Strategien: Airlines in der Krise

Strategien: Airlines in der Krise

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Weniger Flüge: Viele Airlines dünnen den Flugplan aus

Schrumpfen, fusionieren, sparen: wie sich Fluglinien in der aktuellen Krise neu aufstellen müssen.

Auch wenn die Besonderheiten der Branche bei vielen Fluglinien den überfälligen radikalen Umbau verhindert, hat die Branche genug Möglichkeiten zur Rettung, sagt Markus Franke, Branchenspezialist der Strategieberatung Oliver Wyman. „Es geht darum, sie entschlossen genug umzusetzen.“

Der schnellste Weg ist, die Kapazität herunterzufahren. Das gelingt den großen Gesellschaften am besten. Darum haben etwa die US-Linien in den vergangenen drei Monaten ihren Flugplan um mehr als zehn Prozent geschrumpft. „Dabei haben einige so schnell reagiert, dass sie den Rückgang der Nachfrage überholt haben“, sagt Franke. Das fiel den Linien leichter als in der Krise nach dem 11. September 2001, weil ihre Kosten flexibler sind als damals – und weil sie dazu gelernt haben. Schnitte sollten aber erst der Anfang sein, sagt Franke. „Da das Geschäft künftig eher mehr als weniger schwanken wird, müssen die Kosten stärker mit dem Umsatz atmen.“

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Zweites Mittel zu mehr Flexibilität sind Fusionen, vorausgesetzt sie kosten wenig und führen dazu, dass die Flieger besser ausgelastet werden können oder ein größeres Netz bedient werden kann. Das ist jedoch in der Flugbranche schwerer als anderswo. Zum einen verliert eine Linie unter Umständen ihre Streckenrechte, wenn ein Ausländer sie schluckt. Zum anderen sind die Strukturen ähnlich schwer zu vereinen wie im Bankensektor. „Bei beiden geht es im Kern darum, zusammenzuführen, was sich am schwersten vereinigen lässt: Datennetze und Unternehmenskulturen“, sagt Franke.

Service nicht vergessen

Schließlich geht Schrumpfen und Fusionieren nicht ohne Sanierung, weiß Swiss-Chef Christoph Franz. „Man kann das Blutige nicht dem neuen Eigentümer überlassen.“ Auch weil der unter Umständen auf Druck der eigenen Leute vor allem beim Zukauf wegschneidet. Da in der Fliegerei fast nie radikale neue Technologien über Nacht für mehr Effizienz sorgen, ist Sparen Kärrnerarbeit, ohne Angst vor kleinen Posten. Und da sind andere Branchen weiter. „Wir scheuen auch 500-Dollar-Projekte nicht“, sagt Michael Madsen, aus der Airline-Sparte beim Elektronikkonzern Honeywell.

Viel Verbesserungspotenzial steckt für Spezialist Franke auch in besseren Abläufen in den Flughäfen. Hier gilt es, weniger als bisher auf kurze Umsteigezeiten zu setzen, weil das gerade bei Verspätungen viel Personal bindet. Besser ist es, die Umsteigzeiten ein wenig zu verlängern und dadurch für die Kunden berechenbarer zu machen. Die verlorene Zeit kann man anderswo gut zu machen, etwa in dem Koffer der Umsteiger schneller entladen sowie Flieger ablegen, wenn alle Passagiere an Bord sind – und nicht erst, wenn es der Flugplan verlangt.

Bei allem Sparen sollten die Linien aber den Service nicht vergessen. „Der Weg durch die Krise ist wie eine enge Kurve“, sagt Berater Franke. „Man braucht gute Bremsen, aber eben auch die Kraft zum beschleunigen.“

Nicht alle Neuerungen sind teuer, etwa Passagiere kostenlos auf frühere Flüge umzubuchen. Das kostet nichts, schafft aber Platz für Spätbucher, die meist höhere Preise zahlen, und wird der Flug abgesagt, fallen keine Entschädigungen oder Übernachtungskosten an. Mahnendes Beispiel sind viele der US-Linien. Sie haben praktisch das letzte bisschen Komfort gekappt und ihren Ruf so verdorben, dass die Kunden sie im nächsten Aufschwung wenn möglich meiden werden.

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