Strategiewechsel: Bosch - vom Autozulieferer zum Umwelttechnikkonzern

Strategiewechsel: Bosch - vom Autozulieferer zum Umwelttechnikkonzern

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Windkraftanlage mit Bosch-Technik: In den Ausbau der Sparte fließen dreistellige Millionenbeträge.

Der Industriegigant Bosch schaltet um. Aus dem Autozulieferer wird ein Umwelttechnikkonzern, der kräftig vom Klimawandel profitieren will. Taugt die Strategie für den Rest der deutschen Wirtschaft?

Der Gutshof Mooseurach, keine zehn Kilometer Luftlinie vom Starnberger See, hat alles, was eine Öko-Kommune braucht. Auf dem riesigen Areal leben Bauern Tür an Tür mit Künstlern und Handwerkern, ein Landschaftsplaner hat sich ebenso in der oberbayrischen Idylle angesiedelt wie ein Seminaranbieter für gewaltfreie Kommunikation. Im Hofladen gibt es Biokartoffeln frisch vom Feld, selbst produzierten Honig und Fleisch vom Bunten Bentheimer Schwein, einer vom Aussterben bedrohten Rasse. Oben auf dem Dach leisten Solarzellen still ihren Beitrag zur Energiewende. Davor steht ein Kleintransporter mit dem Aufkleber: „Atomkraft – Nicht schon wieder.“

Der „Naturland Öko-Hof“ wäre eigentlich keine Erwähnung wert – hieße der Eigentümer nicht Christof Bosch und wäre der nicht der Enkel und Erbe von Robert Bosch, dem Gründer des gleichnamigen schwäbischen Unternehmens, eines der größten Technologiekonzerne der Welt. „Haben Sie denn schon drüben beim Christof geläutet?“, fragt eine Nachbarin vertrauensselig, als ein Besucher den Mitbewohner mit dem berühmten Namen auf Gut Mooseurach sucht.

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„Der Christof“ ist nicht irgendein Industriellennachfahre. Er ist der Sprecher der Familie Bosch und sitzt als Einziger des Clans im Bosch-Aufsichtsrat und in der Robert Bosch Industrieholding, dem wichtigsten Strategiegremium des Techno-Riesen. Der 49-Jährige muss sich wie ein Prophet fühlen, dem späte Genugtuung widerfährt. Schon 1982 war der promovierte Forstwirt mit seinem Buch „Die sterbenden Wälder“ gegen die fortschreitende Umweltzerstörung zu Felde gezogen. „Die Dynamik der Zivilisation ist so groß geworden“, schrieb er damals, „dass der Wald mit erschreckender Geschwindigkeit abnimmt.“ Er zeigte, dass es auch anders geht, übernahm Gut Mooseurach, wo schon der Großvater lebte, verwandelte es in einen Biohof, gründete einen Versand für Ökolebensmittel und ein Umweltberatungsunternehmen.

Ein Vierteljahrhundert später scheint der Geist von Mooseurach die Chefetagen von Bosch zu ergreifen. Der Konzern, der vor über 100 Jahren mit Anlassern und Zündkerzen groß wurde, nimmt immer rasanter Kurs auf Öko. Konzernchef Franz Fehrenbach sieht, egal, ob es um Autoteile, Hausgeräte oder Industrietechnik geht, nicht immer, aber immer öfter vor allem eines: grün.

Mehr als eine Milliarde Euro macht der sechste „F1“ der Firmengeschichte – so wird der Vorsitzende der Geschäftsführung bei Bosch intern genannt – in diesem Jahr locker, um den Solarzellenhersteller Ersol aus Erfurt zu schlucken. Zudem will er dreistellige Millionensummen in den Ausbau des Windenergiegeschäftes stecken. Durch mehrere Akquisitionen wurde das Unternehmen in den vergangenen Jahren zum weltgrößten Wärmepumpenhersteller. Und das ist erst der Anfang. Wenn es so weitergeht, wird Fehrenbach aus dem industriellen Gemischtwarenladen einen universellen Umwelttechnik-Konzern machen – und einen der größten Profiteure des Kampfes gegen den Klimawandel.

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