Steve Jobs: Drohende Lähmung für Apple

Steve Jobs: Drohende Lähmung für Apple

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Apple-Chef Steve Jobs

von Thomas Kuhn

Apple-Chef und -Gründer Steve Jobs ist wieder erkrankt und muss eine Auszeit nehmen. Ohne den ebenso kreativen wie autokratisch regierenden Frontmann droht dem Technologiekonzern ein riskanter Stillstand. Apples Börsenwert stürzte zwischenzeitlich um ein Zehntel ab.

Es gibt nur wenige Unternehmen weltweit, bei denen die Entwicklung des Börsenkurses so direkt an Wohl oder Wehe des Vorstandschefs gekoppelt sind, wie bei Apple. Das hat sich im vergangenen Jahrzehnt unter der ebenso straffen wie visionären Führung seines Gründers Steve Jobs vom siechen Computerbauer zum hoch profitablen Multimedia- und Kommunikationskonzern gewandelt.

Entsprechend entsetzt haben die Börsen nun auf Jobs knappe Ankündigung reagiert, er sei erneut erkrankt und müsse eine weitere Auszeit nehmen. Binnen Minuten nachdem sich die Nachricht über die Agenturen und soziale Netzwerke wie Twitter um den Globus verbreitete, stürzte Apples Börsenkurs um zeitweise bis zu zehn Prozent in die Tiefe - ein (zumindest rechnerischer) Verlust von bis zu 25 Milliarden Euro.

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Was genau den 55-jährigen zur Auszeit zwingt, ist noch nicht bekannt. In einer E-Mail an seine Mitarbeiter schrieb er, er habe den Aufsichtsrat um eine Auszeit gebeten "um mich auf meine Gesundheit konzentrieren zu können". Er und seine Familie würden es sehr begrüßen, wenn ihre Privatsphäre dabei respektiert würde. Damit schießen die Gerüchte nun ins Kraut. Immerhin hatte Jobs bereits 2004 gesundheitsbedingt eine längere Auszeit nehmen müssen, zunächst ohne nähere Angaben zu machen. Später stellte sich heraus, dass er an einem extrem seltenen aber glücklicherweise heilbaren Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. 2009 unterzog sich Jobs einer Lebertransplantation. Und nun?

Beruhigungspille für die Börse

Klar ist nur, dass wiederum Timothy Cook, Apples Vorstand fürs operative Geschäft (COO), bis auf weiteres Jobs' Aufgaben übernehmen soll. Der war auch in der Vergangenheit stets für seinen Chef eingesprungen, war aber offenbar nie mehr als ein getreuer Sachwalter des Unternehmens. Und auch jetzt, lässt Jobs seine Mitarbeiter wissen, werde er die Fäden in der Hand behalten. "Ich bleibe CEO und in alle wichtigen strategischen Entscheidungen des Unternehmens eingebunden."

Das soll die Märkte beruhigen, denn tatsächlich ist es zuallererst Jobs' geradezu legendäres Gespür für Trends und Kundenbedürfnisse sowie der ans pedantische grenzende Perfektionismus, der Apple (wieder) zu der milliardenschweren Kultmarke gemacht hat, die es heute ist. Ihm gelang die Wiedergeburt des trudelnden Unternehmens mit der Einführung des iMac, die Revolutionierung der Mobilfunkbranche mithilfe des iPhone, die Schaffung eines prosperierenden digitalen Musikvertriebs über iPod und iTunes oder, vor gut einem Jahr, die Einführung des ersten erfolgreichen Tablet-Computers, des iPad. Aber, keine dieser Richtungsentscheidungen, keines der Produkte, keine der eingebauten Funktionen hätte den Weg auf den Markt gefunden, ohne Jobs´ Plazet.

Diese Abhängigkeit vom Frontmann ist aber auch eine massive Bürde - und droht den Konzern zu lähmen.

Denn Apple-Mitarbeiter berichteten schon nach früheren Auszeiten des Chefs und Gründers, dass während dessen Abwesenheiten wichtige Entscheidungen immer und immer wieder vertagt worden seien. Die Verantwortlichen hätten das Risiko gescheut, womöglich nicht in Jobs' Sinne zu entscheiden. Allzu groß sei die Furcht vor dem Zorn des großen Vordenkers im Falle missliebiger Beschlüsse gewesen. Das könnte nun wieder drohen.

Dabei wäre der Vordenker gerade jetzt dringend gefragt. Denn Apple muss die rasant wachsende Zahl von attraktiven Tablet-Computern anderer Hersteller auf Distanz halten, die entweder bereits auf dem Markt sind, oder vor wenigen Tagen auf der Branchenmesse Consumer Electronics Show in Las Vegas vorgestellt wurden. Gerüchteweise wird der Konzern daher schon in Kürze die nächste Generation des iPad vorstellen.

Jobs-Vertreter Cook ist kein strategischer Visionär

Dieses iPad 2 wird nun voraussichtlich Interims-Chef Cook der Welt präsentieren. Das mag er nicht so unterhaltsam oder nonchalant bewerkstelligen wie der charismatische Jobs. Doch das ist nicht das Problem. Die Frage ist, wie es mit den weiteren Produkten und Diensten weiter geht, an denen die Apple-Ingenieure und -Programmierer gegenwärtig arbeiten und die auf die finale Abnahme durch den Konzernvordenker warten?

Denn "His Steveness", so der halb ehrfürchtige, halb sarkastische Titel für den Frontmann des Unternehmens, repräsentiert nicht Apple nicht nur, er IST Apple. Ohne ihn ist Apple nur ein Schatten seiner wiedergewonnenen Größe.

Entsprechend groß ist die Lücke, die der - vorläufige - Abgang des Steuermannes von der Brücke reißt. Cook, ein ausgewiesener Experte für effiziente und perfektionierte Produktions- respektive Beschaffungsprozesse, ist der Mann, der Apple aufs Beste funktionieren lässt. Er setzt Jobs' Ideen und Produktentscheidungen um. Ein strategischer Visionär aber ist nicht.

Wie sehr Jobs' erneute Auszeit Apple tatsächlich trifft, hängt daher entscheidend davon ab, wie ernsthaft er tatsächlich erkrankt ist und wann er ins Unternehmen zurückkehrt.

In Online-Foren und sozialen Netzen häufen sich unmittelbar nach der Ankündigung von Jobs‘ Auszeit die Genesungswünsche der Apple-Gemeinde für ihren Guru. Und auch so mancher Börsianer dürfte ein paar Stoßgebete für "His Steveness" 'gen Himmel geschickt haben.

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