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Steve Ballmer im Interview: ‚‚Ich ärgere mich fürchterlich‘‘

von michael.kroker@wiwo.de und thomas kuhn

Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer über die Jagd nach Google und Apple, die neue Konkurrenz aus dem Internet – und über realistischen Ehrgeiz.

WirtschaftsWoche: Mr. Ballmer, seit einiger Zeit geben Sie Microsoft das Image eines zahmen Riesen. So haben Sie einige langjährige Rechtsstreits mit Konkurrenten ganz geräuschlos beigelegt. Sind Sie inzwischen der nette Kerl von nebenan? Ballmer: Sagen wir mal so: Wir sind nicht weniger ambitioniert als früher und wollen auch weiter mit unseren Wettbewerbern konkurrieren – aber das in einem reiferen, abgeklärteren Sinn. Sonderlich abgeklärt klang das aber nicht, als Sie kürzlich dem Rivalen Google Monopolvorwürfe machten, der Ihnen den Internet-Werbeanbieter Doubleclick vor der Nase weggeschnappt hatte. Hat Sie der Rückschlag in der Aufholjagd im Geschäft mit Online-Werbung so frustriert? Die Zahlen sprechen für sich selbst. Wir haben eine gute Position im Online-Markt, etwa bei E-Mail oder Instant-Messaging, aber eine weniger gute Position bei Online-Suche. Und das beste Geschäft mit Internet-Anzeigen macht derzeit nun einmal das Segment Web-Suche. Aus einer schlechteren Position bei der Suche folgen also auch geringere Anzeigenumsätze. Inwiefern verändert sich Ihre Ausgangslage durch den Kauf des Online-Werbeanbieters Aquantive, den Sie vor zwei Wochen angekündigt haben? Aquantive hilft uns, unsere bestehende Anzeigenplattform sowie die Softwarewerkzeuge für das Kampagnen-Management zu erweitern. Ferner holen wir so mit einem Schlag eine größere Zahl wirklich exzellenter Leute an Bord, die uns helfen, die nächste Generation der Online-Werbeangebote zu entwickeln. Der Deal ist ein wichtiger Schachzug für Microsoft, aber vor allem unsere Anzeigenkunden werden davon profitieren. Und wann wollen Sie Google im Online-Werbegeschäft einholen? Ich mache keine Vorhersage, wann wir Google erreicht haben werden. Ich sage bloß: Die gesamte Online-Industrie befindet sich immer noch in einem Stadium, in dem es weiterhin viele Innovationen geben wird. Bei rund der Hälfte aller Anfragen im Internet finden die Nutzer noch immer nicht das, was sie eigentlich suchen – das bietet uns immer noch große Chancen. Warum haben Sie die dann nicht genutzt? Warum hat Microsoft nicht längst die beste Suchmaschine am Markt? Die werden wir auch noch bekommen. Wir bewegen uns doch gerade mal zweieinhalb Jahre im Geschäft mit Suchmaschinenwerbung... ...was nichts anderes heißt, als dass Sie die Bedeutung dieses Geschäfts zu lange unterschätzt haben. Wir sind nicht zu spät dran. Ich wünschte zwar, wir wären früher dabei gewesen. Aber dass Online-Werbung einmal so groß und bedeutsam werden würde, hat praktisch jeden überrascht, auch Google. Vor vier Jahren hätten Sie nirgends eine Prognose über den Markt gefunden, so wie er sich heute darstellt. Aber Google hat sein Geschäftsmodell schnell an den neuen Markt angepasst. Das stimmt schon, Not macht halt erfinderisch. Aber der Markt hat sich doch längst weiterentwickelt: Es geht nicht mehr nur um Internet-Suche. Es dreht sich um alle möglichen Formen von Web-Anzeigen. Ich wage die kühne Vorhersage: In zehn Jahren werden Ihre Leser die „WirtschaftsWoche“ ausschließlich online lesen. Sie wird in einem internetkompatiblen Format ausgeliefert werden, inklusive aller Anzeigen. Das Fernsehen wandert ebenfalls ins Internet, erste Ansätze sieht man beispielsweise bei der Deutschen Telekom. Das heißt also, die gesamte Anzeigenwelt wird sich in Richtung Internet bewegen, nicht nur das, was heute schon dort ist. Wenn es so schwer ist, den Rückstand auf Google aufzuholen... ...das haben Sie gesagt. Ich sage hingegen, dass das eine gewisse Zeit dauert. So oder so: Warum haben Sie sich Doubleclick von Google wegschnappen lassen? Die waren mit drei Milliarden Dollar nur halb so teuer wie Ihr jüngster Kauf Aquantive, hätten Sie aber näher an Google herangebracht. Wir haben für Doubleclick geboten...

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