leben jeden Tag. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was mir mehr Freude bereiten sollte als das, was ich zurzeit tue. Ich würde niemals den Spaß, den ich als Chef von Microsoft habe, opfern, um etwa mehr Golf zu spielen. Nach zwei Wochen wäre mir schrecklich langweilig.

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