Stockholm: Literaturnobelpreis für Doris Lessing

Stockholm: Literaturnobelpreis für Doris Lessing

Feminismus-Ikone wider Willen

Das 1961 veröffentlichte "Notizbuch" wird als Hauptwerk Lessings und als moderner Klassiker betrachtet. Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei politisch engagierte, intellektuelle Frauen, die sich gegen die Dominanz der Männer durchsetzen wollen. Das Buch gilt wegen dieser emanzipatorischen Thematik als Meilenstein der feministischen Literatur. In der mehr als 100-jährigen Geschichte des Literaturnobelpreises ist Doris Lessing erst die elfte Frau, die diese Auszeichnung zuerkannt bekommen hat. Preisträgerinnen waren Pearl S. Buck (1938), Nadine Gordimer (1991), Toni Morrison (1993) und Elfriede Jelinek (2004).

Ihren Ruf als Feminismus-Ikone errang Lessing eher gegen ihren Willen, als "Das goldene Notizbuch" für sie unerwartet zum Erfolg wurde. Lessing, die sich Zeit ihres Lebens politisch und gesellschaftlich engagierte, wollte sich nie vom Feminismus vereinnahmen lassen, blieb immer Individualistin. Die beschwerliche Beziehung zwischen Mann und Frau ist allerdings ein Grundthema ihrer Bücher. In ihrem gerade erschienenen neuen Roman "Die Kluft" beschreibt sie eine fiktive, aber sehr friedliche Welt voller Frauen - in die erst mit den Männern auch Probleme einziehen.

Doris Lessing wurde 1919 als Doris May Taylor in iranischen Kermanshah geboren. Ihr Vater, ein kriegsversehrter britischer Offizier, zog später mit der Familie ins damals britische Südrhodesien, das heutige Simbabwe. Die Erfahrungen in Afrika prägten ihr Werk entscheidend. Nach ihrer massiven Kritik an der Rassentrennung durfte sie jahrzehntelang nicht nach Simbabwe und Südafrika reisen.

Bewegte Biografie

Erste literarische Erfolge erzielte Lessing 1949, als sie nach England übersiedelte und ihren Debüt-Roman "Afrikanische Tragödie" über eine verbotene schwarz-weiße Liebe veröffentlichte. In Afrika ließ sie zwei Kinder zurück, die sie mit einem Kolonialoffizier bekommen hatte.

Später heiratete Lessing den deutschen Exil-Kommunisten Gottfried Lessing, von dem sie einen Sohn hat und dessen Schwester Irene die Mutter des Politikers Gregor Gysi (Die Linke) ist. Lessing selbst war bis zum sowjetischen Einmarsch in Ungarn Mitglied der britischen Kommunisten. Heute hat sie nach eigener Aussage für politische Bewegungen nichts mehr übrig.

Einen dritten Band ihrer bewegten Autobiografie will sie nach den bereits veröffentlichten Büchern "Unter der Haut" (1994) und "Schritte im Schatten" (1997) nicht schreiben. Begründung: Sie wolle vielen Leuten, die mittlerweile etwas geworden sind, nicht auf den Schlips treten.

Lessing galt seit mehr als 30 Jahren als Kandidatin für den Literaturnobelpreis. Sie selbst mutmaßte einmal: "Ich bekomme ihn nie." Kurz vor ihrem 88. Geburtstag am 22. Oktober darf sich die britische Autorin jetzt mit der höchsten Auszeichnung der Literaturwelt schmücken.

Reich-Ranicki: "Bedauerliche Entscheidung"

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nannte die Entscheidung der Nobelpreis-Jury für Doris Lessing enttäuschend. "Ich finde sie bedauerlich", sagte der 87-Jährige. Er sei der Ansicht, dass die angelsächsische Welt, "viele, jedenfalls mehrere bedeutendere, wichtigere Schriftsteller hat". Er habe erneut erwartet, dass Philip Roth oder John Updike ausgezeichnet werden. "Weder der eine, noch der andere hat den Preis bekommen, na ja."

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Reich-Ranicki sagte, er habe von Lessing "vielleicht drei" Bücher gelesen. Das sei aber schon lange her. "Nichts hat mich wirklich beeindruckt." Er sei aber nicht überrascht über die Entscheidung der Jury. "Wir hatten ja mehrere Autoren, die im Laufe der letzten Jahre den Preis bekommen haben, wo es eigentlich ganz und gar unbegreiflich war." Als Beispiele nannte er "Dario Fo mit Sicherheit und auch eine deutschsprachige Autorin", ohne die Österreicherin Elfriede Jelinek namentlich zu nennen.

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