Strategie: Zulieferer binden sich stärker an Autobauer

Strategie: Zulieferer binden sich stärker an Autobauer

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Edscha-Produktion: Ein endgültiger Stillstand der Bänder wäre für BMW eine Katastrophe

Das Verhältnis zwischen Autobauern und Zulieferern ändert sich. Die Beziehungen werden enger, die Abhängigkeit wächst.

Während bei den Banken Politiker diskutieren, welche Institute systemrelevant sind und bei einer Pleite die Finanzbranche und weite Teile der Wirtschaft in den Abgrund reißen könnten, sprechen in der Autoindustrie noch vergleichsweise wenige über das Thema. Undramatisch ist es deswegen nicht. Der Verdeckhersteller Edscha, der Bremsenspezialist TMD Friction, der Hersteller von Kunststoffteilen GeigerTechnologies – auch deren Pleiten drohen im Extremfall, Autofabriken lahmzulegen und damit auf andere Zulieferer auszustrahlen. Das gilt noch mehr für Schwergewichte wie Continental und Schaeffler, die sich bei Übernahmen verhoben haben und nun um staatliche Überlebenshilfe bitten.

Auch wenn die Montage von Autos isolierter vonstattengeht als die eng verwobene Geld- und Kreditschöpfung der Banken – ohne Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Autobauern und Zulieferern wird die Krise nicht bleiben. Fest steht schon jetzt: Die Autokonzerne und ihre Zulieferer müssen enger zusammenrücken. Edscha etwa liefert das Verdecksystem für die neue Generation des BMW-Sportwagens Z4. Ein endgültiger Stillstand der Bänder wäre für BMW eine Katastrophe.

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BMW und auch Audi haben deshalb bereits erklärt, dem Zulieferer helfen zu wollen. Wie, ließen sie allerdings noch offen. Für Frank Grell von der Großkanzlei Latham & Watkins in Frankfurt sind solche Fälle Alltag. Er kennt die Instrumente, die klammen Zulieferern aus der Patsche helfen. „Oft gelingt es, mit den Konzernen verkürzte Zahlungsziele zu vereinbaren bis hin zur Zahlung bei Lieferung“, sagt Grell. „Es hilft aber auch schon, wenn die Konzerne ihre Außenstände begleichen.“

Klar ist, dass die Krise in die Struktur der Branche eingreift: „Es wird eine starke Konsolidierung geben“, sagt ein Vorstand eines deutschen Autoherstellers. Einige Lieferanten würden ganz verschwinden, andere von Konkurrenten übernommen oder sich zusammenschließen. Auch neue Spieler könnten auftauchen. Das könnten nicht nur Finanzinvestoren sein, die in der Vergangenheit bei Zulieferern zugriffen, sondern auch Unternehmen aus Ländern wie Indien und China. Sie sind vor allem am Know how interessiert. Autokonzerne betrachten die Entwicklung mit Sorge. Sie fürchten, dass bei wichtigen Technologien Oligopole entstehen, die die Preise diktieren. Bei Sitzen etwa bestimmen aktuell nur noch vier Hersteller den Markt, die US-Konzerne Johnson Controls und Lear, der französische Hersteller Faurecia und die kanadische Magna-Tochter Intier.

Ein radikaler Ausleseprozess droht auch in der Auftragsfertigung: Das sind Zulieferer, die auf Wunsch ganze Autos entwickeln und produzieren. Vor wenigen Tagen lief bei Karmann im westfälischen Rheine, wo einst der Audi A4 Cabriolet oder der Mercedes SLK montiert wurden, nach 43 Jahren das letzte Auto vom Band. Beim schwedischen Konkurrenten Valmet könnte es Anfang der kommenden Dekade trotz eines Elektroauto-Projekts ebenfalls eng werden, wenn Porsche seine Baureihen Boxster und Cayman nach Deutschland zurückholt. Der Konkurrent Heuliez aus Frankreich wurde gerade vom indischen Autobauer Argentum übernommen und Pininfarina aus Italien konnte zum Jahresende gerade noch ein Umschuldungsabkommen unterzeichnen und damit eine drohende Pleite abwenden.

Am besten steht, trotz Kurzarbeit, wohl noch Magna Steyr in Österreich da, wo derzeit auch der BMW X3 entsteht und wo künftig ein weiterer Ableger des Mini vom Band laufen soll. Ändern wird sich wohl auch der Umgangston. „Wir brauchen neue, Formen der langfristigen Zusammenarbeit“, sagt Michael Schneider, Finanzvorstand des hessischen Zulieferers Veritas. „Es wird nicht mehr gehen, dass die Hersteller den Druck, den sie vom Markt bekommen, einfach durchreichen. Wir müssen enger zusammenarbeiten und gemeinsame Strategien entwickeln. Erst recht in der Krise.“

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